07. Februar 2010 11:24
Die Testamentsfälschungsaffäre am Bezirksgericht Dornbirn weitet sich immer
mehr aus. Laut einem Bericht des ORF Vorarlberg soll offenbar auch eine
Richterin am Landesgericht Feldkirch in die Manipulationen involviert sein.
Sie soll Mitarbeiter beauftragt haben, Testamente zu fälschen. Angehörige
der Frau sollen so rund eine Mio. Euro geerbt haben. Die Richterin wies die
Vorwürfe gegenüber dem ORF aufs Schärfste zurück.
Die Staatsanwaltschaft habe den Verdacht nicht bestätigt, dementiere aber
auch nicht, hieß es in dem Bericht. Staatsanwaltschaftssprecher Heinz Rusch
habe auf telefonische Anfrage des ORF erklärt, dass eine Person aus dem
aktiven Richterstand in die Affäre verwickelt sein soll. In einer
Pressemitteilung, die an sich erst am Montag herausgegeben werden sollte,
heiße es: "In einem Verdachtsfall ist nunmehr hervor gekommen, dass
Angehörige einer Person aus dem aktiven Richterstand in Vorarlberg geerbt
haben. Die Rollen der Beteiligten gilt es nunmehr abzuklären". Harald
Pirker, Sprecher des Oberlandesgerichts Innsbruck, bestätigte auf
APA-Anfrage, dass es "Ermittlungen in dieser Richtung" gebe.
Laut ORF soll die Frau von Testamentsfälschungen gewusst haben und
Mitarbeiter, die diese Manipulationen vornahmen, angewiesen haben, auch zu
ihren Gunsten Testamente zu fälschen. Nahe Verwandte der Richterin sollen so
eine Mio. Euro geerbt haben. Die Richterin dementierte die Vorwürfe am
Samstagabend gegenüber dem ORF. Sie vermute, dass es sich um eine
Verleumdung handle, weil sie selbst Fälle aufgedeckt und angezeigt habe, so
die Frau. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Die Staatsanwaltschaft kündigte laut dem Bericht an, den Fall wegen
Befangenheit abzugeben. Ab Montag leitet demnach die Oberstaatsanwaltschaft
Innsbruck die Ermittlungen. Oberlandesgerichtssprecher Pirker bestätigte,
"ein Teil der Ermittlungen" werde an die Staatsanwaltschaft Innsbruck
abgegeben. Das Oberlandesgericht sei dabei lediglich als
Dienstaufsichtsbehörde der Beamten involviert. Im Detail sei man noch nicht
über die Entwicklungen informiert, man erwarte die Unterlagen am Montag mit
der Post.
Erst am Freitag war ein pensionierter Bediensteter des Bezirksgericht
Dornbirn in der Causa verhaftet worden. Insgesamt sind damit bisher vier
Verdächtige festgenommen worden, drei davon sitzen in Untersuchungshaft. Ein
Beschuldigter wurde vor einigen Wochen aus der U-Haft entlassen. Gegen ihn
und weitere fünf Personen, die als Beschuldigte einvernommen wurden, wird
weiter ermittelt.