Josef Fritzl schreibt Bettelbriefe Josef Fritzl schreibt Bettelbriefe

Will Jus studieren

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Josef Fritzl schreibt Bettelbriefe

Karge Einzelzelle, keine Besucher, kein Kontakt zu anderen Häftlingen und nur 30 Minuten Hofgang pro Tag.

Josef Fritzl (74), der Inzest-Vater von Amstetten, vegetiert in der Haftanstalt Stein in Niederösterreich. Aus Schutz vor Übergriffen durch andere muss er sogar alleine essen, die Mahlzeiten werden ihm durch die Tür gereicht. Der Hass auf den Mann, der seine dritte Tochter 24 Jahre lang im Keller einsperrte, sie mehr als 3.000 Mal vergewaltigte und mit ihr sieben Kinder zeugte, ist unendlich.

„Ich will Jura studieren, mich selbst verteidigen.“
Und so schreibt Fritzl laut der deutschen Bild-Zeitung regelmäßig „Bettelbriefe“ an seine älteste Tochter und jammert. Er schreibt: „Ich brauche 4.000 Euro, ich möchte ein Jura-Fernstudium machen.“ Der Grund: Als Anwalt wolle Fritzl sich selbst verteidigen. Für Psychologin Rotraud Perner (Interview siehe rechts) ist das eine Art „Größenvorstellung“ – die Folge des belastenden Strafvollzugs.

Dem „Monster von Amstetten“ dürfte die Einzelhaft tatsächlich zugesetzt haben. Ein Augenzeuge aus der Justizanstalt Stein beschreibt ihn so: „Er sieht schlecht aus, ist abgemagert und hat eingefallene Wangen.“

Von offizieller Seite heißt es nur: „Der Strafvollzug von Herrn Fritzl erfolgt gesetzeskonform.“

Seine Schwägerin Christine R. (58) sagt zu Bild: „Josef träumt noch immer von einer Zukunft mit seiner Frau. Doch sie will nichts mehr von ihm wissen. Sie liebt ihn nicht mehr und hat sogar ihren Namen abgelegt.“

Josef Fritzls Ehefrau: Neuer Name, aus Amstetten weg
Fritzls Ehefrau hat 14 Kilo abgenommen, zog aus Amstetten weg und besucht regelmäßig die missbrauchte Tochter (43) und die Kinder aus dem Keller. „Josefs Tochter geht gerne einkaufen, das hat sie ja 24 Jahre lang nicht machen können. Sie liebt Jeans und Strass-Steine. Alle Kinder gehen zur Schule und lernen sehr brav“, sagt Christine R. zu Bild.

Finanziell dürfte es der Familie, die abgeschottet in einem kleinen Ort lebt, gut gehen. Laut R. haben sie nachträglich 60.000 Euro Kindergeld bekommen. R. zu Bild: „Der Kleine hat sogar eine Playstation.“ An Josef Fritzl verschwenden sie keinen Gedanken.

Psychologin Rotraud Perner im Interview:
"Das Verhalten ist eine Art Größenwahn"

ÖSTERREICH: Wie analysieren Sie die neuen „Bettelbriefe“ von Josef Fritzl aus psychologischer Sicht?
Rotraud Perner: Er will mit diesen Briefen seine Schuldgefühle mit anderen teilen. Mit diesem Verhalten will er sich selbst entlasten und dem Adressaten mitteilen: „Du bist der Böse, du kümmerst dich nicht mehr um mich.“

ÖSTERREICH: Herr Fritzl behauptet, er benötige 4.000 Euro, weil er ein Jurastudium beginnen will.
Perner: Dieses Verhalten kenne ich von vielen meiner Klienten. Es ist eine Art Wahnvorstellung, eine Art Größenwahn. Es ergibt sich aus der großen Belastung seiner Einzelhaft und aus den fehlenden sozialen Kontakten.

ÖSTERREICH: Wie belastend ist sein Strafvollzug?
Perner: Die Einzelhaft ist eine sehr große Belastung, obwohl sie auch zu seinem Schutz ist. Er versucht mit den Briefen natürlich auch, seine begrenzten sozialen Kontakte zu erweitern.

ÖSTERREICH: Alle Briefe gelten der ältesten Tochter, die aber nicht antwortet. Wie beurteilen Sie ihr Verhalten?
Perner: Ich gehe davon aus, dass sie von Psychologen betreut wird. Dass sie nicht antwortet, ist absolut richtig. Er wird es aber nach wie vor versuchen.

ÖSTERREICH: Welche Chancen hat Josef Fritzl noch?
Perner: Es gibt die Chance der Resozialisierung im Gefängnis. Nichts hindert ihn daran, einen Antrag zu stellen und sich mit Büchern aus der Anstaltsbibliothek weiterzubilden.

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