23. Februar 2012 06:38

Korruption in Österreich 

Ministerkauf - Bei uns straffrei!

Skandalös: Still und leise wurde 2009 Gesetz geändert.

Ministerkauf - Bei uns straffrei!
© TZ ÖSTERREICH/Kernmayer

Was dem früheren Verkehrsminister Hubert Gorbach im laufenden Untersuchungsausschuss vorgeworfen wird - nämlich der Erlass einer an sich rechtskonformen Verordnung gegen Bezahlung - wurde 2009 de facto straffrei gestellt. Darauf weisen der Strafrechtsexperte Helmut Fuchs und der Politikwissenschafter Hubert Sickinger hin. Fuchs spricht von einer "völlig unverständlichen Entkriminalisierung".

Zur Erinnerung: Gorbach wird vorgeworfen, 2006 eine für die Telekom günstige Universaldienstverordnung erlassen und dafür später Geld erhalten zu haben. Gorbach bestreitet die Vorwürfe, auch das BZÖ weist jeden Zusammenhang zwischen der Verordnung und den Telekomgeldern zurück. Für Gorbach gilt die Unschuldsvermutung.

Im Jahr 2006 hätte die Geschenkannahme im Zusammenhang mit einer an sich rechtskonformen Amtshandlung für einen Minister durchaus gefährlich werden können. Das Strafrecht bedrohte die "Geschenkannahme durch Beamte" nämlich (abhängig von der Höhe der Zuwendung) mit bis zu drei Jahren Haft.

"Anfüttern" erlaubt
Von der großen Koalition wurde diese Strafbestimmung wenig später allerdings (von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt) in einem wesentlichen Punkt entschärft - und zwar im Herbst 2009, gemeinsam mit der Entkriminalisierung des sogenannten "Anfütterns".

Für öffentliche "Amtsträger" (also etwa Beamte und Regierungsmitglieder) ist die Geschenkannahme im Zusammenhang mit einer an sich rechtskonformen ("pflichtgemäßen") Amtshandlung seither nur noch dann strafbar, wenn auch das Dienstrecht eine Vorteilsannahme untersagt. Dies kann zwar für Beamte zutreffen, nicht jedoch für Politiker - denn ein Dienstrecht für Politiker existiert schlicht nicht.

"Das ist eine dieser völlig unverständlichen Entkriminalisierungen", kritisiert Fuchs. Auf Regierungsmitglieder könne diese Strafbestimmung mangels Dienstrecht nämlich nicht mehr angewandt werden.

Ähnlich der Politikwissenschaftler Hubert Sickinger, der die Gesetzesänderung 2009 seit Jahren scharf kritisiert: "Da fragt man sich wirklich: Was hat den Gesetzgeber da geritten? War das Absicht, oder haben sie nur nicht bedacht, wie weit sie die Entkriminalisierung da treiben?" Sickinger erinnert auch daran, dass die Entschärfungen des Jahres 2009 auch im Justizministerium selbst nicht unumstritten waren. So kritisierte der frühere Sektionschef Wolfgang Bogensberger die Novelle als "Korruptionsstrafrechtsaufweichungsgesetz".


Posten Sie Ihre Meinung Neu anmelden Login |
24 Postings
constantin1000 meint am 25.02.2012 13:28:56 ANTWORTEN >
Wie schon einmal - in einem anderen Zusammenhang - habe ich erwähnt, dass die Politiker die Verfassung verletzen/ anbohren, wann immer es ihnen recht und vorteilhaft ist, aber das Aufheben von Verjährungsfristen bzgl. Kinderschänder und Ahnlichem ist ihnen angebl. nicht möglich !? Da ist "my country to small" - leider ! Wann werden diese "Herren" endlich zur Verantwortung gezogen.
omen meint am 24.02.2012 13:59:47 ANTWORTEN >
das anfütter gesetz wird geändert . wenn sie erwischt werden geben sie alles zurück und sind straffrei .gilt das auch für alle anderen verbrecher ?
SilentPain meint am 24.02.2012 09:11:28 ANTWORTEN >
2009 hat man den Ministerkauf straffrei gestellt! Toll, im Jahre 2006 gabs noch eine Strafandrohung bis zu 3 Jahre Haft. Rot/Schwarz - die Sozialen und Ehrlichen haben der Korruption Tür und Tor geöffnet! DANKE!
Wer regt sich da noch über Schwarz/Blau auf? Faymann und Berlusconi können sich die Hand reichen!

