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Familie neun Jahre gefangen gehalten

Die irre Welt des Sekten-Vaters

In einem Video aus 2006, das die holländischen Medien zeigen, spricht von einem 'unsichtbaren spirituellen Krieg zwischen guten und schlechten Geistern'.

Groningen. Der Vater der isolierten Familie vom niederländischen Bauernhof bleibt unter dem Verdacht der Freiheitsberaubung in Haft. Der Haftrichter verlängerte am Montag die Untersuchungshaft um 14 Tage. Das teilte die Staatsanwaltschaft in Groningen mit.

Der 67-jährige Gerrit Jan van D. wird verdächtigt, neun Jahre lang seine sechs Kinder gegen ihren Willen auf einem abgelegenen Hof im Dorf Ruinerwold festgehalten zu haben. Er befindet sich nach Angaben niederländischer Medien zurzeit in einem Gefängniskrankenhaus. Die Gründe wurden nicht mitgeteilt. Bekannt ist, dass er vermutlich vor drei Jahren einen Schlaganfall erlitten hatte. Van D. darf mit Ausnahme seines Anwaltes keinen Kontakt zur Außenwelt haben, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Er wird auch der Misshandlung verdächtigt, dadurch, dass er seinen Kindern ärztliche Versorgung vorenthalten haben soll. Sie waren nie bei den Behörden gemeldet worden.
 

Religiöse Botschaften im Netz verbreitet

Der Vater soll nach Berichten niederländischer Medien jahrelang religiöse Botschaften im Internet verbreitet haben. Die Zeitungen "De Telegraaf" und "De Volkskrant" veröffentlichten am Montag Videos, auf denen ein älterer Mann mit langem grauen Bart zu sehen ist. Frühere Nachbarn und Bekannte hätten den Vater auf den Videos identifiziert. Die Staatsanwaltschaft äußerte sich vorerst nicht zu den Aufnahmen.

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Ausfallschritte gehören in sein Turn-Programm
Nach Recherchen der "Volkskrant" führte der Vater unter dem Namen John Eagles eine Art Wiki-Enzyklopädie zu seiner religiösen Lebensauffassung. Aber dort fand die Zeitung auch Berichte zur Gartenhaltung und Gymnastikübungen. Auf einem Video sieht man den Mann mit einer selbst gebauten hölzernen Rudermaschine. Nach Angaben der Zeitung wurde das Video im Garten des Hofes in Ruinerwold aufgenommen. An keiner Stelle aber habe der Mann etwas über seine Kinder mitgeteilt.

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Gerrit-Jan D. zeigt im Internet Kniebeugen

 

Die Weltsicht des Sekten-Vaters

In einem Video aus 2006, das die niederländische Zeitung "De Telegraaf" zeigt, legt er seine krude Weltsicht dar. Darin spricht er zum Beispiel von einem "unsichtbaren spirituellen Krieg zwischen guten und schlechten Geistern." Dann sagt er weiter: "Der Krieg ist noch nicht ganz vorbei, aber Gott hat bereits den Sieg und das endgültige Gericht in der geistigen Welt angekündigt."
 
Der Sekten-Vater, der früher dem Moon-Kult ("Vereinigungskirche") angehörte, spricht über die Bedeutung von Familie: "Bist du glücklich, wenn du ein Elternteil bist, das etwas tut, das gut für dich ist, aber deine Kinder verletzt?" Eine Antwort darauf hat er nicht.

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"Göttliche Körperübungen": Gerrit-Jan van D. (67) postete im April 2013 dieses Foto.
Vor einer Woche waren der Vater und die heute erwachsenen Kinder in einem abschließbaren Raum des Hofes in der östlichen Provinz Drenthe entdeckt worden. Ein 25-jähriger Sohn hatte zuvor in einem Gasthaus um Hilfe gebeten. Die vier Töchter und zwei Söhne sind nach Angaben der Polizei an einem unbekannten Ort untergebracht und werden auch psychologisch betreut.
 
Auch ein 58-jähriger Österreicher sitzt unter dem Verdacht der Freiheitsberaubung in Haft. Josef B. ist Mieter des Hofes. Die Staatsanwaltschaft untersucht, ob die Männer eine sektenähnliche Gemeinschaft aufgebaut hatten. Der Vater hatte in den 1980er-Jahren der Vereinigungskirche des Koreaners Moon angehört.
 
Der Vater soll nach Berichten niederländischer Medien jahrelang religiöse Botschaften im Internet verbreitet haben. Die Zeitungen "De Telegraaf" und "De Volkskrant" veröffentlichten am Montag Videos, auf denen ein älterer Mann mit langem grauen Bart zu sehen ist. Frühere Nachbarn und Bekannte hätten den Vater auf den Videos identifiziert. Die Staatsanwaltschaft äußerte sich vorerst nicht zu den Aufnahmen.


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