Wildtier-Verbot im Zirkus auch in Frankreich

Französische Regierung stimmte Mitte November einem entsprechende Verbot zu.

Die französische Regierung fixierte am 18. November verschiedene neue Tierschutzregelungen und verabschiedete unter anderem über ein Verbot von Wildtieren in Zirkussen ab. Mit einer siebenjährigen Übergangsfrist soll die Haltung von Wildtieren in Zirkusbetrieben gänzlich verboten werden, ein Zucht- und Auftrittsverbot für Wildtiere wird zwei Jahre nach dem Gesetztesbeschluss in Kraft treten. In Österreich besteht ein solches Wildtier-Verbot in Zirkussen bereits. Deutschland fällt hingegen in Sachen Tierschutz europaweit noch weiter zurück. Tierschutz-Organisationen wie Vier Pfoten und Peta begrüßen die französische Entscheidung.

Wildtiere gehören  in die Natur und nicht in den Zirkus

Biologin Dr. Yvonne Würz, Fachreferentin für Tiere in der Unterhaltungsbranche bei Peta Deutschland, kommentiert: „Wir freuen uns, dass mit Frankreich eines der EU-Länder mit den meisten Wildtier-Zirkussen nun endlich diesen Schritt geht. Auch in Deutschland ist die Zeit für ein Verbot überreif – Peta fordert deshalb die neue Bundesregierung dringend auf, ebenfalls schnellstmöglich ein umfassendes Zirkus-Wildtierverbot zu beschließen. Einschließlich Frankreich haben mittlerweile bereits 27 europäische Länder verboten, bestimmte oder alle Tierarten in Zirkusshows auftreten zu lassen. Die Forderungen nach einer solchen bundesweiten Regelung werden auch hierzulande immer lauter. Neben dem Bundesrat, den Agrarressorts der Länder sowie der Bundestierärztekammer befürwortet laut repräsentativen Umfragen auch die Mehrheit der Bevölkerung ein Verbot von Wildtieren im Zirkus. Zwar hatte Bundesagrarministerin Julia Klöckner letztes Jahr einen Entwurf für eine Tierschutz-Zirkusverordnung vorgestellt. Dieser war jedoch nicht mehr als ein Feigenblatt und beschränkte sich auf wenige Wildtierarten – Elefanten, Giraffen, Nashörner, Flusspferde, Großbären und Primaten. Außerdem war darin keine Übergangsfrist für eine Abgabe der Tiere vorgesehen, sodass dem Entwurf folgend selbst die vorhandenen Wildtiere wahrscheinlich bis zum letzten Atemzug ausgebeutet würden. Der Bundesrat lehnte den vollkommen unzureichenden Entwurf daher im vergangenen Juni ab."

Deutschland braucht umfassendes Wildtier-Verbot in Unterhaltungsbetrieben

Die globale Tierschutzstiftung Vier Pfoten begrüßt das im französischen Senat beschlossene Verbot von Wildtieren im Zirkus. Damit zählt Deutschland nun zu den letzten Ländern innerhalb Europas, welche die Ausbeutung von wilden Tieren zu Unterhaltungszwecken erlauben. Die Organisation fordert von den verhandelnden Parteien SPD, Bündnis 90/Die Grünen und FDP, ein umfassendes Wildtierverbot im Zirkus auf den Weg zu bringen.

Schlusslicht punkto Wildtier-Verbot

„In Deutschland ist ein umfassendes Wildtierverbot im Zirkus überfällig. Die meisten anderen Staaten in der EU haben längst eingesehen, dass wilde Tiere nichts in der Manege zu suchen haben. Momentan verhandeln SPD, Bündnis 90/Die Grünen und FDP über den Koalitionsvertrag. Will Deutschland nicht ewiges Schlusslicht bleiben, müssen die Koalitionäre dringend ein Verbot für alle Wildtiere im Zirkus auf den Weg bringen", appelliert Rüdiger Jürgensen, Geschäftsführer Vier Pfoten Deutschland, an die künftige Regierung der deutschen Ampel-Koalition.

Gefangenschaft und unnatürliche Lebensräume für unsere Spaßgesellschaft

"Wildtiere haben im Zirkus nichts zu suchen. Sie leiden darunter, ihr Dasein in engen Boxen oder kargen Gehegen zu fristen, sowie unter den monatelangen Reisestrapazen, der häufig gewaltvollen Dressur und den unnatürlichen Kunststücken, die sie in der Manege bei lauter Musik und in grellem Scheinwerferlicht vorführen müssen. Dieses entbehrungsreiche Leben führt bei vielen Tieren zu Verhaltensstörungen und gesundheitlichen Problemen, bis hin zu einem viel zu frühen Tod. Wir appellieren an die Bundesregierung, nun dringend zu handeln und ein vollumfängliches Zirkus-Wildtierverbot im Koalitionsvertrags festzuschreiben. Das Leid in der Manege muss endlich beendet werden“, ergänzt Peta-Fachreferentin Würz und verweist darauf, dass "Tiere nicht dazu da sind, dass sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten ".

Unsere Tiere – Das große oe24.TV-Tierschutzmagazin von Sonntag, 28. November 2021, hier in voller Länge sehen.

Nächste Ausgabe Unsere Tiere: 5. Dezember 2021, 18:30 Uhr.



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