Bei den derzeitigen Akteuren kann mit einer anderen/neuen Regierung absolut nichts schlimmer werden! Im Gegenteil, es KANN nur besser werden!
Frosch meint am 24.02.2012 08:56:02 ANTWORTEN >
Man könnte ja herzlich lachen, wäre diese Sache nicht so unendlich traurig.
Hinzu kommt, dass im Strafrecht das "Günstigkeitsgebot" anzuwenden ist, also für den Beschuldigten die aktuell günstigere Gesetzeslage anzuwenden ist.
Es sieht fast so aus, dass hier quasi rückwirkend eine Amnestie für diese ganzen Korruptionsgeschichten eingeführt worden ist.
Zuständig für diese "Korruptionsanleitung" war Claudia Bandion-Ortner, die den Bawag-Prozess führte, dann Justizministerin von ÖVP-Gnaden war und jetzt ihre Intellektualität in einer Einrichtung zur Bekämpfung der Korruption verbreiten darf.
So wie`s aussieht, geht jetzt Hubert Gorbach, für den selbstverständlich die Unschuldsvermutung gilt, sollte man einen Zusammenhang mit der Geldzuwendung durch die Telekom und dieser Universaldienstverordnung herstellen können, straffrei aus.
Dieses Gesetz, an dem sogar Berlusconi seine helle Freude gehabt hätte, wurde am 8.7.2009, in der 30. Sitzung des Nationalrates beschlossen.
Quo vadis Österreich?
Tunichtgut meint am 24.02.2012 00:39:18 ANTWORTEN >
doch nicht -Tschitti Tschitti Bäng Bäng-die Fresse geht eher zu "der Untergang"-
Tutnixgut meint am 24.02.2012 09:10:20
@keinen Spiegel

Verzeih meinem Bruder Tunichgut, der hat grad seine Tage.
Die hat er immer, wenn ihm Denkende in die Quere kommen.
Keinen Spiegel meint am 24.02.2012 08:32:32
zu Hause? Oder ein Geburtsfehler?
Tunichtgut meint am 23.02.2012 23:49:28 ANTWORTEN >
gorbachisches Foto oben-----------geil!
Irgendwie erinnert er an die Trottelgauner aus Tschitti Tschitti Bäng Bäng
omen meint am 23.02.2012 19:24:41 ANTWORTEN >
diese polli..atten richten sichs so wie sie es brauchen . gesetzesänderungen zu ihren gunsten -kein problem .sie verdienen ja zu wenig ,darum haben sie sich selbst das anfüttern erlaubt . verdienste aus unzähligen nebenjobs ,aufsichtsräte usw. nehmen sie auch noch .
Tschastis meint am 23.02.2012 16:56:04 ANTWORTEN >
Korruptes Saupack elendiges.
ugottschalk meint am 23.02.2012 16:17:45 ANTWORTEN >
Dieses Gesetz ist eh völlig für die Katz, da Spitzenpolitiker hier genau wie in Germany rechtliche Immunität haben. Diese kann aber nur vom Senat oder Parlament aufgehoben werden. Dazu ist ein Antrag des zuständigen Staatsanwaltes nötig. Also kann ein Richter gegen diese Herren eh nichts unternehmen, wenn er nicht grünes Licht von Oben bekommt.
Ergo----es passiert also sowieso nichts. Gesetze werden gemacht, gefragt wird keiner geschützt werden nur die, die diese Gesetze machen und eingefordert werden sie von denen, die eh nichts zu sagen haben...bestes Beispiel ist K.H.G. fährt laut Pressebericht mit 800.000 Euro zwischen CH und A spazieren und kommt dann vor einen UNTERSUCHUNGSAUSSCHUSS !!! Jeder normale Bürger hätte sich die nächsten 3-8 Jahre die Miete und Heizkosten gespart.....es kann nur besser werden...
christian1965 meint am 23.02.2012 14:18:47 ANTWORTEN >
seien wir doch einmal ehrlich uns gegenüber - wer würde sich schon einen der österreichischen minister kaufen nicht mal im sonderangebot zum preis von zweien den dritten gratis. wenn die quali mist ist, hilft nichts. dafür aber gibts doch schöne orden für sie - wenn sie schon sonst keiner mag, ein wenig eigenlob hilft da ganz schön.
Otsoma meint am 23.02.2012 12:57:25 ANTWORTEN >
was kann man Rot/Schwarz sonst erwarten als solche Gesetzgebungen aber solange ein Großteil der Wähler wie ferngesteuerte Zombies in die Wahlzelle wanken wird sich nichts ändern. Wie weit bei der SPÖ das Demokratieverständnis geht haben wir ja schon erlebt. Da wurden in ganz Europa die Genossen mobilisiert, unser Land vernadert. Klestil, Gott hab ihn selig rief seinen Freund Chirac an um sich aus zu weinen. Heute wissen wir Ex-Präsident Jacques Chirac, dieser Verfechter für Recht und Ordnung ist in Paris zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden. Was soll es Pack bleibt Pack
sakul meint am 23.02.2012 12:46:19 ANTWORTEN >
Und die SPÖ schreit da nicht auf !!! - der Cap schwafelt dauernd irgendwelche Stehsätze daher und lässt sich von den Schwarzen missbrauchen.
Wann werden sie begreifen.....
WegmitderEU meint am 23.02.2012 11:49:45 ANTWORTEN >
Dass Verbrecher sich ihre eigenen Gesetze machen gibt es nur in Österreich, dem korruptesten Land dieses Planeten. In jedem anderen Land wäre die Antwort der Bevölkerung: "Legt an - gebt Feuer"! Und genau das wäre auch die einzig richtige Antwort für diese dreckigen Parasiten!
Mag. Robert Cvrkal meint am 23.02.2012 11:09:46 ANTWORTEN >
Solange jene Bestimmungen erlassen, die sie selbst betreffen darf man sich nicht wundern, wenn diese zahnlos sind. Das schlechte Antikorruptionsranking ist berechtigt, weil in Österreich die Machthaber die repräsentative Demokratie dafür missbrauchen Gesetze zu ihrem Wohle anstatt im Interesse des Gesamtstaates zu erlassen.

