Fabian: Gefängnis für Todeslenker

Drei Monate Haft

Fabian: Gefängnis für Todeslenker

Die Reue kam spät: Nach Prozessende schritt der Angeklagte Yona K. (51) zu den Eltern des verstorbenen Fabian und tat das, was er monatelang verabsäumt hatte: Er entschuldigte sich bei Markus und Kathrin W., sie konnten aber nicht mehr als nicken. In ihren Augen standen die Erinnerung an den Sohn und die Frage nach dem "Warum“ geschrieben.

Schülerlotse wollte Kind retten – Bub starb sofort
Ein emotionaler Moment: Der Mann, der sie da um Verzeihung bitten wollte, hat am 18. Mai dieses Jahres ihren Sohn Fabian in der Döblinger Hauptstraße am Schutzweg ungebremst zu Tode gefahren – obwohl ein Schülerlotse den Zebrastreifen sicherte. Fabian starb an der Unfallstelle. Der Fall erschütterte ganz Österreich. Das Urteil von Richterin Minou Aigner: Wegen fahrlässiger Tötung unter besonders gefährlichen Verhältnissen muss K. drei Monate ins Gefängnis und die Kosten für das Begräbnis und die Psychotherapie von Fabians Eltern und den Geschwistern tragen. Neun Monate Haft wurden ihm nachgesehen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. "Ich bin schuldig. Armer Fabian, es tut mir leid. Ich war unachtsam“, beteuerte K. den Unfall. "Ich habe ein Hupen gehört, bin erschrocken und losgefahren. Der Weg war frei, der Schülerlotse stand nur am Rand.“

Lenker stand unter Einfluss von Medikament
Freilich: Der 51-jährige Gemüsehändler, selbst Vater von fünf Kindern, widersprach seiner Aussage bei der Polizei, als er angab, am Steuer "eingeschlafen“ zu sein. Eine entscheidende Rolle bei der Urteilsfindung spielte deshalb das Medikament Amlodipin, das der Mann gegen Bluthochdruck nimmt und das Schläfrigkeit als Nebenwirkung hat. "Ich nehme es in der Früh und am Abend. An diesem Tag fühlte ich mich gut, ich brauchte es nicht.“ Weil der Hersteller eine Tablette pro Tag empfiehlt, wertete die Richterin seine Mehreinnahme als kausal für den tödlichen Unfall. Sie stellte einen "massiv reduzierten Zustand“ fest. Eine Zeugin: "Der Schülerlotse war in der Mitte. Plötzlich fuhr der Mann wie irre los. Fabian kippte um.“ Unverständlich: K. fährt weiter unter Medikamenteneinfluss Auto.

Eltern verfolgten Prozess um toten Sohn vor Gericht
Fabians Eltern, so tapfer: Die Mutter war gefasst, klammerte sich an einen blauen Strumpf ihres Sohnes, konnte das Weinen aber vermeiden. Der Vater, seit dem Unfall in psychiatrischer Behandlung, hielt den Kopf gesenkt, wirkte angeschlagen. "Die Familie will keine Rache, mit dem Urteil ist sie zufrieden“, so Anwalt Philipp Winkler. Den tragischen Verlust müssen sie ihr ganzes Leben ertragen.

Autor: Jochen Prüller
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