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Gammelfleisch-Prozess angelaufen

In der Steiermark steht der Betriebsleiter eines Schlachthofes vor Gericht.

Der Gammelfleisch-Skandal hatte 2019 in der Steiermark für viel Aufregung gesorgt, soll doch zehn Jahre lang Genussuntaugliches von einem Schlachthof als ordentliche Ware verkauft worden sein. Am Freitag begann im Straflandesgericht der Prozess gegen den Geschäftsführer des Betriebs.
 
Er war sich keiner Schuld bewusst und sprach von einem Racheakt ehemaliger Mitarbeiter. Der Verteidiger vermutete auch gezielte Aktionen von Konkurrenten seines Mandanten.
 

Tierschützer vor Gerichtsgebäude

Vor dem Gericht standen Tierschützer mit Transparenten mit Aufschriften wie "Tierqual bis in den Tod" oder "Billigfleisch nein danke". Verteidiger Gerald Ruhri stellte gleich zu Beginn fest: "Schlachthöfe sind keine Wohlfühlzonen für die Tiere." Angeklagt waren aber nicht die Zustände in den Schlachthöfen generell, sondern der Umgang mit genussuntauglichem Fleisch in einem einzigen Betrieb.
 

Gammelfleisch zehn Jahre lang beigemischt

Ankläger Konrad Kmetic von der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft warf dem Beschuldigten gewerbsmäßigen schweren Betrug, Vergehen gegen das Lebensmittelgesetz und Anstiftung zum Amtsmissbrauch vor. Der Angeklagte soll von 2009 bis 2019 ungenießbares Fleisch mit ordnungsgemäßer Ware vermischt haben.
 

Schweineteile für die Tierkörperverwertung

Aufgeflogen war dies, als drei Schweineteile, die für die Tierkörperverwertung (TKV) vorgesehen waren, unbemerkt mit Mikrosendern versehen wurden. Diese Schweine tauchten plötzlich beim genusstauglichen Fleisch auf und sollten an Kunden weiterverkauft werden. Der Angeklagte soll auch von einem Tierarzt verlangt haben, das Fleisch als genusstauglich einzustufen, ohne es näher zu begutachten.
 
© APA/KARIN ZEHETLEITNER
 
Tierschützer vor dem Gerichtsgebäude in Graz
 

Beschuldigter: "Defekte Waage ist schuld"

Der Steirer leugnete die Vorwürfe. Das Ganze sei auf eine defekte Waage an einem Tag zurückzuführen, die ein Chaos in den Abläufen verursacht haben soll, rechtfertigte er sich. Dadurch seien möglicherweise die Fleischteile durcheinander geraten. "Es wurde nie etwas verkauft, das gesundheitsschädlich war", betonte der Verteidiger.
 

Rache ehemaliger Mitarbeiter?

Ehemalige Mitarbeiter hatten vor der Polizei ausgesagt, der Angeklagte habe selbst Schweine aus dem Entsorgungscontainer genommen und unter das genusstaugliche Fleisch gemischt. Das sei ein "Racheakt", weil er die Männer, die bei ihm Fleisch gestohlen haben sollen, angezeigt habe. Ein Zeuge gab an, er habe "noch nie einen Betrieb gesehen, in dem so unhygienisch gearbeitet wurde."
 
"Wieso sagt der so etwas?", wollte Richter Gerhard Leitgeb wissen. "Ich weiß nicht einmal, wer der ist", wehrte der Befragte ab. Das seien ungarische und slowenische Arbeiter gewesen "mit denen ich nur Probleme gehabt habe, dauernd gab es Anzeigen".
 

Anklage: Schaden 5,7 Millionen Euro

Der Verteidiger beschrieb außerdem, dass zwei der Belastungszeugen von einem anderen Betrieb kamen, dessen Kunden zum Beschuldigten gewechselt hatten. "Schon kurz nach ihrer Einstellung begannen sie zu fotografieren und gingen mit den Fotos zur Arbeiterkammer." Der Ankläger hatte den Schaden mit 5,7 Millionen Euro beziffert, wofür es laut Verteidiger "keine konkreten Unterlagen" gebe.
 
Der Prozess wird erst am 1. März fortgesetzt, ein Urteil wurde für Mitte März erwartet.

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