24. Juli 2010 17:44
Fieberbrunn im Unterland, Samstag Mittag: Der erste Tag seit einer Woche,
an dem Elisabeth R. wieder klar denken kann. Hinter ihr liegen unzählige
Stunden der Angst, der Ungewissheit, der hilflosen Suche. „Ich bin einfach
froh, dass Peter wieder da ist“, sagt R. zu ÖSTERREICH. Im Bubenzimmer liegt
ihr Sohn – der Ausreißer
muss nach dem Abenteuer-Trip ausschlafen.
Rückblende: Am Freitag um 11.30 Uhr erreicht R. der erlösende Anruf der
Polizei. „Wir haben ihren Sohn gefunden, bitte holen sie ihn in Jesolo ab.“
Erleichterung.
Zu diesem Zeitpunkt sind die Familien R. und K. in einem Bus am Weg nach
Italien – auf eigene Faust wollen sie ihre Söhne finden. „Es gab keine Spur
zu den Burschen, ich dachte sogar an einen Unfall“, so Elisabeth R.
Eine Woche Suche nach den vermissten Buben
Seit der Nacht auf
Samstag waren die drei Tiroler Ausreißer-Buben Peter R. (14), Sandro K. (14)
und Adlan M. (15) wie vom Erdboden verschluckt. Die Eltern suchten bei
Bekannten in Salzburg, druckten 500 Flyer und gingen an die Öffentlichkeit.
Dann die erste Spur nach Italien. Sogar eine Sondereinheit aus Padua filzte
die italienische Sommer-Hochburg nach den Halbstarken.
Freitag die Erlösung: Ausgerechnet die Religionslehrerin entdeckt die drei
durch Zufall am Strand. Sie alarmiert die Polizei. Auf der stundenlangen
Heimfahrt aus Italien hat Ausreißer Sandro seinem Vater Carlos die Story
hinter dem Abenteuer gestanden: Demnach wollten die beiden Freunde Peter und
Sandro angebliche nur eine Spritztour nach Saalfelden machen – von der fast
einwöchigen Tour nach Italien war nie die Rede.
Adlan (15) soll der Drahtzieher sein
„Doch dann ist Adlan
dazugestoßen“, sagt Vater Carlos zu ÖSTERREICH. Der 15-Jährige, der wie die
beiden anderen Buben Polizei-bekannt war, soll sie zu dieser Reise überredet
haben. „Wir haben unsere Handys verkauft, um an Essen zu gelangen“, erzählte
Sandro seinem Vater. Immer wieder hätten die beiden in Jesolo versucht, sich
von Adlan abzuseilen – das gelang erst als Adlan schlief. In den nächsten
Tagen werden die Buben von der Polizei einvernommen: „Eine Verwaltungsstrafe
ist möglich“.
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ÖSTERREICH: Nach fast einer Woche ist ihr Sohn in
Jesolo aufgetaucht. Wie geht es Ihnen? Carlos Krasser:
Wir sind erleichtert, dass alles gut gegangen ist. Gemeinsam mit der
Familie Rieder sind wir am FreitagFreitagfrüh auf eigene Faust nach
Italien gefahren, als uns der rettende Anruf der Polizei erreicht hat.
ÖSTERREICH: Warum ist Sandro ausgerissen? Krasser:
Sandro und Peter wollten eine Spritztour machen und nach einer Stunde
wieder zu Hause sein. Doch dann ist auch Adlan dazugestoßen...
ÖSTERREICH: Was ist dann passiert? Krasser:
Sandro hat mir erzählt, dass Adlan sie überredet hat, nach Jesolo zu
fahren. Die beiden haben vor Adlan viel Respekt, ja fast Angst.
Deshalb haben sie mitgemacht – Sandro und Peter wollten das alles
nicht.
ÖSTERREICH: Wie haben Sie sich die Tage finanziert? Krasser:
Der Tank war voll. Unterwegs haben sie die Handys verkauft, dass sie
Geld zum Essen haben. Sandro hat erzählt, er und Peter haben versucht,
uns zu erreichen. Doch Adlan hat das verhindert. Er soll sogar
versucht haben, mein Auto um 2.500 Euro in Italien zu verkaufen.
ÖSTERREICH: Wie hat Ihr Sohn darauf reagiert? Krasser:
Er hat die ganze Zeit Angst gehabt. Als Adlan geschlafen hat, haben
sich Sandro und Peter in die City von Jesolo geschlichen, damit sie
die Polizei findet.
ÖSTERREICH: Und jetzt? Krasser: Sandro
muss sich einmal erholen. Wir werden sehen, was die Einvernahme bringt.
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