07. November 2010 22:53

Streit ums Sparpaket 

Aufstand gegen das Budget-Theater

Sogar im VP-Präsidium gibt es offene Rebellion gegen das Budget.

Aufstand gegen das Budget-Theater
© Rabenhof-Theater

So haben sich wohl Kanzler Werner Faymann und Vizekanzler Josef Pröll die Auswirkungen ihrer „Gesprächsbereitschaft zu Details“ des Budgetfahrplans bis 2013 nicht vorgestellt: Zunächst bezeichnete Kardinal Cristoph Schönborn das „größte Sanierungspaket in der Geschichte der Zweiten Republik“ (© Josef Pröll) schlicht als „Schande“ – weil die Kirche die Kürzungen bei den Familien und der Pflege nicht hinnehmen wolle.

Und dann brach ein Flächenbrand aus: Landesfürsten wie Erwin Pröll vermissen echte Verwaltungsreformen – obwohl die ÖVP, wie die SPÖ diagnostiziert, ein „Pröll-Pröll-Problem“ hat. Onkel Erwin verhindere nämlich, dass Neffe Josef zukunftsorientierte Reformen umsetzen könne.

Gleichzeitig erklärten die Chefs der großen Wirtschaftsforschungsinstitute, dass die bisherigen Reformen keinerlei Einsparungen bei der ausufernden Bürokratie bringen. Damit drohen laut den Experten spätestens 2013 neue gewaltige Belastungen für die Österreicher – schmerzliche Sparschnitte im Sozialstaat oder ebenso harte Steuererhöhungen stehen im Raum. Und am Wochenende legte auch noch der Chef des Rechnungshofes nach:

Moser: „Sparziel wird um viele Milliarden verfehlt“
Josef Moser erklärte, dass das Sparziel der Koalition „um viele Milliarden verfehlt wird, weil es keinen Bürokratieabbau gibt“. In diesem Feld sei die Regierung völlig untätig gewesen – und damit werde ein echter Sparkurs unmöglich umzusetzen sein. Auch Moser fürchtet bald die nächsten Belastungspakete. Und ab sofort findet die Rebellion gegen den Budgetkurs der ÖVP mitten im Herzen der Vizekanzlerpartei statt: Christoph Leitl, Chef der Wirtschaftskammer, schließt sich im ÖSTERREICH-Talk (siehe unten) den „Aufständischen“ an: Auch er kritisiert, dass es keine Einsparungen in der Bürokratie gebe – und dass damit das nächste Belastungspaket spätestens 2013 vor der Türe stehe.

Bis zur Budgetrede am 1. Dezember hat Pröll jedenfalls noch eine Galgenfrist: Beim Österreich-Gespräch im Parlament in dieser Woche, bei Gesprächen mit Vertretern der Familien, der Unis und der Schulen kann er noch Anläufe unternehmen, um seine ehrgeizigen Sparpläne zu retten und die schärfsten Kritiker zu besänftigen.

ÖSTERREICH-Interview mit Christoph Leitl

ÖSTERREICH: Teilen Sie die Kritik fast aller Experten, dass der Budgetentwurf der Regierung mangelhaft ist?
Christoph Leitl: Ich werde seit Jahren nicht müde dafür zu werben, dass wir erneuern statt besteuern müssen. WIFO-Chef Fel­derer warnt, dass wir aufpassen müssen, dass wir 2013 nicht schon wieder die Steuern erhöhen müssen, weil wir keine Reform in den bürokratischen Strukturen zustande bringen. Und auch der Chef des Rechnungshofs hat recht, dass die Sparziele wohl nicht erreicht werden, weil die Verwaltungsreform nicht kommt.

ÖSTERREICH: Welche konkreten Maßnahmen vermissen Sie in den Ländern?
Leitl: Allein im Spitalswesen fließen derzeit 40 Prozent der Gesamtausgaben in die Administration. Da könnte man binnen kürzester Zeit intelligent sparen – so, dass die volle Qualität des besten Gesundheitswesens der Welt erhalten bleibt.

ÖSTERREICH: Aber weder bei Spitälern noch bei der Pflege oder bei der Schule spielen die Länder mit.
Leitl: Es gibt nicht „die Länder“. Ich unterstütze etwa die Idee der Salzburger Landeshauptfrau Burgstaller, eine Konklave für echte Verwaltungsreformen durchzuführen. Sie ist ein Beispiel dafür, was ich von der gesamten Regierung und allen Länderchefs verlange: Denken wir mehr ans Gesamte, statt nur an uns selbst. Diese Egoismen haben keinen Platz mehr.

