Eine Million für das erste Foto

Elisabeth F.

© Reuters

Eine Million für das erste Foto

"Natürlich will jeder jetzt das erste Foto von der Familie Fritzl“, sagt ein Fotograf für eine britische Boulevard-Zeitung. „Die ganze Welt will jetzt wissen, wie die Familie aussieht, die 24 Jahre lang im Keller eingesperrt war.“ Deswegen wird das Landesklinikum in Mauer, unweit von Amstetten, zurzeit von Journalisten belagert. „Tagsüber ist es nicht so schlimm“, sagt ein breit gebauter Sicherheitsmann, der vor dem Haupteingang zum Spital Wache schiebt. Nächtens aber kommen die Journalisten zum Spital, wie die Motten zum Licht: „Wir müssen jede Nacht Fotografen vertreiben, die versuchen, auf das Gelände zu kommen, um die Familie zu fotografieren“, erklärt der Sprecher des Spitals, Klaus Schwertner im Gespräch mit ÖSTERREICH. Dazu hat sich die Klinik-Leitung einiges einfallen lassen: Sicherheits­leute patrouillieren zusammen mit Mitarbeitern der Betriebsfeuerwehr rund um das Gelände.

Wärmebildkameras
Mit dabei sind scharfe Hunde, die sofort anschlagen, wenn sie einen Fotografen riechen. Aber damit nicht genug: Die Sicherheitsleute haben auch Wärmebildkameras, um die Neugierigen in dem kleinen Wäldchen rund um das Spitalsgelände zu orten. Dort sitzen sie auf den Bäumen und fotografieren wahllos in die Zimmer hinein, um den „Lucky Shot“ zu ergattern. Eine Mio. Dollar wird für ein Foto bereits geboten.

„Es gab auch schon verschiedene Vorfälle, wo sich Reporter daneben benommen haben“, sagt Schwertner. „Ein belgisches Kamerateam versuchte, auf das Gelände vorzudringen. Daraufhin gab es ein Handgemenge mit einem Pfleger. Die Journalisten traten den Pfleger vors Schienbein und suchten danach das Weite.“

Auch einige Bewohner von Amstetten haben ihre Chance erkannt und schlagen Profit aus der Misere der Familie Fritzl. 150 Euro werden gezahlt, um den Balkon der Nachbarn einzunehmen. Ein Anwohner verlangte 500 Euro für ein Familienfoto, Journalisten bezahlten 4.000.

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