Er konnte
zwei Jahre nur blinzeln Er konnte
zwei Jahre nur blinzeln

Nach Prügelei

© TZ Österreich Niesner

 

Er konnte zwei Jahre nur blinzeln

Während Techno-Beats aus den Boxen dröhnten, donnerten Faustschläge und Tritte auf Kopf und Körper des damals 22-jährigen Manfred Steiner ein. Mit jedem Beat kam er dem Tod ein bisschen näher. Kurz bevor er aus dem Leben treten sollte, hörte die Folter auf. Und Manfred verbrachte die vergangenen zwei Jahre auf der Schwelle zwischen Leben und Tod; nicht da und nicht dort.

Zu viert schlugen und traten sie auf Manfreds Kopf ein
Am 3. November 2007 wurde der freiwillige Feuerwehrmann Manfred Steiner vor einer Disco in Hainburg (NÖ) von vier Burschen zwischen 16 und 19 Jahren so schlimm zusammengeschlagen, dass er nach Tagen im Koma mit einem „inkompletten locked in Syndrom“ aufwachte. Er konnte nur noch blinzeln. Die Schäden an seinem Gehirn waren gewaltig, die Prognosen für den Eishockey-Fan schlecht. Dass er jemals wieder sprechen oder sich bewegen würde, konnte sich keiner vorstellen.

Die Versicherung zahlt keine weitere Rehabilitation mehr
Doch nach zahlreichen Rehabilitationen kann er sich jetzt für das ÖSTERREICH-Interview sogar selbst rasieren. Immer an seiner Seite: Mutter Maria Domitzi. Sie hat ihren Job aufgegeben und pflegt ihren Sohn 24 Stunden am Tag. Auch sie ist glücklich über die Fortschritte, die ihr seit der Prügel-Attacke schwer behinderter Bub macht.

Doch mit diesem Rückschlag hätte sie nicht gerechnet. Die Pensionsversicherungsanstalt (PVA) will keine weiteren Rehab-Aufenthalte genehmigen. „Aufgrund der vorliegenden medizinischen Unterlagen wurde festgestellt, dass das Ihrem Antrag zugrunde liegende Krankheitsbild durch ein Heilverfahren nicht anhaltend gebessert werden kann“, heißt es da lapidar.

„Was soll Manfred jetzt machen“, fragt Domitzi, „aufs Sterben warten?“ Aber das hat der ehrgeizige junge Mann so schnell nicht vor. Er hat nur noch seine Mutter – der Vater hat die Familie im Vorjahr verlassen. Au ch die Freunde von früher sind – bis auf eine Ausnahme – nicht mehr da.

Doch für Manfred ist das kein Grund aufzugeben.

Manfred Steiner spricht über sein hartes neues Leben

ÖSTERREICH: Können Sie sich daran erinnern, was in der Disco mit Ihnen passiert ist?
MANFRED STEINER: Nein. Ich weiß überhaupt nichts von dem Abend. Meine Erinnerung startet erst bei der letzten Rehabilitation. Die war im Herbst 2009.
ÖSTERREICH: Aber Sie wissen, was passiert ist?
Steiner: Nur aus der Zeitung, die meine Mutter für mich aufgehoben hat. Und aus dem Internet. Da steht’s ja auch.
ÖSTERREICH: Was empfinden Sie für die Täter?
STEINER: An diese Leute denke ich nicht. Die sind mir wurscht. Es interessiert mich nicht, ob es ihnen gut oder schlecht geht, ob sie im Gefängnis sind oder nicht. Das ist mir völlig egal. (weint kurz).
ÖSTERREICH: Die Täter sind mit vergleichsweise milden Strafen davongekommen. Auch das Mädchen, das sie dazu angestiftet hat. Sie sind auch dazu verurteilt worden, für alle Therapiekosten aufzukommen.
MARIA DOMITZI: Wir bekommen nichts und haben auch noch nichts von denen bekommen. Einer der Burschen zahlt 100 Euro im Monat. Das magere Gehalt der anderen, sofern sie überhaupt arbeiten gehen, wird zwar gepfändet, aber da bleibt nichts für uns. Wir können nicht einmal mehr klagen, weil wir kein Geld mehr haben.
ÖSTERREICH: Wie viele Freunde kommen Sie noch besuchen?
STEINER: Einer. Von dem bin ich im Mai auch Trauzeuge (er ist sichtlich stolz).
ÖSTERREICH: Was ist mit den Kameraden von der Freiwilligen Feuerwehr?
STEINER: Die gibt’s nicht mehr. Am Anfang denkt man: ‚arg‘, doch im Grunde ist es egal. Das zählt alles nicht mehr.
ÖSTERREICH: Was wünschen Sie sich für die nächste Zeit?
STEINER: Ich wünsche mir, dass ich weiter zur Rehabilitation gehen kann. Und einen Elektro-Rollstuhl für draußen. (Auch der wurde nicht bewilligt, weil er nicht notwendig sei; Anm.)

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