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Ein Triumph für Roman Polanski

"Der Ghostwriter"

© AP

Ein Triumph für Roman Polanski

Die erste große Gratulation zum Silbernen Bär für Roman Polanski kam aus Paris. „Dies ist eine außergewöhnliche Nachricht“, schrieb der berühmte französische Philosoph Bernard-Henri Lévy. Die Berlinale-Jury habe bewiesen, „dass sie sich von der Meute nicht einschüchtern“ lasse. Sie wisse obendrein „ein Meisterwerk wie Polanskis The Ghostwriter als solches zu würdigen“.

Zwei Seiten des Erfolges
In der Tat hat der Regiepreis für den Kinomagier, der wegen einer mehr als 30 Jahre zurückliegenden Sex-Affäre mit der Auslieferung in die USA rechnen muss, zwei Seiten. Eine künstlerische und eine politische. Zum einen ist da die ungeteilte Anerkennung für seinen Film, der Beobachter wie Ghostwriter-Romanautor Robert Harris „an die frühen Meisterwerke“ Polanskis erinnert.

Ein Blick hinter die Kulissen der Macht
Der Politthriller handelt von einem Tony Blair nachempfundenen britischen Premierminister (Pierce Brosnan), der wegen des Irak-Kriegs vom Internationalen Gerichtshof in Den Haag verfolgt wird. Der Film baut mit kühlen und kühnen Bildern Hochspannung auf. Große Schauspieler (neben Brosnan auch Ewan McGregor und Kim Cattrall) laden zu einem faszinierenden Blick hinter die Kulissen der Macht.

Dreh in Deutschland wegen Sex-Affäre
Der Ghostwriter spielt großteils in den USA, wurde aber in Deutschland gedreht – eben wegen den Folgen der Sex-Affäre, von der Polanski juristisch im Herbst 2009 wieder eingeholt wurde. Bekanntlich sitzt der Regisseur in seinem Schweizer Chalet im Hausarrest, bis über das Auslieferungs-Begehren der USA entschieden ist. Polanski wird vorgeworfen, 1977 in Los Angeles eine damals 13-Jährige vergewaltigt zu haben.

Ruhen lassen?
Autor Harris, der mit dem Regisseur auch das Ghostwriter-Drehbuch verfasste: „Ich möchte den Vorfall von damals nicht entschuldigen. Wenn man aber bedenkt, dass die betroffene Frau heute dafür plädiert, die Angelegenheit ruhen zu lassen, dann scheint es mir sehr grausam zu sein, einen Mann von 76 Jahren deshalb erneut zu verfolgen.“ Harris im ÖSTERREICH-Interview: „Roman Polanski wurde nie wieder eines ähnlichen Vorfalls beschuldigt. Er ist keine Bedrohung für die Gesellschaft. Ich hoffe, dass das Verfahren rasch beendet wird, ohne dass er in die USA reisen muss.“

Der Ghostwriter. Von Roman Polanski. Jetzt in Österreichs Kinos.

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