Das ändert sich alles im kommenden Schuljahr Das ändert sich alles im kommenden Schuljahr

Neue Mittelschule

© REUTERS/Christinne Muschi

 

Das ändert sich alles im kommenden Schuljahr

Pünktlich am 1. September beginnt für die Schüler in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland das neue Schuljahr 2008/09, eine Woche später, am 8. September, fällt der Startschuss in den übrigen Bundesländern. Das ändert sich alles im kommenden Schuljahr:

  • "Neue Mittelschule":

Was ist die "Neue Mittelschule"?
Die "Neue Mittelschule" ist eine völlig neue, neben AHS und Hauptschule eingerichtete Schulform für Zehn- bis 14-Jährige. Die rund 3.700 Schüler, die sich für diese neue Schulform entschieden haben, gilt, dass sie sich nicht gleich nach der Volksschule für den weiteren Bildungsweg, also zwischen AHS und Hauptschule, entscheiden mussten, sondern erst im Alter von 14 Jahren. Allerdings handelt es sich bei der "Neuen Mittelschule" um keine Gesamtschule, AHS und Hauptschulen laufen in den betreffenden Regionen parallel weiter.

Wofür gibt es die "Neue Mittelschule"?
Als Hauptmotivation für die Einrichtung der "Neuen Mittelschule" gilt die nach Ansicht der Befürworter die "zu frühe" Bildungswegentscheidung im Alter von neun Jahren, was zu "sozialen Ungerechtigkeiten" führe. Derzeit müssen sich Kinder Mitte der 4. Klasse Volksschule entscheiden, ob sie in eine AHS oder eine Hauptschule weitergehen. Mit der "Neuen Mittelschule" soll man sich erst mit 14 Jahren über den weiteren Bildungsweg klar werden. Erste Auswertungen haben gezeigt, dass 30 bis 40 Prozent der für die "Neue Mittelschule" angemeldeten Kinder AHS-Reife haben.

Wo wird die "Neue Mittelschule" umgesetzt?
Im Burgenland, Kärnten, Oberösterreich, Steiermark und Vorarlberg werden an 67 Schulstandorten 167 Klassen nach dem neuen System unterrichtet. Die Versuche sind auf zehn Prozent der Klassen an öffentlichen Schulen im Bundesgebiet begrenzt. An jedem Standort müssen zwei Drittel der Lehrer und Eltern der Einrichtung eines Modellversuchs zustimmen. Zusätzlich müssen auch AHS und Hauptschule in zumutbarer Entfernung als Alternative angeboten werden.

Was ist mit den anderen Bundesländern?
Weitere Versuche sind ab 2009/10 in Wien, Niederösterreich und Salzburg geplant. Die Bundeshauptstadt orientiert sich dabei am Modell "Neue Mittelschule", Niederösterreich setzt auf eine "zusätzliche Orientierungsphase" für Zehn- bis Zwölfjährige in Hauptschulen. In Salzburg sind drei Modellregionen geplant.

Was ändert sich inhaltlich für die Schüler?
Für die "Neue Mittelschule" gilt der Lehrplan der AHS-Unterstufe. Falls in Deutsch, Mathe oder Englisch eine negative Note droht, haben die Eltern das Recht, eine Beurteilung nach dem Lehrplan der Hauptschule zu verlangen. Eine Rückkehr in den Gymnasiums-Lehrplan ist möglich. Pädagogisch wird auf "Individualisierung" und "Differenzierung" Wert gelegt. Das bedeutet, dass sich der Unterricht am individuellen Leistungsniveau der Schüler orientiert.

Wie schließen die Schüler ab?
Grundsätzlich können die Schüler je nach Leistungsvermögen entweder den Abschluss einer AHS-Unterstufe oder einen Hauptschulabschluss erwerben.

Was für Lehrer unterrichten die Schüler?
In Zukunft ist ein Einsatz sowohl von AHS-als auch von Hauptschullehrern vorgesehen.

