11. März 2010 11:48
Klagen von der steirischen Arbeiterkammer dürften demnächst bei Prolactal
einlangen, denn erkrankte Mitarbeiter des Unternehmens haben sich an die
Arbeitnehmervertretung gewandt: Einer von ihnen - er wurde gekündigt - könne
seine Anschuldigungen auch mit Beweisfotos untermauern, hieß es. Darauf
seien abgelaufene Säcke mit Enzymen für die Backwarenproduktion zu sehen,
die noch verwendet worden seien, bestätigte der Leiter der AK-Abteilung
Arbeitsrecht Wolfgang Nagelschmied. Die Firma wies die Vorwürfe zurück.
Musterverfahren
Der AK-Experte erklärte am Donnerstag, dass sich
bisher zwei erkrankte Mitarbeiter des Hartberger Werks, aus dem mit
Listerien verkeimte Käsesorten in den Handel gelangt waren, gemeldet haben.
Einer der beiden leide seit seiner Tätigkeit für das Unternehmen unter
Ausschlägen, Durchfall, Kehlkopfentzündung und Kopfschmerzen. Er wolle
eigentlich nur wieder gesund werden, lasse sich aber auf ein
"Musterverfahren" vor dem Arbeitsgericht mit Hilfe der Kammer ein, um
vielleicht auch andere betroffene Mitarbeiter zu ermutigen, sich zu melden.
Druck auf Mitarbeiter
Laut Nagelschmied dürften Mitarbeiter
massiv unter Druck gesetzt und eingeschüchtert worden sein, keine
rechtlichen Schritte gegen das Unternehmen zu setzen, da sonst im Gegenzug
geklagt werde. Er halte die vorgebrachten Anschuldigungen für glaubhaft,
zumal er Fotos des ehemaligen Mitarbeiters von den abgelaufenen Enzym-Säcken
für die Backwarenproduktion - Prolactal erzeugt zum Beispiel Sahnefonds,
Kaltcremen, Topfenstabilisatoren und Sauermolkenpulver - gesehen habe.
Sieben Jahre alte Beigaben
Besonders verwerflich sei in seinen
Augen das Prolactal vorgeworfene Verhalten: Hinweise der Mitarbeiter auf die
seit bis zu sieben Jahren abgelaufenen Beigaben seien vom Unternehmen mit
der Bemerkung quittiert worden, es werde "nichts weggeworfen" und man solle
kleine Mengen dazumischen. Der zweite ehemalige Mitarbeiter, der bei der AK
vorstellig geworden ist, überlegt laut Nagelschmied noch eine Klage.
Prolactal wies am Donnerstag die Vorwürfe, Mitarbeiter unter Druck
gesetzt bzw. mit gesundheitsschädlichen Chemikalien gearbeitet zu haben,
"auf das Schärfste zurück". Sprecher Harald Schiffl meinte: "Ich wüsste
nicht, dass Mitarbeiter unter Druck gesetzt worden sind, nicht zur
Arbeiterkammer zu gehen. Das ist ja ihr Recht, sich dorthin zu wenden." Das
Unternehmen überlege sich nun "rechtliche Schritte" wegen der öffentlich
bekanntgemachten Anschuldigung.