Nach Corona-Notstand: Ermittlungen gegen steirisches Pflegeheim

Wirbel im Mürztal

Nach Corona-Notstand: Ermittlungen gegen steirisches Pflegeheim

Laut Medienberichten hätten die Soldaten, die den Assistenzeinsatz in dem Heim antraten, "menschenunwürdige Zustände" vorgefunden.

Der Sprecher der Staatsanwaltschaft Leoben, Andreas Riedler, bestätigte am Mittwoch auf Anfrage, dass es eine Sachverhaltsdarstellung der Bezirkshauptmannschaft Bruck-Mürzzuschlag bezüglich der Zustände in dem Pflegeheim im obersteirischen St. Lorenzen im Mürztal eingelangt ist. Nun werde wegen Vernachlässigung und Gefährdung von Personen mit übertragbaren Krankheiten ermittelt. Unter Verdacht stehen Verantwortliche des Pflegeheims.

Riedler sagte zur APA, dass ein Anfangsverdacht bestehe und daher das Landeskriminalamt mit Ermittlungen betraut werde. Seitens der Bezirkshauptmannschaft Bruck-Mürzzuschlag hieß es, man sei am Wochenende von der Trägerorganisation informiert worden. Nachdem man sich ein Bild über die Lage gemacht habe, sei die Oberbehörde, das Land Steiermark, in Kenntnis gesetzt worden. Die BH hat am Sonntag auch eine Assistenzanforderung an das Bundesheer gerichtet. Die Soldaten der ABC-Abwehr sind am Montag angerückt und haben für eine Desinfektion des Heimes gesorgt. Mittlerweile stehen elf Unteroffiziere - alle Diplomkrankenpfleger, darunter ein Pflegedienstleiter - sowie ein Militärarzt im Einsatz.


Laut steirischen Medien habe es in dem Heim teils chaotische Zustände gegeben. So habe offenbar erst das Heer eine räumliche Trennung zwischen den Nichtinfizierten und den coronavirus-positiven Heimbewohnern eingerichtet. Die Verpflegung der Heimbewohner werde weiter über die Trägerorganisation, den Arbeitersamariterbund, abgewickelt.

Die Pflege-Sprecherin der FPÖ im steirischen Landtag, Helga Kügerl, wolle eine genaue Untersuchung der Zustände. "Die Missstände in Pflegeheimen erfordern eine unabhängige Untersuchungskommission", sagte die Mandatarin am Mittwoch laut einer Aussendung. Die jüngsten Vorfälle im Mürztaler Pflegeheim stünden sinnbildlich für Problemstellungen hinsichtlich des Schutzes der älteren Bevölkerung in der aktuellen Pandemie. Eine externe Untersuchungskommission sollte die Situation um die getroffenen Coronavirus-Schutzmaßnahmen in steirischen Pflegeheimen aufarbeiten.

Laut Medienberichten hätten die Soldaten in dem Heim "menschenunwürdige Zustände" vorgefunden. Die Vorkommnisse würden einer lückenlosen Aufklärung bedürfen, weswegen die Ankündigung von ÖVP-Gesundheitslandesrätin Juliane Bogner-Strauß, die Causa mit Amtssachverständigen und der Patienten- und Pflegeombudsstelle aufzuarbeiten, selbstverständlich begrüßenswert sei.

 Peter Scherling, Geschäftsführer der Seniorenkompetenzzentren des Arbeitersamariterbundes, der auch das Heim in St. Lorenzen im Mürztal betreibt, hat am Mittwoch gegenüber der APA angekündigt, bei der Aufklärung der Ursachen für den Covid-Ausbruch mitzuhelfen. Die Pflegedienstleiterin, die sich selbst mit dem Coronavirus infiziert hat, sei mittlerweile gekündigt worden. Die anderen Mitarbeiter sollen "so rasch wie möglich" wieder vom Bundesheer die Aufgaben übernehmen.

Scherling wolle der Staatsanwaltschaft Leoben helfen aufzuklären, welches "Versagen" in dem Heim stattgefunden haben könnte, will aber auch keine Vorverurteilungen machen: "Das gehört natürlich aufgeklärt und es ist gut, dass das die Staatsanwaltschaft macht, weil wir selbst das nicht könnten." Er persönlich stehe dafür auch zur Verfügung. Er betonte, dass man bisher immer sehr gut mit dem Land Steiermark zusammengearbeitet habe und er bedankte sich beim Bundesheer für den raschen Einsatz und die Hilfe.

Der Arbeitersamariterbund Steiermark führt insgesamt acht Heime, von denen seinen Angaben zufolge vier völlig frei von Covid seien. In den anderen Heimen - bis auf St. Lorenzen - habe man "die Lage im Griff". Es seien aber herausfordernde Zeiten, meinte er.

Die steirische Pflege- und Patientenombudsfrau Michaela Wlattnig betonte indessen, dass es in St. Lorenzen "um eine sachliche Prüfung zur Klärung und Sicherung der Bedürfnisse der Betroffenen und Angehörigen" gehe. Sie sei in ständigem engen Kontakt mit allen involvierten Stellen, eine lückenlose Aufklärung sei unabdingbar.


 

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