Was ist mit Gruppenarbeiten?
Zudem soll in flexiblen Kleingruppen unterrichtet sowie Themen fächerübergreifend, projektorientiert und in offenen Lernformen erarbeitet werden. Dazu werden die Teilungszahlen gesenkt, die regeln, ab welcher Schülerzahl eine Klasse in bestimmten Gegenständen in kleinere Gruppen geteilt wird. Die Maßnahme greift in der AHS-Unterstufe in lebenden Fremdsprachen und Latein sowie in den ersten Klassen von berufsbildenden mittleren und höheren Schulen sowie an Oberstufenrealgymnasien in Mathematik und einem schulautonom festzulegenden Pflichtgegenstand. Weil künftig auch klassenübergreifend geteilt werden kann, befürchten Kritiker, dass auch größere Fremdsprachenklassen als bisher möglich sein können.

Können die Schulen Schwerpunkte setzen?
Die Modellversuche zur "Neuen Mittelschule" sind sowohl von den Schwerpunkten als auch von der Größe her durchaus unterschiedlich: So setzt etwa "Klagenfurt I" voll auf ganztägige Schulformen und hält laut Modellplan die "durchgehende Trennung von Lern-Vormittag zu Freizeit-Nachmittag mit wie bisher maximal Turn- bzw. Werkunterricht aus pädagogischer Sicht nicht mehr vertretbar". In der Modellregion Voitsberg wiederum ist umgekehrt nur an einem Viertel der Standorte Nachmittagsbetreuung vorgesehen, in Murau an keinem einzigen. An den Vorarlberger Schulen werden an zwei Drittel der Standorte Mittags-und Nachmittagsbetreuung angeboten, Überlegungen in Richtung Ganztagsschule mit verschränkter Unterrichts- bzw. Freizeit werden nicht angestellt. Im burgenländischen Modellplan wird das Thema Ganztagsschule/Nachmittagsbetreuung gar nicht angeschnitten.

Können Schwerpunkte auch Fächer betreffen?
Besonderes Augenmerk wird auch auf Sprachen gelegt: So wird im Vorarlberger Modellplan das Angebot einer zusätzlichen Fremdsprache an den Hauptschul-Standorten als "zentraler Bestandteil" bezeichnet, im Burgenland stehen vor allem in Oberpullendorf die Volksgruppensprachen Kroatisch und Ungarisch im Mittelpunkt.

  • Politsiche Bildung:

Welche Schüler werden in Politischer Bildung" unterrichtet?
Schüler der achten Schulstufe (vierte Klasse AHS oder Hauptschule) lernen erstmals nicht nur Geschichte, sondern "Geschichte und politische Bildung".

Warum sollen Schüler jetzt in Politik unterrichtet werden?
Die Umbenennung des Fachs ist vor dem Hintergrund der Senkung des Wahlalters mit einer inhaltlichen Neuausrichtung verbunden. Angewandte politische Bildung können viele Schüler höherer Schulen dann am 28. September praktizieren, wenn sie ab einem Alter von 16 Jahren erstmals an einer Nationalratswahl teilnehmen dürfen.

  • Schulautonome Tage:

Was ändert sich und an welchen Tagen?
Erstmals zentral vorgegeben wird im kommenden Schuljahr ein Teil der schulautonomen Tage. Zwei der vier (Volksschule/Hauptschule) bzw. fünf (AHS) bisher von den einzelnen Schulen fixierten freien Tage wurden bundesländerweise einheitlich fixiert. Fast alle Bundesländer haben sich für 22.5. und 12.6. - den Freitagen nach Christi Himmelfahrt bzw. Fronleichnam - entschieden, nur in Kärnten ist am 22. und 23. Dezember frei.

Warum werden die Semesterferien zentral vorgegeben?
Diese neue Regelung soll vor allem berufstätigen Eltern und Mehrkindfamilien erstmals eine bessere Planbarkeit der freien Tage bringen.

Gibt es Ausnahmen?
Ausnahmen bilden Oberstufenrealgymnasien, berufsbildende mittlere und höhere Schulen, Bildungsanstalten für Kindergarten- und Sozialpädagogik sowie AHS mit Sechs-Tage-Woche, die weiterhin ausschließlich schulautonom über die freien Tage entscheiden.

