Eklat im Parlament: Zwei italienische Abgeordnete stellten Figuren von schwulen und lesbischen Pärchen in die Weihnachtskrippe.
Die in Italien naturgemäß hitzige Diskussion um die Einführung von Homo-Ehen bzw. die Legalisierung zusammenlebender gleichgeschlechtlicher Paare hat durch eine Provokation der Radikalen Partei einen neuen Höhepunkt erfahren: Zwei Parlamentarier der Partei, die zum Regierungslager von Ministerpräsident Romano Prodi gehört, stellten am Mittwoch in die Krippe, die für Weihnachten in der Abgeordnetenkammer eingerichtet wurde, auch Figuren von einem homosexuellen und einem lesbischen Paar. Die beiden Paare umarmen sich. Unter der Krippe wurden Spruchbänder mit dem Slogan gestellt: "Homo-Ehen auch in Italien, so wie in Spanien."
Kritik von der Opposition
Heftige Reaktionen blieben nicht aus.
Die konservative Partei Forza Italia um Oppositionschef Silvio Berlusconi
sprach von einem "vulgären und unannehmbaren Angriff auf die
Institutionen und auf ein religiöses Symbol". Die Partei forderte
den Präsidenten der Abgeordnetenkammer Fausto Bertinotti auf, Maßnahmen
gegen die beiden Parlamentarier der Radikalen Partei zu ergreifen.
Die rechte Alleanza Nazionale sprach gar von einer Geste, die ein Sakrileg darstelle und die alle italienischen Katholiken beleidige. "Vulägre und propagandistische Aktionen dieser Art sind ein Angriff auf ein heiliges Symbol des Christentums und der traditionellen Familie, wie die Krippe", sagte der Parlamentarier der AN, Antonio Mazzocchi.
Streit um Homo-Ehe im Parlament
In Italien tobt derzeit ein
heftiger Streit um die Legalisierung homosexueller und zusammenlebender
Paare. Bis zum 31. Jänner will die Regierung die Vorlage eines
entsprechenden Gesetzesentwurfs vorstellen. Damit würden erstmals in Italien
auch homosexuelle Lebensgemeinschaften den Ehen rechtlich gleichgestellt.
Scharfe Debatten haben bereits begonnen. Die rechtliche Gleichstellung
schwuler oder lesbischer Paare ist in Italien nicht nur zwischen der Linken
und der Rechten umstritten, sondern auch innerhalb von Prodis regierender
Mitte-Links-Koalition.