Umstrittene OP: Neuer Kopf auf Spender-Körper

Chirurg wagt Weltsensation

Umstrittene OP: Neuer Kopf auf Spender-Körper

Eingriff wird in China durchgeführt.

Er ist kein Verrückter, kein „Dr. Frankenstein“: Professor Sergio Canavero (52), Neurochirurg aus Turin, wird als erster Mediziner der Welt einen Kopf verpflanzen. Die Generalprobe für diese Operation soll in den nächsten Tagen erfolgen: an der Harbin Me­dical Univer­sity in China, gemeinsam mit dem chinesischen Spezialisten Xiaoping Ren. Das verkündete Canavero bei der Präsentation seines Buches Medicus magnus in Wien.

Teams. Für die Operation stehen 100 Experten bereit, so Canavero im ÖSTERREICH-Interview (siehe unten). An zwei hirntoten chinesischen Organspendern wird die Operation durchgeführt: „Auf den Körper des einen wird der Kopf des anderen transplantiert“, so Canavero. Funktioniert die OP, wird Anfang 2018 ein lebender Empfänger den Körper eines hirntoten Spenders erhalten. Ursprünglich war ein Russe dafür vorgesehen. Da die OP in China stattfindet, wird der erste ­Patient ein Chinese sein.

Eingriff. Im Gespräch mit ÖSTERREICH erklärt Canavero im Detail, wie der komplexe Eingriff funktioniert:

  • Beide Körper werden sitzend in Gestellen fixiert. Das verhindert Verschiebungen im Millimeterbereich.
  • Mit der schärfsten Klinge der Welt, einer Nanoklinge, wird ein extrem präziser Schnitt durch Wirbelsäule und Rückenmark geführt. Bei beiden Patienten erfolgen die Schritte synchron.
  • Das Tauschen der Köpfe dauert nur wenige Sekunden, die gesamte Operation allerdings 18 Stunden.
  • Kritischster Teil ist die Aktivierung der Nerven. Das Wundermittel dabei heißt Polyethylenglycol. Es versiegelt Neuronen und Nervenfasern und verbindet diese am Punkt der Durchtrennung: „Bei einer Transplantation ist das einfacher als bei einer Fraktur, wo das Rückenmark Quetschungen erleidet“, sagt Canavero: „Bereits 10 bis 20 Pro­zent der Nerven reichen aus, um die Motorik wiederherzustellen.“ Karl Wendl

"Operation wird Medizin weltweit revolutionieren"

ÖSTERREICH: Warum diese riskante Operation?
Sergio Canavero: Weil ich die Lebenserwartung der Menschen verlängern will. Aus China habe ich jetzt die Erlaubnis erhalten, offiziell darüber zu sprechen, dass wir demnächst die erste Kopftransplantation durchführen werden. Unser Team in China besteht aus zwölf Chirurgen und etwa 100 Experten. Zum ersten Mal in der Menschheitsgeschichte haben wir die Technologie dafür. Wir müssen entscheiden, ob wir unser Schicksal ändern wollen. Sind wir bereit, Leben zu verlängern?

ÖSTERREICH: Der Eingriff ist aber hochriskant?
Canavero: Ja, ist er, das muss ich zugeben. Diese Frage stellten sich aber auch jene Chirurgen, die die erste Herztransplantationen durchführten. Auch sie haben ein hohes Risiko auf sich genommen. Außerdem bin ich nicht der einzige Chirurg, der sich mit diesem Thema beschäftigt. Es gibt weltweit Dutzende Mediziner, die sich damit beschäftigen.

ÖSTERREICH: Moralische Bedenken haben Sie keine?
Canavero: Hat man das auch bei Herztransplantationen gefragt?

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