ÖSTERREICH: Meinen Sie damit auch NÖ-Landeschef Erwin Pröll, der sogar die totale Verländerung der Schule fordert?
Leitl: Ich wende mich explizit an alle Beteiligten. Und ich halte fest: Mich interessiert das Thema Personalkompetenz bei Lehrern überhaupt nicht. Es ist eigentlich unglaublich: Während wir bei Pisa-Tests immer weiter zurückfallen, streiten wir darüber, wer die Lehrer verwaltet. Mich interessiert, dass endlich mit den beiden Ministerinnen Beatrix Karl und Claudia Schmied das integrierte Bildungssystem der Sozialpartner umgesetzt wird. Ich schätze die beiden Damen sehr, aber wir müssen jetzt alle gemeinsam mehr Gas geben, statt über Nebensachen zu streiten. Und dazu halte ich fest: Es wird nicht neun verschiedene Bildungssysteme geben, wo eine Volksschule vier Jahre und die andere sechs Jahre lang dauert.

ÖSTERREICH: Werden Sie sich damit durchsetzen?
Leitl: Es melden sich inzwischen ja aus allen Lagern immer mehr Experten zu Wort, die festhalten, dass wir dringend in der Bürokratie sparen müssen. Ich habe das 2008 gefordert. Hätte man auf mich gehört, hätten wir uns heute die harten Belastungen für Familien und Studenten ersparen können.

ÖSTERREICH: Was droht, wenn die Regierung jetzt nicht auf Ihre Kritik hört?
Leitl: Dann nützt alles nichts. Es winkt spätestens 2013 das nächste gewaltige Belastungspaket. Ich sage nochmals, dass eine Konklave für eine echte Verwaltungsreform sinnvoll wäre. Die Parteisekretäre und Politiker der Koalition sollen sich nicht Nettigkeiten ausrichten, sondern endlich die Ärmeln aufkrempeln. Den Worten müssen dringend Taten folgen.

Interview: Josef Galley


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7 Postings
andi893 meint am 10.11.2010 00:30:55 ANTWORTEN >
Wie wäre es wenn man eine Plattform Staatsreform ventilieren würde. Wenn sich die einzelnen Parteibonzen ständig dagegen verwehren echte Reformen durch zu führen kann der Impuls dazu nur von unten kommen.
Es kann nicht angehen nur zu jammern dass nichts geschieht und dass man ständig die gleichen "Spezialisten" wählt. Also ergreifen wir doch einmal die Initiative und machen Reformen von der Basis.
Man darf doch nicht glauben, dass eine andere Parteiführung egal welcher Farbe ebenfalls Interesse haben könnte sich selbst die eigenen Pfründe ab zu graben. Es gibt gegen alle möglichen Blödheiten Proteste, es gibt aber keinen wo die Vernunft zu siegen hätte. Protestiert wird nur dann wenn etwas nicht bezahlt wird, das ist einfach zu billig. Beginnen wir die Reform in dem wir selbst Hand anlegen.
Stellen wir die Forderung dass die Einsparungen nicht die breite Schicht der Bevölkerung treffen kann sondern in der Struktur des Staates. Steuern zu erfinden und Geld um zu verteilen ist so etwas dummes wozu man eigentlich wohl kaum eine Akademiker braucht, das kann auch der kleine Maxi der noch im Kindergarten sitzt. Wer hat Mut. Wenn ich alleine nur daran denke wie hoch der Anteil höchstbezahlter unnötiger Akademiker in den diversen Ministerien herum hocken von denen man weder etwa hört noch sieht, sollte man sich eine Firma vor Augen führen die nur aus Prokuristen und Geschäftsführern besteht.
Eine Superglanzleistung bringt unsere Frau Justizminister auf dem Wege in dem Sie die Gerichtsgebühren erhöhen will um Geld zu sparen. Die kostenlose Rechtsberatung wird ebenfalls abgeschafft. Auf die Idee zu verfallen die Verfahren ab zu kürzen kommt man zu aller letzt oder gar nicht. Also wenn das der Erste Schritt einer Verwaltungsreform sein soll, reformieren wir am besten gleich den Minister und schaffen das Amt ab. Dazu bracht man nicht 5 Jahre ein Supergehalt beziehen und zufolge Geldbeschaffung das Volk noch mehr zu schröpfen. Bei den Gerichtskosten wird darauf verwiesen, dass diese etwa 70 % der Verwaltung decken. Vielleicht versuchen wir das einfache Konzept Verhandlungen so zu gestalten, dass diese keine Quartalsplanung erfordern sonder zügig vor sich gehen. Bekanntlich ist es mehr als ungünstig das Ministerium irgend etwas zu fragen, man verweist auf RA-Kammern und ähnliche Gebilde, weil das Ministerium keinen Einfluss hat. So geht es wohl in jedem Ministerium, reformieren wir diese Bollwerke der Macht wie uns ständig vorgegaukelt wird.
branwhen meint am 08.11.2010 21:47:46 ANTWORTEN >
Warum wird immer nur bei der Bevölkerung gespart?
Spart endlich bei den Politikern, macht endlich eine Verwaltungsreform, Abschaffung des unnötigen Bundesrates, Halbierung der NR-Abgeordneten, Abschaffung des BP und spart auch endlich bei den Asylanten!!!
Nur mehr 1 Einspruch bei einem negativen Asylbescheid und Schluss!
Nicht bei Familien, Alten, Kranken und der Bildung!
Bindet die FBH an die Staatsbürgerschaft.
Wir haben nichts zu verschenken.
napoleon meint am 08.11.2010 10:36:37 ANTWORTEN >
Lohn.-und preisstop wäre ein mal der Anfang.
Wie war das 1970 als die SPÖ an die Regierung gekommen ist.
Die ÖVP hat das Richtige gemacht, vorsorglich, höhere Steuersätze beschloßen und durchgeführt, die Folge war, die Staatskassen waren voll.
Die SPÖ hat ihre Geschenke verteilen können, Heiratsbeihife, und ihren weiteren Blödsinne verkauft, was ihr 2 x hintereinander die Alleinregierung gebracht hat.
Vorher sparen und dann verteilen, so müßte ein Budget zu machen sein.
Die Spö will vorher verteilen was es gar nicht gibt.
bigman meint am 08.11.2010 10:05:45 ANTWORTEN >
SIND WIR IM EIGENEN LAND DIE DEPPEN DER POLITIKER ??
Bravo Österreich!!!!!!!!!!
Bargeldleistungen an Asylwerber in Österreich
Quelle: Arbeitersamariterbund und Arbeiterkammer:

