Zoë Straub träumt vom Finale

Song Contest

Zoë Straub träumt vom Finale

Am Montag fliegt Zoë nach Schweden. Das Interview über Ziele & Ängste.

Monatelang hat sie sich darauf vorbereitet. Am Montag ist es endlich so weit: Unsere Song-Contest-Starterin Zoë Straub (19) hebt ab in Richtung Stockholm. Mit dabei: Drei Koffer vollbepackt mit Outfits, Papa Christof Straub, dessen Freundin Jasmin, die gleichzeitig ihre Stylistin ist, viel Vorfreude und ein bisschen Nervosität.

Am 10. Mai tritt Zoë im ersten Semifinale an

Am 10. Mai kämpft Zoë in Schweden mit Loin d’ici um den Einzug ins alles entscheidende Eurovision-Finale (14. Mai). „Natürlich will ich es ins Finale schaffen. Das wäre schon sehr, sehr schön“, verrät die Sängerin im ÖSTERREICH am SONNTAG-Interview.

Der Auftritt vor 200 Mio. Menschen sei „der aufregendste meines Lebens“, erzählt sie mit strahlenden Augen. Und schwärmt von ihrer Europatour vorab: „Alle haben meinen Song gesungen. Ich habe vor Rührung geweint.“

Startklar
Freilich, ein bisschen Nervosität schwingt auch mit. Zoës größte Angst: der Song-Contest-Fluch. Schon für so manchen Sänger endete die Karriere auf der Euro­vision-Bühne. „Natürlich macht man sich Gedanken, was passiert, wenn man selbst im Semifinale rausfliegt, dass dann alles vorbei ist“, gibt Zoë zu. Und kurz sieht man tatsächlich die Angst in ihren Augen. Gleich darauf strahlt sie aber wieder: „Ich freue mich jetzt einfach darauf.“ Der Song Contest kann also kommen. Zoë Straub ist dafür bereit und startklar.

Das Interview

ÖSTERREICH: Morgen geht’s los nach Stockholm. Wie groß ist die Aufregung?
Zoë:
Ich muss ehrlich sagen, ich hatte gar nicht die Zeit, richtig nervös zu werden und Panik zu kriegen. Ich freue mich total darauf, dass ich jetzt endlich nicht mehr nur über den Song Contest rede, sondern dort sein darf. Ich glaube, das wird extrem cool. Obwohl ich gestehen muss, dass ich schon einen Eurovision-Albtraum hatte.

ÖSTERREICH: Dass Sie auf der Bühne vor Aufregung kein Wort mehr herausgebracht haben?
Zoë:
Nein, ich bin mit den anderen Kandidaten aus dem ersten Semifinale dagestanden und wir haben auf die Entscheidung gewartet. Und gewartet. Und gewartet. Es ist einfach nichts passiert. Und in dieser Zeit ist meine Panik gestiegen, was passiert, wenn es nichts wird. Es war ein Albtraum. Und ich bin aufgewacht, bevor das Ergebnis da war. Also ich weiß nicht einmal, ob ich im Traum weitergekommen bin.

ÖSTERREICH: Wie groß ist denn die Angst, dass es in Stockholm auch daneben­gehen könnte?
Zoë:
Klar hat man Angst. Wenn ich mir Fan-Votings anschaue, schneide ich da eigentlich immer sehr gut ab. Und viele Leute sagen, dass ich in ihren Top 10 bin. Aber das heißt natürlich nicht, dass die auch für alle in ihren Top 10 anrufen. Deshalb kann ich das nicht so richtig abschätzen. Die drei Minuten werden ex­trem cool, auch wenn es nur im Semifinale ist. Aber meine Angst ist natürlich, was nachher passiert. Ob ich, auch wenn es nicht klappt, weiter Musik machen kann oder ob ich überall abgestempelt bin und ­jeder sagt, wir haben es ja gleich gewusst. Ich hatte ja vor diesem Auftritt schon mein Album, Songs im ­Radio. Deswegen wäre es natürlich schön, wenn ich mir das jetzt nicht verbaue. Ich möchte auf jeden Fall weiter Musik machen, auch wieder schauspielern. Ich hoffe jetzt einfach einmal, dass das klappt. Viele sagen ja, der Song Contest ist entweder ein Karrieresprungbrett oder ein das Karriere-Aus. Ich hoffe, dass es für keinen von uns, die in Stockholm mitmachen, das Aus ist.

ÖSTERREICH: Was ist Ihr persönliches Ziel für Stockholm?
Zoë:
Natürlich hoffe ich sehr, dass ich ins Finale komme. Das wäre schon sehr schön. Ansonsten ­mache ich mir da keine Gedanken. Ich will es gut machen. Den Rest kann ich eh nicht beeinflussen.

ÖSTERREICH: Gibt es ehemalige Song-Contest-Starter, die Sie bewundern, denen Sie vielleicht nacheifern?
Zoë:
Loreen mit Euphoria hat mir schon sehr gut gefallen. Das war ein richtig geiler, toll geschriebener Song. Lena ­habe ich auch mitbekommen. Und natürlich Conchita, klar.