  • Ferien:

Wann sind Semesterferien?
Die Semesterferien sind - nach dem Ausnahmejahr 07/08 mit nur zwei Staffeln - wieder mit drei Terminen organisiert. Den Auftakt in die Semesterferien machen Wien und Niederösterreich in der ersten Februarwoche (2.-7.2.), es folgen Burgenland, Kärnten, Salzburg, Tirol und Vorarlberg (9.-14.2.) und schließlich in der dritten Februarwoche Oberösterreich und Steiermark (16.-21.2.). Im Vorjahr gab es auf Betreiben der Tourismus-Wirtschaft nur zwei Ferienstaffeln.

Wann sind die anderen Ferien angesetzt?
Weihnachtsferien sind einheitlich vom 24. Dezember bis 6. Jänner, die Osterferien dauern vom 4. bis zum 14. April 2009. Ebenso österreichweit einheitlich sind die Pfingstferien vom 30. Mai bis 2. Juni. Die Sommerferien beginnen schließlich in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland am 4. Juli und dauern bis 5. September, in den übrigen Bundesländern sind die Hauptferien vom 11. Juli bis 12. September.

Gemischt fällt im kommenden Schuljahr die Wochentags-Bilanz der beweglichen Feiertage aus: Verpatzt ist der Herbst, wo der Nationalfeiertag (26. Oktober) auf einen Sonntag und Allerheiligen und Allerseelen (1./2. November) auf Samstag und Sonntag fallen. Dagegen bescheren Maria Empfängnis (8. Dezember fällt auf einen Montag) und der Tag der Arbeit (1. Mai ist 2009 ein Freitag) verlängerte Wochenenden.

  • Sprachförderung:

Welche Kinder betrifft die Sprachförderung?
So früh wie noch nie werden im Herbst Kinder mit Sprachdefiziten bereits im Kindergarten gefördert. Kinder, die bei Sprach-Screenings im Kindergarten die deutsche Sprache noch nicht gut beherrschten, sollten ein Jahr vor dem Schuleintritt ab Herbst ein Kindergartenjahr mit speziellen Förderungen absolvieren. Diese Förderung gilt als "verpflichtend", wer sein Kind trotz Sprachdefiziten nicht in den Kindergarten schickt, wird allerdings nicht bestraft. Bei wie vielen Kindern Sprachdefizite festgestellt wurden, ist noch nicht klar.

Werden die Sprachförderkurse weitergeführt?
Die bis zum Ende dieses Schuljahres befristeten Sprachförderkurse für außerordentliche Schüler werden in der Volksschule fortgeführt und auf Haupt- und Polytechnische Schule ausgeweitet werden.

  • Lehrlingsausbildung:

Was ändert sich für Lehrlinge?
Lehrlinge können schon parallel zur Lehre in einer Pilotphase die Berufsreifeprüfung, also die Maturaprüfung, absolvieren. Künftig kann man drei von vier Teilprüfungen bereits während der Lehre ablegen, zur ersten Teilprüfung schon vor dem 17. Geburtstag antreten. Wie bisher darf die letzte Teilprüfung aber erst nach dem 19. Geburtstag absolviert werden. Bisher musste man für die Berufsreifeprüfung bis nach der Lehre warten.

Was kostet die Lehrlinge die Matura?
Bisher musste man für die Vorbereitungskurse zahlen. Der Bund übernimmt jetzt die Kosten für Vorbereitungskurse von bis zu 6.000 Euro pro Lehrling.

  • Verpflichtende Termine:

Wann finden Wiederholungsprüfungen statt?
Mit der Abschlusskonferenz - in Ostösterreich zwischen 24. und 26. Juni, im Westen zwischen 1. und 3. Juli - ist das Schuljahr praktisch gelaufen, letzter Schultag vor den Sommerferien ist in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland der 3. Juli, im übrigen Österreich der 10. Juli. Die Wiederholungsprüfungen am Beginn des Schuljahres können zwischen 28. August und 2. September (4.-9.9. im Westen) angesetzt werden.

Wann krigen die Schüler den Stundenplan?
Der Stundenplan sollte bereits am zweiten Schultag (2.9. im Osten, 9.9. im Westen) fixiert sein.

Weitere Termine?
Die Wahl der Klassen- bzw. des Schulsprechers muss bis 6. Oktober (13.10. im Westen) erfolgen. Schülerbeihilfe kann man bis spätestens 31. Dezember beantragen. Frühestmöglicher Maturatermin ist im Osten der 4. Mai, im übrigen Österreich der 8. Mai.

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