ÖSTERREICH-Reporter Herbert Bauernebel

"Ich sah die Flugzeuge in Türme fliegen"

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Todesangst spürte Herbert Bauernebel, als die beiden Türme kollabierten: „Muss ich hier ersticken? “.
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New York. Dieses Geräusch … Was ist das? Eindeutig ein Flugzeug. Aber es klingt viel zu laut und zu nah. Ich sitze an meinem Schreibtisch in meiner Wohnung im 31. Stock mit Blick auf den fünf Blöcke entfernten WTC-Nordturm. Die gleißende Sonne an diesem Spätsommertag funkelt im Fenster.

Aus einer ersten Beunruhigung über dieses seltsame Flugzeuggeräusch wird rasch blankes Entsetzen. Die Triebwerke heulen, es folgt ein dumpfer Schlag. Fassungslos starre ich auf eine Explosion an der Spitze des Skyscrapers. Der Lärm hallt durch das Finanzviertel, pechschwarzer Rauch quillt aus dem Krater, gefüllt mit Büro-Dokumenten.

»Beide Türme in Flammen, ich marschiere los«

Die Welt schaut zu. Ich stehe wie gelähmt am Fenster, starre auf das brennende Hochhaus. „Was war das?“ Meine Frau Estee kommt ins Wohnzimmer. Sie ist schwanger, unser erstes Kind. Ich deute auf den brennenden Turm. Noch glaube ich an einen Unfall – zumindest 20 Minuten lang: Dann röhren wieder Jumbojet-Triebwerke! Der nächste Knall, der zweite Turm. Es läuft live im TV. Die ganze Welt ist jetzt zum Stillstand gekommen und blickt mit Entsetzen auf den nun offensichtlichen Terroranschlag in New York City.
Beide Türme stehen in Flammen, ich marschiere los. Die Straßen sind voller Menschen, die alle wie festgefroren auf die brennenden Twin Towers starren. Der Platz zwischen den Türmen ist mit Trümmern übersät. Eine Frau blutet aus einer klaffenden Kopfwunde.

Ich frage entkommene Büroangestellte, sie sind durchgeschwitzt, ihr Blick leer. „Oh mein Gott!“, schreit eine Frau: „Sie springen!“ Wer springt? Ich drehe mich um, sehe, wie die ersten Opfer aus den Brandherden zwischen der 94. und 98. Etage springen. Ich sehe Umrisse eines Körpers, der an der Fassade herabstürzt.

»Todesangst lähmt mich – muss ich ersticken? «

„Meine Frau!“. Menschen rennen plötzlich panisch los. Wie in Zeitlupe wird mir klar, dass einer der Türme eingestürzt sein muss. Sekunden später rast die Staubwolke auf uns zu. Ich hechte unter einen geparkten Minivan, starre kurz auf eine andere Person, die unter dem nächsten Auto liegt. Dann rast die Wolke über uns hinweg. Film aus! Stockfinster! Totenstill!
Ich atme das pulverisierte World Trade Center. Todesangst lähmt mich: Muss ich hier ersticken? Wut kommt hoch: „Ich werde gerade Vater, warum ersticke ich hier?“ Ich gebe mir einen Ruck, taumle über die Straße, finde Zuflucht in einem Restauranteingang. „Jesus Christ!“, ruft einer. Ich bin komplett mit weißem Staub bedeckt.

„Meine Frau!“ Das sind meine ersten klaren Gedanken. Sie muss das Schlimmste befürchten, nachdem sie den Einsturz des Gebäudes gehört hat. Ich renne durch die staubgefüllten Straßen, bin panisch, meine Frau weiß weiß nicht, dass ich okay bin. Plötzlich klingelt mein Handy. Sie ist es. „Mir geht es gut“, stammle ich. Wir weinen. Wenigstens ein Happy End an diesem Tag des Grauens, denke ich erleichtert.

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