Claudia Schiffer über ihre Model-Karriere

Bilanz

Claudia Schiffer über ihre Model-Karriere

Das Top-Model der 80er-Jahre, Claudia Schiffer (37), feiert nach vierjähriger Babypause ein sensationelles Comeback. Schon länger ist sie das Gesicht von L’Oréal, aktuell ziert sie die Kampagne von Salvatore Ferragamo. Kürzlich arbeitete sie wieder mit ihrem Mentor Karl Lagerfeld für Dom Pérignon und Chanel zusammen. In einem Interview mit dem Lifestylemagazin fifetonine der deutschen Wirtschaftswoche zog die deutsche Beauty Bilanz über ihre Karriere.

Wie kam es zu dem Revival mit Karl Lagerfeld und Ihnen?
Claudia Schiffer: Wir saßen vor Kurzem bei einem Dinner in Madrid nebeneinander und er erzählte mir von seiner Idee mit Dom Pérignon. Damit haben wir dann angefangen. Und dann gleich noch die Cruise Collection für Chanel zusammen gemacht.

Waren Sie nach dem Bruch mit Chanel nicht sauer auf ihn?
Schiffer: Models und Fotografen werden ausgewechselt. Manchmal sogar die Designer. Dass es zwischen mir und Lagerfeld irgendwann mal zum Ende kommen würde, war mir klar. Deswegen hegte ich auch keine bösen Gefühle. Es kam nur etwas abrupt.

Hat sich an der Zusammenarbeit zwischen Ihnen etwas verändert?
Schiffer: Kaum, es ist, als ob seither überhaupt keine Zeit vergangen wäre. Ich vertraue ihm noch immer hundertprozentig. Wie sexy oder provokativ es auch erscheinen mag, am Ende sieht immer alles elegant aus. Karl Lagerfeld weiß ganz genau, was er tut.

Stimmt es, dass Karl Lagerfeld am Anfang Ihrer Karriere eine Vaterrolle eingenommen hat?
Schiffer: Er war für mich eher eine Art Mentor. Ich habe sehr viel von ihm gelernt. Nicht nur über die Modewelt, sondern auch über Architektur, Politik oder Geschichte. Er weiß das Letzte vom Letzten, ist hochintelligent und belesen.

Welche Rolle nimmt Lagerfeld heute für Sie ein?
Schiffer: Für mich ist er ein Genie, eine lebende Legende. Ich würde nie sagen, ein Freund. Denn das würde nicht treffen, was ich für ihn empfinde. Er ist jemand, den ich so sehr bewundere, dass ich mich freue, mit ihm zusammenarbeiten zu dürfen. Ein Shooting mit ihm ist einer dieser ganz seltenen, großen Momente in der Modewelt. Es gibt nur wenige geniale Designer und tolle Fotografen. Doch er ist beides.

Sie galten lange als seine Muse. Sind Sie es heute wieder?
Schiffer: Ich glaube, heute hat er andere, die ihn inspirieren. Aber es ist schon eine Ehre, wenn man für eine bestimmte Zeit die Muse einer lebenden Legende sein darf. Ich war es ziemlich lange und habe wunderbare Erinnerungen an diese Zeit. Doch Karl orientiert sich nun an anderen Dingen.

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Und Sie ja auch. Ihre Zusammenarbeit mit "19 Entertainment" und Victoria-Beckham-Manager Simon Fuller ist neu.
Schiffer: Als bei Chanel Schluss war, habe ich mehr gearbeitet als je zuvor. Danach habe ich geheiratet, zwei Kinder bekommen und eine viereinhalbjährige Pause eingelegt. Als meine Jüngste nun zwei wurde, wollte ich wieder anfangen zu arbeiten. Ich habe alle anderen Modelagenturen verlassen und bin mit "19 Entertainment" eine Partnerschaft eingegangen. Simon Fuller und ich sitzen viel zusammen und entwickeln tausend Ideen. Doch noch ist nichts konkret genug, um es an die große Glocke zu hängen. Nur so viel kann ich verraten: Es dreht sich um Mode.

