Litauer nach fünf Tagen lebend geborgen

Chronik des Wunders

© Bergrettung

Litauer nach fünf Tagen lebend geborgen

Das letzte Mal wurde der 22-jährige Povilas Charzevskis am 15. Juli um 11:30 Uhr gesehen. Die Wirtin der Haindlkarhütte sah ihn, bevor er vier Tage lang nicht mehr aufzufinden war. Mit seinen Freunden Justas Lazutka, Simona Gervickaite und Rasa Arnaityte war der Litauer zuvor auf dem Campingplatz Forstgarten in Gstatterboden angekommen. Gleich am ersten Tag wollte er eine Bergtour starten, alleine und schlecht ausgerüstet. Mit nacktem Oberkörper, ohne Wetterschutz und sonstiger Kletterausrüstung machte er sich auf den Weg.

Kontakt brach ab
Um 13:39 Uhr schickte er seine letzte SMS an die Freunde. Er sehe Schnee und sei bei einem Brunnen. Danach brach der Kontakt ab. Als Charzevskis über Nacht nicht auf den Campingplatz zurück kam, begannen sich seine Freunde Sorgen zu machen und verständigten am Morgen des 16. Juli die Nationalparkverwaltung. Eine Abgängigkeitsanzeige wurde bei der Polizeiinspektion Admont gemacht und die riesige Suchaktion begann.

Wetter erschwert Suche
Nach ersten ergebnislosen Stunden machten sich am 17. Juli mehrere Gruppen der Bergrettung und der Alpenpolizei auf. Auch die Freiwillige Feuerwehr, die Österreichische Hunderettungsbrigade sowie die Wasserrettung wurden hinzugezogen. Doch das Wetter machte die Suche ungeheuer schwer. Am 18. und 19. Juli konnten nur wenige, gut ausgerüstete Mitglieder der Bergrettung weitersuchen. Sie konzentrierten sich auf das Haindlkar und das westlich gelegene Gebiet um den „Gseng“. Auch diese Aktion verlief ohne Ergebnis.

Litauer in gutem Zustand
Am 20. Juli nahmen sich dann 41 Mann der Bergrettung das gesamte umliegende Gebiet vor. Sogar Helikopter wurden eingesetzt. Um 16 Uhr dann die Meldung, auf die alle gewartet hatten: Eine verletzte Person sei in einem Bachbett im Gebiet des Ödsteingrabens gefunden worden. Diese Stelle ist vom markierten Weg aus nicht einsehbar. Sofort wurde der Mann mit einem Helikopter geborgen und erstversorgt. Wie sich bald herausstellte war es der gesuchte Litauer. Er war ansprechbar und in, den Umständen entsprechend, gutem körperlichem Zustand. Wie durch ein Wunder überstand er die Wetterstürze in den vergangenen Tagen und war trotz der spärlichen Kleidung nicht unterkühlt. Laut ersten Diagnosen der Notärzte habe Charzevskis sich Brüche an den Beinen zugezogen. Er wurde auf die Intensivstation nach Amstetten geflogen.

"Wildes Tier"
150 Mann suchten vier Tage lang. Als dann die Meldung kam, dass Charzevskis noch lebte, war die Freude riesig. „Er hat eine Rossnatur, wir haben ihm schon früher den Spitznamen ‚wildes Tier’ gegeben“, meinten seine Freunde. Im Bachbett liegend hatte er sich nur von vorbeirinnendem Wasser ernährt. „Es ist unfassbar, wir freuen uns mit allen“, sagte Hans-Peter Scheb, Katastrophenschutzreferent des Bezirks Liezen.

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