Wiener Theaterszene trotzt Festwochen

Gegenveranstaltungen

Wiener Theaterszene trotzt Festwochen

"Weites Land" und Weltgeschichte sollen ins Theater locken.

 Des Einen Freud', des Anderen Leid': Während im Mai und Juni das Publikum beinahe täglich eine neue Premiere im Rahmen der Wiener Festwochen geboten bekommt, bleibt den Protagonisten der Freien Wiener Theaterszene in dieser Zeit wegen der übermächtigen Konkurrenz oft nur das Auswandern oder Durchtauchen. Umso bemerkenswerter, dass sich in den kommenden Tagen einige Gruppen und Häuser aus der Deckung wagen. Den Anfang macht am 29. Mai eine ungewöhnliche Inszenierung von Arthur Schnitzlers "Das weite Land", gespielt in einem ehemaligen Architekturbüro in Mariahilf.

Experiment auf der Bühne

"Was wir machen ist ein Experiment", betonen Kaja Dymnicki (geb. 1984) und der Schauspieler Alexander Pschill (geb. 1970), die in ihrer ersten Inszenierung die Tragikomödie gemeinsam mit einem jungen Ensemble "aus dem Griff der Tradition befreien" wollen: "In unserer Version wird es um zwischenmenschliche Überlebenskämpfe gehen. (...) Die Charaktere werden wenig Zeit mit Sinnieren und Philosophieren verbringen (wie so oft in heimischen Schnitzler-Inszenierungen) denn die Hofreiters jagen wie zwei Raubfische durch das Stück und den anderen Figuren hinterher. Zu Live-Musik sollen sie die Texte durch den Raum schleudern, ihn in die Stille stottern oder mit angehaltenem Atem verweigern. Wir wollen herausfinden, wie direkt, unmittelbar, unreflektiert und roh ein so vielschichtiger, feingeschliffener und durchdachter Text präsentiert werden kann", heißt es in der Ankündigung des Theatervereins "Babsi el Absolom", in der zudem Cameo-Auftritte von prominenten Kollegen wie Reinhard Nowak, Michael Ostrowski oder Franziska Weisz angekündigt werden.

Die Show geht weiter

Ab 3. Juni präsentiert das Theater Drachengasse die vier besten Einreichungen des diesjährigen Nachwuchswettbewerbs. Mit 98 Einreichungen erreichte man beim heurigen Thema "Empört euch!" eine Rekord-Teilnehmerzahl. "Besonders oft wurde die Nicht-Empörung angesichts empörender Verhältnisse thematisiert", heißt es aus dem Theater. Bis 22. Juni werden in der Bar&Co-Spielstätte die Heimwerker-Performance "I do it my way!" von Fabian Faltin über männliche Selbstbilder zwischen Heimatsehnsucht und Terrorismus, "Achtundsechzig Jahre Kriegsfreiheit" von Leon Engler, "Die Kümmerinnen. Oder: Du hast leicht loslassen!" (Untertitel: "Ein Stimmteppich erboster Fraulichkeit") von Katharina Tiwald, sowie die "Ösi-versus-Piefke-Farce" "Occupy Burgtheater" von Sandra Jungmann und Bernd Watzka in jeweils 20-minütigen Inszenierungen gezeigt. Die Gewinner (5.000 bzw. 1.000 Euro) werden über Juryentscheid bzw. Publikumsabstimmung ermittelt.

Weltgeschichte in sieben Tagen  
"Die Geschichte der Welt in 7 Tagen" erzählt Theatermacher Yosi Wanunu mit seiner Gruppe toxic dreams von 10. bis 16. Juni im brut im Konzerthaus. Bei den Performances in englischer Sprache will er in einem mit Teppichen ausgelegten Raum vor maximal 30 Besuchern gemeinsam mit zwei Musikern einen humorvollen Gang durch die Geschichte unternehmen, "vom Baum der Erkenntnis, über die größten Schwindel der Geschichte, bis hin zur schönen neuen Welt und zur kapitalistischen Religion. Wanunus Tour beginnt vor 100.000 Jahren bei Glühwürmchen und Seepferdchen und führt schließlich zu den großen Fragen der Zukunft", heißt es in der Ankündigung. Die Mitwirkung der Zuschauer als Rollenspieler, Geräuschemacher und Statisten ist Voraussetzung für das Gelingen, denn: "Jeder Abend ist ein gemeinschaftliches Werk, in dem zusammen mit Yosi Wanunu unterhaltsam und in scharf-pointierter Weise aktiv Geschichte erfahren wird." Mit einem Ticket können alle weiteren Abende gratis besucht werden. Die einzelnen Kapitel dieses Schnelldurchlaufs durch die Menschheitsgeschichte lauten "Der Baum der Erkenntnis", "Der Geschichte größter Schwindel", "Eine Welt, eine Kultur", "Schöne neue Welt", "Der Auszug der Europäer", "Die kapitalistische Religion" sowie, zum Abschluss: "Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute".

Info
"Das weite Land" von Arthur Schnitzler, Textfassung und Regie: Kaja Dymnicki und Alexander Pschill, Mit Ljubisa Lupo Grujcic, Carola Pojer, Christian Gnad, Christian Strasser, Kevin Perry u.a.; Architekturbüro, Wien 6, Gumpendorfer Straße 65 / Gassenlokal, Premiere: 29.5., 19.30 Uhr; Weitere Vorstellungen: 30., 31.5., 3., 6., 11., 19., 20., 24., 25.6., 19.30 Uhr,  www.dasweiteland.at.
"Empört euch!", Bar&Co, Theater Drachengasse, Wien 1, Drachengasse 2, 3. bis 22. Juni, 20 Uhr, Karten: www.drachengasse.at.
"Die Geschichte der Welt in 7 Tagen", Konzept und Performance: Yosi Wanunu, Musik: Martin Siewert und Michael Strohmann, brut Konzerthaus, Wien 3, Lothringerstraße 20, 10. bis 16. Juni, 21 Uhr, Karten:  www.brut-wien.at.

Diashow: Die Kultur-Highlights des Jahres 2013

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