21. August 2007 18:39
Rund 15.000 Jugendliche sind bis zum Verbot 1994 laut eigenen Angaben durch
die rechtsextreme Kaderschmiede gegangen. „Das war eine klar neonational
sozialistische Jugendorganisation, eine Art Hitlerjugend unter westdeutschen
Bedingungen“, sagt der Experte für Rechtsextremismus von der Uni Berlin Hajo
Funke.
Auf „Zeltlagern“erprobte die Gruppe mit paramilitärischen Übungen den Krieg.
Mehrfach geriet die Gruppe mit dem Strafgesetz wegen Körperverletzung oder
sogar wegen versuchten Totschlags in Konflikt. Gewalt herrschte auch nach
innen. „Fehltritte“ der Mitglieder wurden oft mit Schlägen und Tritten
geahndet.
Kontakte der Gruppe gab es auch zur Neonazi-Szene nach Österreich, erklärt
Funke: „Sicher ist, dass die Neonazis sehr enge Kooperationen hatten – mit
Leuten wie Kühnen, Küssel oder Schimanek. In deren Umkreis war wohl
zeitweise auch Strache, bevor er in seine heutige Rolle geschlüpft ist.“
ÖSTERREICH: Wer steckt hinter der Wiking-Jugend?
Hajo Funke: Das war eine klar neonationalsozialistische Jugendorganisation,
eine Art Hitlerjugend unter Westdeutschen Bedingungen. Die Wiking-Jugend war
eine der aktivsten und umfangreichsten Organisationen. Sie ist zuletzt von
Wolfram Narath, der heute ein aktives NPD-Mitglied und NPD-Anwalt ist,
geführt worden.
ÖSTERREICH: War die Wiking-Jugend gewalttätig?
Funke: Ja, das ist bei allen neonazistischen Organisationen der Fall. Die
Angriffsziele sind schnell benannt, das ist nicht sehr viel anders als in
Mein Kampf: Ausländer, Fremde, Juden, Linke, ... Narath sagte einmal zu
einem Kollegen von mir: „Wenn wir die Macht haben, dann werden wir die
Straflager errichten.“
ÖSTERREICH: Gab es auch Verbindungen nach Österreich?
Funke: Ja, die gab es. Sicher ist, dass die Neonazis sehr enge Kooperationen
hatten – mit Leuten wie Kühnen, Küssel und Schimanek. In deren Umkreis war
wohl auch Strache zeitweise zu finden, bevor er in seine heutige Rolle
geschlüpft ist. Es gab halbverdeckte und manchmal auch offene Kontakte zu
Neonazis, die auch zu Gewalttaten bereit waren.
ÖSTERREICH: Wie kann man sich diese Kooperationen vorstellen?
Funke: Man hat sich gegenseitig zu Vorträgen oder auch
Demonstrationsvorbereitungen eingeladen. Im Falle von Gewalttaten hat man
einander gedeckt. Das war vor allem zu Anfang der 90er Jahren. Danach
mussten ja viele flüchten oder sind verhaftet worden.