Wollten Sie nicht mehr im Filmgeschäft arbeiten? Man sah Sie ja ein paar Mal auf der Leinwand ...
Schiffer: Die Projekte sind mir eher in den Schoß gefallen, ich habe nie die Schauspielerei gesucht. Ich hatte damals keinen Mann und Kinder und es hat auch Spaß gemacht. Aber ich bin nicht so verliebt in die Schauspielerei, dass ich dafür meine Familie für mehrere Monate verlassen würde. Meine erste Liebe ist die Mode und darauf will ich mich konzentrieren.

Dort sind Sie ja wieder sehr präsent. Aber auch Ihre Model-Kolleginnen Naomi Campbell, Linda Evangelista und Helena Christensen. Gibt es ein Revival der Supermodels?
Schiffer: Ich hoffe, dass es nach Heroin-Chic und Anorexia-Diskussion heute endlich einen Ruck in der Szene gibt, der Glamour wieder zurückkommt. Die aktuellen Fotogeschichten in den Magazinen gehen in diese Richtung. Auch die Sachen, die ich in der letzten Zeit gemacht habe, waren wieder ungewöhnlich glamourös und schön. Vielleicht bewirkt ja genau diese neue Entwicklung jetzt ein Revival der Supermodels. Schließlich haben wir das Image der Schönheit in den Neunzigern verkörpert.

Was ist anders an der Modelwelt heute?
Schiffer: Supermodels, wie wir damals waren, gibt es nicht mehr. Die Konkurrenz ist einfach zu stark. Um eines zu werden, muss man gleichzeitig international auf allen Covers sein, damit die Leute die Mädchen wiedererkennen können. Das ist im Moment nicht möglich. Nicht zuletzt, weil in der Werbebranche sehr viel auf Popstars und Schauspielerinnen zurückgegriffen wird. Um heute als junges Model für eine Werbekampagne gebucht zu werden, muss man schon ein sehr bekanntes Gesicht sein. Dazu kommt, dass früher bei Modeschauen die Mädchen wichtiger waren. Wenn früher ein Supermodel bei einem jungen, noch unentdeckten Designer auftrat, dann half ihm das enorm. Heute steht die Mode im Vordergrund, die Models bleiben im Hintergrund.

Ist also die Ära der Supermodels endgültig vorbei?
Schiffer: Ja. Lassen Sie mich mal einen Vergleich bringen: Früher brauchte ich bis zu vier Bodyguards, um nach einer Chanel-Show vom Backstage-Bereich zu meinem Auto zu kommen. Und so erging es nicht nur mir. Es war der reine Wahnsinn. Das gibt es heute nicht mehr. Die Einzige von den jüngeren Models, die – meiner Meinung nach – noch ein bisschen diesen Status hat, ist Gisele Bündchen. Ihr Gesicht und ihr Name ist bekannt, sie wird erkannt. Doch ansonsten? Mir fällt kein anderes Mädchen ein, das die Leute auf der Straße wiedererkennen würden.

Und was ist mit Models wie Natalia Vodianova, Daria Werbowy, Mariacaria Boscono, Lily Cole ...?
Schiffer: Sind alle super, sehen toll aus. Aber keine kommt so richtig raus. Das ist sehr schade.

Irina Lazareanu hat derzeit großen Erfolg. Aber die hat Kate Moss unter ihre Fittiche genommen. Würden Sie auch so eine Art Mentor für ein junges Model sein wollen?
Schiffer: Sehr gerne. Ich habe schon viele Anfragen bekommen, ob ich nicht eine Modelagentur aufmachen will. Da wäre ich schon geeignet, weil ich die Branche wahrscheinlich besser kenne, als viele Modelagenten. Doch das ist nicht mein Traum. Wenn ich jemanden betreuen würde, dann nur privat. Viele der Mädchen sind zu jung. Ich war damals 17 und meine Mutter hat mich begleitet. Die Mädchen heute sind 14 und die Modebranche ist nicht ungefährlich. Es gibt Momente, wo man alleine auf der Welt herumreist, mit Leuten zusammenkommt, die man nicht kennt. Es gibt wilde Partys mit Drogen ... Model zu sein, das kann auch schiefgehen.

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