Chronologie der Befreiung

Natascha

Chronologie der Befreiung

Sie flüchtete aus ihrem Gefängnis, in dem sie über acht Jahre gefangen gehalten wurde. Ihr Verschwinden zählt zu den spektakulärsten Fällen der jüngsten Kriminalgeschichte. Eine Chronologie ihrer Flucht.

2. März 1998
Natascha Kampusch verschwindet auf dem Weg zurSchule. In der Früh verlässt sie die elterliche Wohnung amRennbahnweg, um die Volksschule am Brioschiweg zu besuchen. Dort kommt sie jedoch nie an. Eine groß angelegte Suchaktion bleibt ohne Erfolg. Immer wieder gibt es Gerüchte, dass man das Kind gesehen hat. Nicht einmal wird nach der Leiche des Mädchens gesucht.

3. März 1998
Eine Schülerin erzählt der Polizei, dass sie beobachtet hat, dass Kampusch in einen weißen Bus mit Gänserndorfer Kennzeichen gezerrt worden ist. Daraufhin überprüft die Polizei 1.000 Busse dieses Typs. Im Zuge dieser Ermittlungen wird auch das Fahrzeug des tatsächlichen Entführers Wolfgang Priklopil überprüft. Mangels weiterer Hinweise gibt es bei dem Nachrichtentechniker aus Strasshof (Bezirk Gänserndorf) keine Hausdurchsuchung.

23. August 2006
In Strasshof taucht eine Frau auf, die behauptet Natascha Kampusch zu sein. Sie sei jahrelang von einem Mann gefangen gehalten worden und habe nun die Flucht gewagt. In einem Garten unweit ihres Gefängnisses bittet sie eine Frau um Hilfe, die daraufhin die Polizei verständigt. Die Eltern von Kampusch werden verständigt, die die junge Frau eindeutig als ihr Kind identifizieren.

Als ihr Entführer, Wolfgang Priklopil, entdeckt, dass Kampusch die Flucht gelungen ist, steigt er in seinen roten BMW und rast davon. Nach ihm wird eine Großfahndung eingeleitet. Er lässt sein Auto in der Tiefgarage vom Donauzentrum in Wien-Donaustadt, wo es später von der Polizei gefunden wird. Der 44-Jährige ruft einen Freund an und bittet ihn um Hilfe. Priklopil sagt ihm nicht, dass er wegen der Entführung eines Kindes gesucht wird. Er gibt vielmehr an, auf der Flucht zu sein, weil er in eine Alkoholkontrolle der Polizei geraten ist.

Priklopil lässt sich zur Dresdnerstraße in der Brigittenau bringen. Von dort geht der Nachrichtentechniker eine Straße weiter in die Leopoldstadt und wirft sich bei der Nordbahnstraße vor einen Schnellbahnzug. Priklopil ist sofort tot. Noch am Abend entdecken Kriminalisten im Haus Priklopils in der Garage ein Verlies, wo er das Mädchen gefangen gehalten hat. Kampusch kommt in polizeiliche und psychologische Betreuung.

Lesen Sie weiter: Was nach Nataschas Flucht geschah..

24. August 2006
Bei einer Pressekonferenz geben die Ermittler bekannt, dass es sich bei der jungen Frau tatsächlich um Natascha Kampusch handelt. Die heute 18-Jährige hat an der selben Stelle eine Narbe wie das damals zehnjährige Mädchen. Außerdem ist bei der Tatortbegehung in Strasshof in dem Verlies Nataschas Reisepass gefunden worden. Dass Kampusch ihrem Peiniger entkommen konnte, liegt an dem lockeren Umgang, den Priklopil zum Schluss an den Tag gelegt hat. Er hat das Mädchen auch zu Einkäufen und Ausflügen mitgenommen, sagen die Ermittler. Am Tag der Flucht sollte Kampusch das Auto Priklopils aussaugen. Wegen des Lärms hat er sich einige Meter entfernt, um ein Telefongespräch zu führen. Diesen Moment nützte Kampusch für ihre Flucht. Es wird außerdem bekannt, dass die Behörden seit 1999 mehrmals in das Haus des Entführers kamen, Kampusch wurde dabei aber nicht entdeckt.

