Anschlag auf deutsches Lokal in Indien

9 Tote

Anschlag auf deutsches Lokal in Indien

Der Sprengsatz detonierte in der "Deutschen Bäckerei" in Puna: 9 Tote, 30 Verletzte. Unter den Opfern sind auch vier Ausländer.

Beim Anschlag auf das Szene-Café "German Bakery" in der südindischen Aussteiger-Hochburg Pune hat sich nach Angaben vom Sonntag die Anzahl der Todesopfer auf neun erhöht. Nach Worten des indischen Innenministers Palaniappan Chidambaram wurden bei dem Terrorattentat am Vortag 57 Menschen verletzt. Von ihnen seien 19 bereits wieder aus dem Krankenhaus entlassen worden. Ein Opfer sei in sehr kritischem Zustand. Wer hinter der Tat stecken könnte, war nach Behördenangaben unklar.

Bombe unter Tisch versteckt
Die Gegend um das Café in Pune (früher Poona) sei seit einiger Zeit von Terroristen ausgekundschaftet worden, sagte der Minister. Der Sprengsatz sei in einem Rucksack, der unter einem Tisch lag, versteckt gewesen. Unter den Toten könnte auch ein Ausländer sein. Aber es gebe keine abschließende Beweise dafür, sagte Chidambaram. Hinweise auf die Täter oder das Motiv lägen nicht vor. Bei dem Cafe-Restaurant "German Bakery" habe es sich um eine Einrichtung gehandelt, die bei jungen Ausländern und Einheimischen gleichermaßen beliebt gewesen sei.

Ob einer der Toten aus Taiwan stammte, wie zunächst berichtet, war am Sonntag unklar. Nach Angaben des Innenstaatssekretärs G.K. Pillai befanden sich unter den 57 Verletzten ein Deutscher, vier Iraner, zwei Sudanesen, zwei Nepalesen sowie ein Taiwanese. Der oder die Attentäter hätten bewusst ein "weiches Ziel" treffen wollen, einen Ort, an dem sich gerne junge Ausländer und Einheimische trafen, sagte Innenminister Chidambaram nach seinem Besuch in Pune.

Nach Medienangaben sind die Toten sehr entstellt. Die meisten Opfer seien zwischen 20 und 25 Jahre alt. Augenzeugen zufolge riss die Bombe ein riesiges Loch in die Außenwand des Gebäudes. Die Bevölkerung von Pune wurde davor gewarnt, sich herrenlosen Gepäckstücken oder anderen verdächtigen Gegenständen zu nähern.

Bhagwan-Hochburg
Die "German Bakery" existiert seit 22 Jahren in der Millionenstadt, 135 Kilometer südöstlich der Finanzmetropole Mumbai (früher Bombay) gelegen. Sie befindet sich unmittelbar neben dem Ashram Osho, früher Hauptquartier des 1990 verstorbenen indischen Sektenführers Bhagwan Shree Rajneesh.

Im Ashram Osho hatte sich in den vergangenen Jahren nach Angaben Pillais mehrfach auch der US-Amerikaner David Headley, ein mutmaßliches Mitglied der islamistischen Terrorgruppe LET aufgehalten. Die in Pakistan verwurzelte LET (Lashkar-e-Taiba) wird von Indien für die Anschläge vom November 2008 in Mumbai (Bombay) verantwortlich gemacht, bei denen 160 Menschen starben.

Seit den 1970er Jahren war die Bhagwan-Sekte in Pune Anlaufpunkt für viele Aussteiger aus dem Westen, speziell aus der deutschen Hippie-Szene. Die Bäckerei war ein beliebter Anlaufpunkt für Menschen mit westlichen Wurzeln. In unmittelbarer Nähe befindet sich auch ein jüdisches Gebetshaus.

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