Wiener Bürgermeister im Interview

Ludwig will für Wien härtere Maßnahmen

Ludwig
© APA/HANS PUNZ
Wiens Bürgermeister Michael Ludwig will alle 3 Stufen zusammenfassen.
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ÖSTERREICH: Ihnen ist der Faden gerissen, als Sie vom Kanzler übers Fernsehen von einem Corona-Herbstplan erfuhren.

MICHAEL LUDWIG: Es war klar, dass die Zahlen im Herbst wieder steigen werden. Deshalb habe ich entschieden, dass wir in Wien einen konsequenteren Weg gehen. Ich wollte mit vergleichsweise niedrigeren Zahlen in den Herbst gehen. Außerdem sollte sich die ­Bevölkerung dann an klaren Maßnahmen orientieren, damit das keine Hühott-Po­litik wird. Deshalb habe ich sehr stark darauf gedrängt, dass sich die Regierung über den Ernst der Lage bewusst wird. Es ist zumindest einmal ein erster Schritt. Ich bin überzeugt, dass das nicht der letzte sein wird. Für mich ist die Wahrheit den Menschen zumutbar. Es wäre sinnvoll, wenn man sagt, wie es weitergeht.

ÖSTERREICH: Sie wollten zuletzt nicht mehr mit der Bundesregierung zusammen auftreten. Eiszeit zwischen Kanzleramt und Rathaus?

LUDWIG: Als die Situation sehr schwierig war, hat die Bundesregierung gewusst, wo die Landeshauptleute sind. Ich habe schwerwiegende Maßnahmen mitgetragen, denn die Gesundheitskrise muss parteiübergreifend bewältigt werden. Ich bin gegen politisches Hickhack. Nicht mehr eingeladen wurde ich, als sich die Situation entspannt hat. Das kränkt mich aber nicht, ich kann mich auch so ganz gut bemerkbar machen.

ÖSTERREICH: Welche Fehler hat denn die Bundesregierung aus Ihrer Sicht gemacht?

LUDWIG: Es ist im Sommer plakatiert worden, die Pandemie sei gemeistert. Das hat zu keinem Zeitpunkt gestimmt. Dass im Herbst die Zahlen mit den Reiserückkehrern und dem Schulbeginn steigen werden, das hätte man wissen müssen. Deswegen war ich immer für einen konsequenteren Weg. Das erkennt die Regierung jetzt. Ob das reicht, da bin ich aber nicht überzeugt.

ÖSTERREICH: Es gibt den 1-2-3-Stufenplan. Wir brauchen auch Stufen 4 und 5?

LUDWIG: Wir müssen jedenfalls viel konsequenter vorgehen. Die stark steigenden Zahlen fordern, dass wir die drei Stufen zusammenfassen und sie sehr rasch – so schnell wie möglich – umsetzen. Wir dürfen nicht zuwarten, denn wir dürfen keine Zeit verlieren. Wenn dann die Verordnung vorliegt, werden wir entscheiden, ob auf Landesebene weitere Verschärfungen nötig sind.

ÖSTERREICH: Wann werden die Wiener erfahren, wohin die Reise geht?

LUDWIG: Wir tun das sehr zeitnah. Wir dürfen keinen Tag verlieren. Die Corona-Kommission hat die Ampel für ganz Österreich bereits auf Orange geschalten.

ÖSTERREICH: Alle wollen den Lockdown vermeiden. Wie stark kann man den Druck auf Ungeimpfte erhöhen? Kernpunkt ist die Impfrate.

LUDWIG: Wir liegen in Österreich ja im Vergleich zu anderen westeuropäischen Ländern sehr schlecht. Ein Grund ist sicher, dass die Impfkampagne stark politisiert wurde. Die eine Partei glaubt, es geht mit Vitaminen, die andere plakatiert, die Pandemie ist zu Ende. Mein Stil wäre gewesen, über alle Parteigrenzen hinweg an einem Strang zu ziehen und die Quote hinaufzutreiben, damit die Maßnahmen – so wie in Dänemark – enden können.

ÖSTERREICH: Welche Einschränkungen drohen?

LUDWIG: Wir wollen durch niedrigschwellige Angebote jetzt noch Menschen erreichen, die noch nicht geimpft sind. 15 bis 20 % werden sich aber auf keinen Fall impfen lassen. Für die wird es bei bestimmten Einschränkungen bleiben.

ÖSTERREICH: Also 2 G – genesen und geimpft – nicht nur nicht in die Nachtgastro, sondern auch nicht zum Wirten oder ins Stadion?

LUDWIG: Vor allem bei Veranstaltungen, es geht ja darum, die Menschen zu schützen. Wir müssen sicherstellen, dass wir alle Erkrankten weiter behandeln können. Das wird im Oktober eine sehr große Herausforderung.

ÖSTERREICH: Zu den FFP2-Masken. Da wird zwischen ­Geimpften und Ungeimpften unterschieden. Hätten Sie sich eine klare Regelung gewünscht. FFP2 für alle?

LUDWIG: Das wird ohnehin so sein, die Menschen werden ja von einem ins andere Geschäft nicht die Maske wechseln, nur weil man im einen ein Schnitzel und in dem anderen eine Hose kauft. Kunden sollen überall FFP2-Masken tragen. Bei den Mitarbeitern hängt das von ihrem Impfstatus ab.

ÖSTERREICH: Kommen wir ohne Lockdown durch?

LUDWIG: Ich werde alles daransetzen. Wir müssen jetzt aber mit einer starken Steigerung der Zahlen rechnen, quer durch alle Länder. Höhepunkt dürfte in den kommenden Wochen sein. Wir müssen alles tun, damit die Spitäler nicht überlastet werden. Wir müssen deshalb endlich parteiübergreifend an einem Strang ziehen.

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