Auch Frauen haben eine Prostata

Wiener Wissenschaftler

Auch Frauen haben eine Prostata

Männer und "ihre" Prostata - das ist Gegenstand vieler Stammtischwitze. Doch das angeblich so "spezifisch männliche" Drüsengewebe findet sich auch bei der Hälfte der Frauen. Bösartige Tumore, die aus diesem Gewebe rund um den Harnleiter entstehen, müssten also regelrecht als Prostatakarzinome bezeichnet werden, schließen aus ihren Ergebnissen Wiener Wissenschafter der MedUni Wien im AKH.

Die Untersuchung

Wolf Dietrich von Universitätsklinik für Frauenheilkunde und die Co-Autoren haben ihre Ergebnisse in der August-Ausgabe des Journal of Sexual Medicine veröffentlicht. Ein in der Laienwelt als "ausgemacht" geltendes Dogma stoßen sie jedenfalls um: Nur Männer haben eine Prostata. "Nein, die haben offenbar auch viele Frauen", müsste die Antwort lauten.

Die Wissenschafter über den Ausgangspunkt ihrer Studien: "Die Zusammensetzung von Drüsen rund um die weiblichen Harnleiter wird derzeit diskutiert - speziell, was das Maß ihrer Entsprechung zur männlichen Prostata angeht."

Prostatakarzinom
Beim Mann jedenfalls ist die Prostata für die Produktion eines Sekrets verantwortlich, das bei der Ejakulation in die Harnröhre fließt und die Überlebenschance der Spermien in der Vagina der Frau erhöhen soll. Die gutartige Vergrößerung der Prostata (benigne Prostata-Hyperplasie/BPH) ist eine der häufigsten Altersbeschwerden von Männern, das bösartige Prostatakarzinom das häufigste Krebsleiden des Mannes. In Österreich gibt es hier pro Jahr 4.500 Neuerkrankungen und 1.200 Todesfälle pro Jahr. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen beim Urologen für Männer etwa ab 40 können laut neuesten wissenschaftlichen Daten die Mortalitätsrate um 44 Prozent senken.

Doch auch bei Frauen kommt es - selten - zu Karzinomen, die aus dem Drüsengewebe rund um die Harnleiter entstehen. Die Frage war also, ob hier das selbe Gewebe dafür verantwortlich ist wie bei Mann.

Das dürfte auch der Fall sein, so die Wiener Wissenschafter. Sie untersuchten die Harnleiter (und umgebendes Gewebe) von 25 Patientinnen. Bei 14 Gewebeproben konnten mittels Laboruntersuchungen Gewebecharakteristika nachgewiesen werden, wie sie auch für Proben aus der Vorsteherdrüse von Männern kennzeichnend sind: Prostata-spezifisches Antigen (PSA), Prostata-spezifische alkalische Phosphatase (Enzym) und Androgen-Rezeptoren. Mittels PSA-Untersuchungen im Blut wird bei Männern - allerdings leider ziemlich ungenau - nach möglicherweise vorhandenem Prostatakarzinom-Verdacht gefahndet.

Die Wissenschafter: "Eine 'weibliche Prostata' wurde in dieser Studie bei jeder zweiten Frau gefunden (...). Mögliche (bösartige, Anm.) Neubildungen aus diesem Gewebe heraus könnten daher als 'weibliche Prostatakarzinome' bezeichnet werden." - Quasi die Ergänzung dazu, dass in seltenen Fällen auch Männer an Mammakarzinomen erkranken können...

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