Mobbing

150.000 Schüler sind Facebook-Opfer

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20 Prozent aller Teenager sind Opfer von Cyber-Mobbing. Die Schulen reagieren jetzt und sperren Netzwerk-Seiten wie Facebook.

Kinder können grausam sein – und immer öfter sind sie es per Facebook. Laut Unterrichtsministerium ist bereits jeder fünfte Teenager zwischen 12 und 19 Jahren – also etwa 150.000 Burschen und Mädchen – Opfer von Schikanen im Internet oder per Handy geworden. Experten schlagen Alarm: „Im Gegensatz zu Mobbing in der Schule, wo man wenigstens Ruhe hat, wenn man daheim ist, ist man in der digitalen Welt 24 Stunden lang den Attacken ausgesetzt“, sagt Bernhard Jungwirth, Koordinator der Beratungsstelle Safer Internet.

Steiermark sperrt Facebook in allen Schulen
Die ersten Schulen reagieren nun auf die Gefahr aus dem Cyberspace und sperren ‚Social Network‘-Seiten wie Facebook.

  • In Niederösterreichhaben aktuell das BORG und das Gymnasium in Wiener Neustadt Freundschafts­seiten gesperrt. „Wir müssen die Schüler auf die Gefahren aufmerksam machen. Es werden noch viele neue Herausforderungen wie das Cyber-Mobbing auf uns zukommen“, so Gymnasialdirektorin Maria Kornfeld.
  • In den steirischen Schulen herrscht bereits seit zwei Jahren Facebook-Verbot. „Man kann sich ja vorstellen, was im Unterricht passiert, wenn das alles freigeschaltet wäre“, heißt es aus dem Büro des Landesschulrats.
  • In Tirol hat eine Tourismusschule Facebook gesperrt. Im Landesschulrat denkt man bereits laut darüber nach, Netzwerkseiten zentral zu sperren. IT-Betreuer Stefan Einackerersagt: „Das Problem ist uns bekannt, wir werden uns bald über Maßnahmen beraten.“

Unterstützung bekommen die Schulen vom Unterrichtsministerium, das eine Software zur Verfügung stellt, mit deren Hilfe Seiten gefiltert werden können.

Ein ÖSTERREICH-„Lokalaugenschein“ bestätigt: Die Plattform Facebook ist voll von Mobbing-Seiten gegen Mitschüler: So gibt es eine Gruppe gegen Sonja S. aus Vorarlberg, die mittlerweile 485 Mitglieder hat. Ziel: „3000leit..:) und da semih aksu greift da sonja aufn oasch!!!!“ Antwort: „du weist garnicht, wie grausig und fett sie ist.“ Besonders gemein dabei: „Im Internet kann sich das Schadensausmaß vervielfachen. Die Beschimpfungen sind ja für alle Welt sichtbar“, so Jungwirth.

„Schulen müssen Umgang mit Internet vermitteln“
Doch was tun, wenn ein Teenager Opfer von Mobbing in der virtuellen Welt wird? Experte Jungwirth plädiert dafür, gerade in den Schulen einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Medium zu vermitteln.

Das Internet sei oft nur die Fortsetzung von Mobbing in der Schule. Das zeigt der Fall der 13-jJährigen Carina, die nach drei Jahren Dauerbeschuss die Schule wechseln musste.

Carina wurde aus der Schule gemobbt
Attacken gipfelten in Facebook-Gruppe gegen Carina. Sie wechselte die Schule.
Wien. Ein besonders schlimmer Fall von Facebook-Mobbing landete bei der Beratungsstelle Safer Internet: Drei Jahre lang war Carina den Attacken ihrer Mitschüler ausgesetzt. Mit 13 Jahren musste die Gymnasiastin die Schule wechseln.

Der Hintergrund
Carina wird in ihrer Klasse am Ende des ersten Schuljahres als Sündenbock ausgewählt. In der zweiten Klasse wird der Einsatz auch von sozialen Netzwerken, wie Twitter oder Facebook, von den Schülern für Hausaufgaben verlangt. Der verantwortungsvolle Umgang damit ist aber kein Thema. Carina wird auch im Netz gemobbt. Sie versucht, den Spieß umzudrehen, attackiert ihrerseits Lukas. Der schlägt in der realen Welt zurück – im wahrsten Sinne des Wortes: Er verletzt Carina. In der virtuellen Welt schließen Carinas Kollegen auch mit Schülern aus anderen Klassen Bekanntschaft.

Gesprächsthema Nummer eins
Was tun gegen Carina? Die Klasse selbst wird am Ende des Schuljahrs aufgelöst. Auch in ihrer neuen Klasse ist Carina schnell die Außenseiterin. Eine Facebook-Gruppe gegen Carina bildet sich. Der Klassenvorstand erfährt durch Zufall davon. Anhand der Profilfotos werden die Mitglieder ausgeforscht. Zu Weihnachten droht ihnen der Schulausschluss. Doch Carina wechselt im Februar die Schule

(nak)

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