ÖSTERREICH: Auf Ihrer Europatour konnten Sie schon ein bisschen selbst Eurovision-Luft schnuppern. Wie war der erste Eindruck?'
Zoë:
Magisch, unfassbar schön. Ich bin in Amsterdam auf die Bühne gegangen, war ziemlich nervös, und plötzlich habe ich mir gedacht, bin ich verrückt oder singen die wirklich alle meinen Song? Das war für mich unfassbar. Ich habe geweint vor Rührung, weil ich so etwas noch nie erlebt habe. In London und Tel Aviv war es dann noch einmal ähnlich. Das war schon echt schön. Es ist für mich unfassbar, wie viele Leute meine Songs kennen. Mir hat schon jemand aus Brasilien geschrieben, dass er meinen Song mag. Das kann man sich so gar nicht vorstellen, dass jemand so weit weg deine Musik hört.

ÖSTERREICH: Über Ihre Bühnenshow wurde im Vorfeld viel diskutiert. Steht die endgültige ­Fassung für Stockholm schon?
Zoë:
So gut wie. Mit den neuen Aquarellen sind wir schon total happy. Wegen des Kleides wird noch geschaut. Es stehen drei traumhafte Kleider zur Auswahl, und wir müssen einfach abwarten, was mit den Lichtern am besten funktioniert. Es wird kein Hochzeitskleid sein, so wie in der Vorentscheidung, aber schon märchenhaft. Ein bisschen sexy auch, aber nicht zu sehr. Eher verspielt und süß.

ÖSTERREICH: Verspielt und süß, das ist auch das Image, das Sie öffentlich haben. Sind Sie wirklich immer das nette Mädchen?
Zoë:
Ich bin froh, dass ich eine liebe Seite an mir habe. Und ich freue mich sehr auf das Ganze, da ist man natürlich happy. Wie jeder Mensch bin ich aber nicht immer nur gut gelaunt, sondern manchmal auch wütend und traurig. Und wenn ich ganz privat bin, bin ich noch einmal anders, als man mich öffentlich kennt. Wenn du öffentlich bist, bist du auch du. Aber es gibt halt einen Teil, der wirklich ganz privat ist. Du kannst nicht alles zeigen, sonst hast du ja gar nichts mehr, das nur dir gehört.

ÖSTERREICH: Nur Ihnen gehört auch Ihr Freund. Wird der gleich am Montag mit nach Stockholm fliegen?
Zoë:
Nein, am Anfang kommen nur mein Vater und meine Stiefmutter, die zugleich meine Stylistin ist, mit. Mein Freund kommt später nach, auch meine Mama und die Familie meines Freundes. Es wird ein ziemliches Verwandtschaftsfest. Das ist mir auch wichtig. Ich brauche das, dass mein Freund dabei ist und mich backstage beruhigt. Ich habe einige Tipps bekommen, was man gegen die Nervosität machen kann, zum Beispiel sich auf die Brust klopfen. Aber wenn er da ist, ist das noch einmal etwas ganz anderes. Ich möchte auch unbedingt, dass er mit mir im Green Room sitzt. Er ist meine Stütze. Und in dieser Situation braucht man das einfach: Liebe ist ganz wichtig, die größte Stütze in dieser Situation.

ÖSTERREICH: Sie vertreten Österreich in Stockholm. Fühlen Sie sich auch ein bisschen als Botschafterin?
Zoë:
Natürlich bin ich schon sehr stolz. Ich repräsentiere das Land. Das darf jedes Jahr nur einer – und dieses Jahr bin es eben ich. Natürlich möchte man das Land dann gut vertreten.

ÖSTERREICH: Die Bundespräsidentenwahl hat international hohe Wellen geschlagen, Stichwort FPÖ und Norbert Hofer. Haben Sie Angst, dass Ihnen das zum Nachteil werden könnte?
Zoë:
Natürlich spielt Politik auch beim Song Contest eine Rolle. Aber ganz ehrlich: Russland wurde letztes Jahr auch teilweise ausgebuht und trotzdem Zweiter. Ich versuche, mich da so weit wie möglich rauszuhalten. In Wahrheit kommen wir ja alle zusammen, um friedlich Musik zu machen. Ich möchte mir mit meinen 19 Jahren auch nicht anmaßen, über Politik zu sprechen, weil ich darüber wahrscheinlich viel weniger weiß als andere. Viele verbinden Musik und Politik, aber ich fühle mich dafür noch zu jung.

ÖSTERREICH: Abschließend: Vom Song Contest abgesehen, worauf freuen Sie sich am meisten, wenn Sie an Schweden denken?
Zoë:
Ich würde gern das Astrid-Lindgren-Museum sehen. Und die Schauplätze der Stieg-Larsson-Trilogie. Was mir zu Schweden sonst noch einfällt: schöne Menschen. Zumindest habe ich das gehört. Geflirtet wird aber nicht. Ich habe ja schon meinen Freund.

Interview: Astrid Hofer