Essensgeld pro Person (auch Kinder) pro Monat € 150,-
Taschengeld pro Person (auch Kinder) pro Monat € 40,-
Freizeitaktivitäten pro Person (auch Kinder) pro Monat € 10,-
Bekleidungshilfe pro Person pro Jahr € 150,-
Schulbedarf pro Kind pro Jahr € 200,-
Beispiel: Asylwerberfamilie (Eltern mit 3 Kindern, 2 davon
Schulpflichtig):
Essensgeld - € 9000,-
Taschengeld - € 2400,-
Freizeitaktivitäten - € 600,-
Bekleidungshilfe - € 750,-
Schulbedarf - € 400,-
In Summe jährlich € - 13.150,-
NICHT vom Asylwerber zu bezahlen sind: Miete, Strom, Gas, Heizung,
Fernsehgebüren, Hygieneartikel (z.Bsp. Windeln, Seife, WC-Papier, usw.)
Vergleich: Einheimische Familie (Vater arbeitslos, Mutter
und drei Kinder)
durchschnittliches Arbeitslosengeld: - € 700,- --- pro Jahr: - € 8400,-
Familienbeihilfe x 3 Kinder - € 336,- --- pro Jahr € 4032,-
In Summe: jährlich - € 12432,-
Davon zu bezahlen sind: Miete Strom, Gas, Heizung, Fernsehgebüren,
Essen, Hygieneartikel, Kleidung, Schulbedarf,
Freizeitaktivitäten, Taschengeld, usw.
Ist das nicht der Wahnsinn???
Ein Asylwerber bekommt im Monat um € 59,- mehr, muss dafür keine Miete, Strom, Heizung, usw. bezahlen!!!

Irre oder??
Ein grosses Dankeschön an unsere Politiker!!!
Und jetzt halt dich fest:

In den USA kommt ein Asylsuchender auf 13.697 Einwohner!
In Deutschland kommt ein Asylsuchender auf 1.700 Einwohner!!
In Österreich kommt ein Asylsuchender auf 265 Einwohner!!!


panzer meint am 08.11.2010 09:10:56 ANTWORTEN >
"das nächste Belastungspaket spätestens 2013"

Wieder nach der Wahl ???

Sicher !

Aber mit Rot-Schwarz ist es aber trotzdem sicher vorbei !

Dann wird man wieder der FPÖ den schwarzen Peter zuschieben.



1180 meint am 08.11.2010 07:46:17 ANTWORTEN >
spart bei den zuwanderern die kosten genug und nicht bei den alten
pensionistin meint am 08.11.2010 05:47:12 ANTWORTEN >
Warum sitzt Herr Elsner noch im Gefängnis, wenn diese beiden Clowns ein vielfaches an Steuergeld verschleudern.

Jeder in der Privatwirtschaft wäre schon längst verhaftet wenn er seine Firma so führen würde!!

Aber Dick und Doof können ja machen was sie wollen.

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