25. August 2006
Ein DNA-Gutachten bestätigt, dass es sich bei der Frau tatsächlich um Natascha Kampusch handelt. Der Kinderpsychiater Max Friedrich übernimmt am selben Tag die Betreuung der 18-Jährigen. Er kümmert sich um sie gemeinsam mit Opferschutzexperten im Wiener AKH.

28. August 2006
Kampusch wendet sich mit einem Brief, der bei einer Pressekonferenz von Psychiater Friedrich vorgelesen wird, erstmals an die Öffentlichkeit. "Lasst mir Zeit, bis ich selbst berichten kann", schreibt sie. Sie erzählt über den Alltag mit ihrem Peiniger: man habe gefrühstückt, Hausarbeiten erledigt, gekocht, ferngesehen und gelesen. Über persönliche, intime Details im Zusammenleben mit Priklopil will Kampusch aber keine Angaben machen. "Er hat mich auf Händen getragen und mit den Füßen getreten", sagt sie.

29. August 2006
Der Wiener Stadtschulrat nimmt mit dem neuen Anwalt von Kampusch, Günter Harrich, Kontakt auf, damit die 18-Jährige ihren Schulabschluss nachholen kann. Zudem wird das Medieninteresse am ersten Interview mit der 18-Jährigen immer größer. PR-Berater Dietmar Ecker übernimmt das Management der Medien.

30. August 2006
Der Freund, den Priklopil auf seiner Flucht um Hilfe gebeten hat, gibt eine Pressekonferenz. Er zeigt sich schockiert über den Entführungsfall. Er habe nichts vom Doppelleben Priklopils gewusst. Aber er hat Kampusch bei seinem Freund gesehen. Priklopil habe Kampusch als Bekannte vorgestellt, ohne Namen zu nennen. Am selben Tag wechselt das Entführungsopfer ihren Anwalt. Nach Günter Harrich kümmert sich die Kanzlei Lansky, Ganzger & Partner um Kampusch.

1. September 2006
Nach Abschluss der biologischen Spurensuche trifft in Strasshof Sonderkommission mit Untersuchungsrichter, Staatsanwalt und Kampuschs Rechtsvertreter zur Begehung des Tatortes zusammen, um sich von dem Fall ein Bild zu machen.

Lesen Sie weiter: Natascha Kampusch stellt sich den Medien.

4. September 2006
Es wird bekannt, dass sich Natascha Kampusch bald ausgewählten Medien stellen möchte. Sie hat entschieden, dass ORF, die "Neue Kronenzeitung" sowie "News" die exklusiven Interviews bekommen.

6. September 2006
Die ersten Interviews von Natascha Kampusch werden veröffentlicht. Am Abend erscheinen "Krone" und "News" mit den Interviews, die Marga Swoboda und Alfred Worm mit ihr führten. In "Thema spezial" stellt sich die 18-Jährige den Fragen von Christoph Feurstein. Bei den Interviews zeigt sich, dass Kampusch kein armes Opfer ist, sondern eine starke, junge Frau, die weiß, was sie will. Sie will eine Foundation gründen, um verschleppten und misshandelten Frauen in Mexiko zu helfen. Der erste Auftritt des Entführungsopfers wird zum Quoten- bzw. Auflagenhit.

8. September 2006
Wolfgang Priklopil wird in aller Stille auf einem Friedhof im Süden Wiens beigesetzt. Natascha ist bei dem Begräbnis nicht dabei. Sie hat sich zuvor auf der Gerichtsmedizin von ihrem Entführer verabschiedet.

28. September 2006
Die Tatortarbeiten der Polizei in Strasshof werden abgeschlossen. Befragungen und Spurenauswertungen gehen aber noch weiter.

29. September 2006
Kampusch zieht vom Wiener AKH in eine betreute Wohnung.

16. November 2006
Die Ermittlungen im Fall Kampusch werden abgeschlossen.

17. November 2006
Die Staatsanwaltschaft Wien stellt das Verfahren im Fall Natascha Kampusch ein.

17. März 2007
Natascha Kampusch feiert nach ihrer Entführung den ersten Geburtstag in Freiheit.

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