Mauthausen-Komitee mit Bildungsoffensive

Nach Ebensee-Vorfall

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Mauthausen-Komitee mit Bildungsoffensive

Angesichts der Neonazi-Störaktion in Ebensee hat das Mauthausen Komitee Österreich (MKÖ) am Freitag einen Maßnahmenkatalog präsentiert. Derzeit werden beispielsweise 35 zusätzliche Guides ausgebildet, um Führungen im ehemaligen Konzentrationslager durchführen zu können, erklärte Willi Mernyi, Vorsitzender des MKÖ, bei einer Pressekonferenz. Weiters wird ab sofort ein Zivilcourage-Training für Jugendliche angeboten. Scharfe Kritik übte Mernyi an der Bundesregierung.

"Weckruf"
"Ebensee war ein Weckruf, und dieser Weckruf muss gehört werden", betonte Mernyi. Die Bundesregierung sei gefordert, nicht länger "zuzuschauen". "Mit einer Ball-flach-halten-Politik kann man dieses Problem nicht lösen", so der Vorsitzende des MKÖ, der sich eine "klare" Reaktion der Regierung erhofft. "Die Szene gehört nicht beobachtet, sondern bekämpft." Man fordere aber nicht nur mehr Engagement der Regierung, sondern wolle auch selbst einen Beitrag leisten.

Oft gebe es das Problem, dass Schulen um Führungen im ehemaligen Konzentrationslager ansuchen, aber zu wenig (ehrenamtliche) Guides zur Verfügung stünden, so Mernyi. Deshalb werden derzeit 35 neue Mauthausen-Guides ausgebildet, rund ein Drittel davon mit migrantischem Hintergrund und knapp die Hälfte davon Frauen. Damit will man weg von den "0815-Führungen" und stattdessen auf jede Gruppe, je nach Teilnehmern, individuell eingehen. Konzentrieren werde man sich zukünftig außerdem nicht mehr nur auf die AHS, sondern auch auf Lehrlinge und Berufsschüler.

Training für Jugendliche
Eine Führung durch Mauthausen sei allerdings nicht immer das, was Lehrer für ihre Schüler brauchen, meinte Mernyi. Das Problem sei oftmals die gegenwärtige Ausländerfeindlichkeit. Neben einem antirassistischen Planspiel bietet das MKÖ ab sofort auch Zivilcourage-Trainings für Jugendliche an. Diese sollen in Workshops geschult werden, wie sie "im Kontakt mit Neonazis richtig handeln sollen", erklärte Michael Bünker, Bischof der Evangelischen Kirche A.B., der sich "sehr erfreut" über die Initiative zeigte. "Das wäre auch gut für Erwachsene", fügte der Bischof hinzu.

Beratungshotline
Um Eltern und Lehrern bei der Erziehung Hilfestellung leisten zu können, forderte Mernyi die Einrichtung einer Beratungshotline. Er bekomme viele Anrufe von besorgten Eltern, die eine Verhaltensänderung ihrer Kinder oder verdächtige Symbole entdecken würden, aber nicht wissen, wie sie damit umgehen sollen. Darum kümmern solle sich die Regierung. Eine Ansiedelung der Hotline im Innenministerium hält Mernyi zwar für keine gute Idee, die Politik solle aber die finanziellen Mittel zur Verfügung stellen.

Dass die FPÖ mit Slogans wie "Abendland in Christenhand" für die EU-Wahl wirbt und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache bei der "Anti-Moschee-Demo" am Donnerstag in Wien demonstrativ ein Kreuz getragen habe, ist für Bischof Bünker "in höchstem Maße fahrlässig". Religiöse Symbole zu "missbrauchen" sei gefährlich, da religiöse Gefühle tiefe Emotionen auslösen könnten, die auch zu negativen Handlungen führen könnten. Die Evangelische Kirche distanziere sich ganz deutlich davon. Auch Mernyi zeigte sich besorgt: "Wenn linke Demonstranten 'Nazis raus' rufen und aus der Demonstration kommt zurück 'aus dem Gefängnis!', ist das angesichts des Vorfalls in Ebensee mehr als grauslich."

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