Staatstrauer für mehr als 50.000 Tote in China

Erdbeben

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Staatstrauer für mehr als 50.000 Tote in China

Mit drei Schweigeminuten zeigten die Menschen am Montag ihr Mitgefühl für die vermutlich mehr als 50.000 Todesopfer, die Hunderttausenden Verletzten und Millionen Obdachlosen im Erdbebengebiet. Auf die Minute genau eine Woche nach den zerstörerischen Erdstößen im Südwesten Chinas kam das Leben im Land um 14.28 Uhr (Ortszeit) zum Stillstand. Das Unglück hat ersten Erhebungen zufolge einen Schaden von 6,2 Mrd. Euro verursacht.

Menschen hielten inne, Autos hupten und Sirenen heulten. An mehreren Orten kam es danach zu emotionalen Demonstrationen der Solidarität mit den Opfern. Auf dem Platz des Himmlischen Friedens (Tian'anmen) in Peking riefen Tausende "China, los, vorwärts" und reckten die Fäuste in die Höhe. Im Erdbebengebiet sind seit Samstag mehr als 200 Helfer bei neuen Erdrutschen durch Regenfälle und Nachbeben verschüttet worden.

Staatstrauer bisher nur für Politgrößen
Bisher wurde Staatstrauer nur nach dem Tod hoher politischer Führer angeordnet. Die Nationalfahne und andere Flaggen wehen auf halbmast. Das Staatsfernsehen zeigte das Politbüro mit Staats- und Parteichef Hu Jintao an der Spitze während der Schweigeminuten in einem Hof im Machtzentrum Zhongnanhai in Peking mit gesenkten Köpfen. Das letzte Mal war 1997 nach dem Tod des marktwirtschaftlichen Reformarchitekten Deng Xiaoping Staatstrauer angeordnet worden. Der olympische Fackellauf in China ist für drei Tage unterbrochen.

Bisher wurden 34.000 Tote bestätigt, doch geht der Krisenstab von mehr als 50.000 Opfern aus. Rund 245.000 Menschen wurden verletzt, mehr als 100.000 Verletzte werden in Spitälern oder Lazaretten behandelt. Knapp 10.000 Verschüttete werden noch unter den Trümmern vermutet. Doch selbst eine Woche nach der Katastrophe werden immer noch Überlebende gefunden: Am Montag ist ein 80-jähriger Mann aus den Trümmern seines Hauses im Bezirk Beishan geborgen worden. Er hatte 160 Stunden auf Hilfe gewartet.

Rettungsarbeiten gehen weiter
Um der Seuchengefahr vorzubeugen, wurden Desinfektionsmittel versprüht. Rettungstrupps bemühten sich weiter, 77 Dörfer in den Bergen zu erreichen, die immer noch von der Außenwelt abgeschnitten sind. Nach Klagen in der Bevölkerung über eine langsame Reaktion auf die Katastrophe sind in der schwer zerstörten Stadt Dujiangyan drei hohe Funktionäre wegen Vernachlässigung ihrer Pflichten entlassen worden. Der Chef des städtischen Verwaltungsamtes, Xiao Rong, wurde wegen Fehlverhaltens bei der Erhebung der Opferzahlen bestraft.

Das Erdbeben hat aber auch eine Welle der Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung ausgelöst. Viele befüllten ihre Autos mit Nahrungsmittel und fuhren oft tausende Kilometer quer durch das Land, um die Opfer zumindest mit dem Notdürftigsten zu versorgen. Das private Engagement ist für China ein Novum - bisher kamen alle Wohlfahrtsleistungen von der Kommunistischen Partei, also der Regierung. Bis einschließlich 2004 waren private Hilfsorganisationen sogar verboten.

Regierung will Obdachlosen mit Geld helfen
Nach einer Krisensitzung in Peking kündigte die Regierung an, dass alle Obdachlosen in den kommenden drei Monaten pro Tag jeweils zehn Yuan (92 europäische Cent) Unterstützung und 500 Gramm Nahrungsmittel bekommen sollen. Die Angehörigen von Erdbebentoten erhalten einmalig 5.000 Yuan (460 Euro) Unterstützung. Die Regierung hat 5,78 Milliarden Yuan (532 Millionen Euro) zur Verfügung gestellt. EU-Länder spendeten bisher rund zehn Millionen Euro.

Überdies wurde am Montag beschlossen, einen Teil der strategischen Ölreserven freizugegeben. Rund 8,5 Tonnen Kraftstoff seien zur Unterstützung der Rettungsarbeiten in den Provinzen Sichuan und Gansu zur Verfügung gestellt worden, teilte das staatliche Büro für Rohstoff-Reserven mit. Die Menge entspricht nicht einmal jenem Verbrauch, der in der am schlimmsten betroffenen Provinz Sichuan an einem Tag anfällt. Über die chinesischen Ölvorräte ist nur wenig bekannt. Die Behörde gibt selten Öl aus ihren Lagern frei und berichtet nie über den Stand ihrer strategischen Reserven.

Die Katastrophe hat in China einen direkten wirtschaftlichen Schaden von rund 67 Mrd. Yuan verursacht, das sind umgerechnet 6,2 Mrd. Euro. Die Verluste ergeben sich aus Erhebungen, wonach in der am stärksten betroffenen, südwestchinesischen Provinz Sichuan 14.207 Unternehmen Schäden erlitten hätten, erklärte der stellvertretende Minister für Industrie und Informationstechnologie, Xi Guohua, am Montag in Peking.

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