Afrikaner pochen bei Merkel auf Impfstoffe für Afrika

Impfstoff-Freigabe

Afrikaner pochen bei Merkel auf Impfstoffe für Afrika

Südafrika und andere Staaten wollen Freigabe der Patente.

Bei einem Afrika-Gipfel im deutschen Kanzleramt haben mehrere afrikanische Staaten auf einen besseren Zugang zu Corona-Impfstoffen gepocht. Sowohl der Präsident Südafrikas als auch der Vorsitzende der Afrikanischen Union forderten dabei nach einem Treffen mit Kanzlerin Angela Merkel am Freitag die Freigabe der Patentrechte auf Corona-Impfstoffe.

Auch Merkel nannte es eine "dramatische Ungerechtigkeit", dass in Europa 60 Prozent, in Afrika aber nur zwei Prozent der Menschen gegen das Corona-Virus geimpft sind. "Dies müssen wir schnell überwinden", sagte sie.

Merkel empfing mehrere Regierungschefs

Merkel hatte mehrere Staats- und Regierungschefs im Rahmen der "Compact with Afrika"-Initiative empfangen. Es war das 4. Treffen der unter der deutschen G20-Präsidentschaft 2017 gestarteten Initiative, die mehr privates Kapital nach Afrika locken soll. Besonders reformfreudige Staaten erhalten dabei zusätzliche finanzielle Mittel wie etwa 500 Millionen Euro für mittelständische Unternehmen von der Bundesregierung.

Deutschland gewährt nach Angaben des Wirtschaftsministeriums zudem Zinsabsicherungen für großvolumige Exporte und Exportkreditgarantien für 51 der 54 afrikanischen Länder. Diese erleichtern den Handel sowie Investitionen. Zu den Compact-Ländern gehören etwa Ägypten, Äthiopien, Benin, Burkina Faso, Elfenbeinküste, Ghana, Guinea, Marokko, Ruanda, Senegal, Togo und Tunesien. Die Kanzlerin warb insgesamt für eine engere Zusammenarbeit. "Afrika verfügt über so viel Marktpotenzial", sagte sie bei einer Subsahara-Konferenz der deutschen Wirtschaft.

Impfen dominierendes Thema

Dominiert wurde das Treffen aber durch das Thema Impfen. Denn schon am Donnerstagabend hatten die Chefs mehrerer multialateraler Organisationen im Kanzleramt gewarnt, dass sich die Weltwirtschaft sehr ungleich entwickle. Während die Industriestaaten mit einer hohen Impfquote höhere Wachstumszahlen verzeichneten, schlage die Corona-Pandemie negativ in den südlichen Erdteilen zu.

Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa pochte deshalb auf eine Freigabe der Patente für Corona-Impfstoffe. "Wir halten es für leichtfertig, dass Vakzine nur in einigen Ländern produziert werden", sagte er. Dem schloss sich auch der Präsident der Afrikanischen Union, Félix Tshisekedi Tshilomb, an.

Deutschland lehnt ab

Deutschland lehnt die Freigabe aber ab und will lieber Firmen wie BioNTech Produktionsstätten in Afrika aufbauen lassen. BioNTech kündigte am Freitag an, den Aufbau einer Impfstoffproduktion in Ruanda und im Senegal zu prüfen. Dort könnten dann mRNA-Impfstoffe des Unternehmens gegen Malaria und Tuberkulose, die sich gegenwärtig noch in der Entwicklung befinden, hergestellt werden, teilte Biontech mit. Die Ankündigung folgt einem Treffen von Vorstandschef Ugur Sahin mit den Präsidenten von Ruanda und Senegal, Paul Kagame und Macky Sall, sowie EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen in Berlin. "Unser Ziel ist es, in Afrika Impfstoffe zu entwickeln und nachhaltige Produktionskapazitäten für Impfstoffe aufzubauen, um gemeinsam die medizinische Versorgung zu verbessern", erklärte Sahin. Noch importiert der Kontinent 99 Prozent seiner Impfstoffe.

Merkel kündigte zudem an, dass Deutschland in diesem Jahr nicht wie bisher geplant 30 Millionen, sondern 70 Millionen Corona-Impfdosen an ärmere Staaten spenden werde. Deutschland und Südafrika leiten bei der internationalen Impfstoff-Allianz Covax zudem eine Arbeitsgruppe, die sich um den Aufbau einer Impfstoffproduktion in Afrika kümmern sollen. Die Ergebnisse sollen auf dem G20-Gipfel in Rom am 30. und 31. Oktober vorgestellt werden
 



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