Anwälte rügen Anwälte rügen

Fall Kührer

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Anwälte rügen "schleißige" Ermittlungen

Die Anwälte von Tamara (27) und Martin K. (21) - die Geschwister waren vor zwei Wochen vorübergehend unter dem Verdacht festgenommen worden, in das Verschwinden der seit fast vier Jahren vermissten Julia Kührer verwickelt zu sein - fordern die sofortige Einstellung des gegen ihre Mandanten gerichteten Verfahrens. "Es wurde schleißig und oberflächlich ermittelt", betonten Normann Hofstätter und Marcus Januschke im Gespräch. Die gegen Tamara und Martin K. gerichteten Anschuldigungen hätten sich "in Nichts aufgelöst", sagten die Anwälte.

Erhebungen im Gange
Gegen die Geschwister und den Ex-Freund der jungen Frau sind bei der Staatsanwaltschaft Korneuburg Erhebungen wegen angeblicher Beteiligung an der Freiheitsentziehung Julias anhängig. Nachdem das Landeskriminalamt Niederösterreich jahrelang nach dem seit 27. Juni 2006 in Pulkau (Bezirk Hollabrunn) verschwundenen Mädchen gefahndet hatte, übernahm im Jänner 2010 das Bundeskriminalamt die Ermittlungen. Eine Cold-Case-Gruppe machte sich neuerlich an die Spurensuche.

Visier der Ermittler
Dabei gerieten die ihren Angaben zufolge bis dahin nie von der Polizei vernommenen Geschwister ins Visier der Ermittler. An ihren Adressen wurden Hausdurchsuchungen durchgeführt, für die 27-Jährige und ihren jüngeren Bruder klickten die Handschellen. "Die Festnahme war für mich zweifellos außer Verhältnis. Es schaut so aus, als wären die Sonderermittler zwingend darauf aus gewesen, einen raschen Erfolg vorlegen zu können", so Anwalt Hofstätter zum Vorgehen der Behörden.

Gegen Martin K. wurde im Wesentlichen seitens der Behörden ins Treffen geführt, er wäre am 27. Juni 2006 um 14.03 Uhr - und damit knapp 20 Minuten, nachdem Julia Kührer zum letzten Mal gesehen wurde - mit seinem Mobiltelefon in Sigmundsherberg eingeloggt und damit "wenige Kilometer vom letzten Sichtungsort" des Mädchens aufhältig gewesen, wie der staatsanwaltschaftlichen Anordnung zur Hausdurchsuchung zu entnehmen ist.

Keine erdrückenden Beweise
In Wahrheit war damals nicht der 21-Jährige, sondern sein gleichnamiger Vater mit seinem Handy im Bereich des Senders Sigmundsherberg unterwegs. "Wir sind von daheim nach Znaim zum Einkaufen gefahren", versicherten die Eltern des Burschen. Der 21-Jährige selbst wies im Gespräch mit der APA darauf hin, er habe sich im fraglichen Zeitraum nachweislich in der Schule befunden: "Das Lustige ist: Zu dieser Zeit war ich im Gymnasium. Das haben sie jetzt auch überprüft".

Tamara K. wiederum machte sich verdächtig, weil sich Julia Kührer einmal in ihrer Wohnung aufgehalten haben könnte. "Bei mir sind oft Leute aus- und eingegangen. Mein Bruder hat oft Klassenkollegen mitgebracht. Die hatten manchmal Freundinnen dabei", erläuterte die junge Frau. Möglich, dass sich einmal auch Julia darunter befunden habe, "damit sie ein paar gemütliche Leute kennenlernt. Aber bin ich ein Schwerverbrecher, nur weil ich ein freundlicher Mensch bin?"

Naheverhältnis
Ein ihr unterstellte Naheverhältnis zur Vermissten habe es nicht gegeben. Es gebe auch keinen einzigen Zeugen, der so etwas behaupte. "Auffällig ist, dass Tamara K. am 28. Juni 2006 Geburtstag hatte, somit einen Tag nach dem Verschwinden der Julia Kührer", heißt es außerdem im Ermittlungsakt. Auch das würden die Behörden offenbar als Belastungsmoment werten, so ihr Verteidiger Hofstätter.

Gegen ihren 26 Jahre alten Ex-Freund, der ebenfalls einige Tage festgenommen wurde, ehe der U-Richter mangels dringenden Tatverdachts die Verhängung der U-Haft verweigerte, brachten die Behörden vor, dass Julias Handy 45 Minuten nach ihrem Verschwinden unmittelbar neben dem Wohnort der Großeltern des 26-Jährigen eingeloggt war. Bei der Anschrift handelt es sich allerdings um keine einsame Gegend: Das Haus befindet sich in der Bahnhofstraße in Horn, einem belebten Ort, in dem auch ein größeres Geschäft Kunden anzieht.

Für die Rechtsvertreter von Tamara und Martin K. ist aus all diesen Gründen mit Händen zu greifen, dass die Untersuchungen gegen die Geschwister und den 26-Jährigen im Sand verlaufen werden. "Nun geht es um Rehabilitation. Wir werden auf eine rasche endgültige Einstellung des Strafverfahrens drängen und allfällige Wiedergutmachungsansprüche unserer Mandanten prüfen. Es wäre aber auf jeden Fall schön, wenn die Behörden öffentlich feststellen, dass sie sich geirrt haben", sagte Verteidiger Januschke.

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