Letzten Endes stellt die fehlende Korrekturmöglichkeit des Souveräns des Volkes innerhalb einer Legislaturperiode einen Freibrief für die Regierung dar Änderungen im Interesse der Regierungsparteien vorzunehmen, welche jenen der Gesamtbevölkerung diametral entgegenlaufen können. Dies ist z. B. bei der Verwässerung der Anti-Korruptionsbestimmungen 2009 passiert.

Entsprechend Medienmeldungen sind alle Parteien im Korruptionssumpf verstrickt und dies ist ein Beweis dafür wie dringend wir mehr Transparenz und gläserne Parteikassen brauchen und es Bereiche gibt, die einem Volksentscheid vorbehalten werden sollten (z. B. Verlängerung der Legislaturperiode) und auch nur durch einen solchen geändert werden sollten.

Mag. Robert Cvrkal - Aktion 21 pro Bürgerbeteiligung
Natürlich meint am 23.02.2012 11:02:25 ANTWORTEN >
"von der Bevölkerung weitgehend unbemerkt", das machen die Herrschaften schon unter sich aus, das dumme Volk braucht es ja nicht zu wissen. Und der Grund dafür liegt auf der Hand, damit sie ALLE ungestraft nehmen können.
Memphisto meint am 23.02.2012 10:20:54 ANTWORTEN >
Ich rede doch die ganze Zeit darüber: gegen solch eine Gier hilft nur noch die Guillotine.
Miguel Rodriges meint am 23.02.2012 09:30:13 ANTWORTEN >
Skandalös: Still und leise wurde 2009 Gesetz geändert.

Und jetzt liebe Leserinnen und Leser müssen Sie sich die Frage stellen:

Wie viele Gesetze sind zum Vorteil der Politiker verändert worden. Und wie viele Gesetze zu Gunsten der EU? Obwohl mit der österreichischen Verfassung nicht vereinbar.

Bzw. warum es keine Volksabstimmungen gibt.
Xury1941 meint am 23.02.2012 08:56:53 ANTWORTEN >
Jetzt wird es Zeit für einen Volksaufstand - denn dass was sich unsere Politiker leisten ist,
auch wenn sie sich die Gesetze zurechtgezimmert haben, gegen die guten Sitten und auch das wäre strafbar.
Am besten wäre, das ganze Pack nach Simbabwe auszufliegen und die Konten sperren,
denn die vernünftigste Strafe darf man ja nicht ausführen.
1.österr.Politikerfan meint am 23.02.2012 08:14:36 ANTWORTEN >
... und wieder mal ein Indiz dafür wie korrupt unsere Politiker sind.

Um Nichts besser als ein Berlusconi, der auch nur ein wackeliges Korruptions-Kartenhaus errichtet hat und parallel dazu die Gesetze so hingedreht hat dass er weitestgehen straffrei bleiben würde sobald dieses Kartenhaus zusammenbricht!

Unsere Politiker sind allesamt eine SCHANDE für unser schönes Land!

Politiker sollten nach Leistung bezahlt werden welche sie erbracht haben, über Politikerpensionen sollten Volksabstimmungen durchgeführt werden. Politiker sollten DIREKT durch Volksabstimmungen im Amt bestätigt oder auch abgewählt werden können. Und vorallem sollten undere Versagerparteien allesamt abgeschafft und neue "junge Parteien" gebildet weden!!!
zum kotzen meint am 23.02.2012 08:08:20 ANTWORTEN >
wir sind griechenland in der türkei
Das heißt im Klartext meint am 23.02.2012 07:57:16 ANTWORTEN >
in Österreich kann sich jeder Politiker bestechen lassen und nicht passiert ihm. Er kann das Volk auf gut Deutsch bescheißen in dem er sich Kaufen lässt und Lacht sich ins Fäustchen. Naja da sieht man´s wieder die Politiker richten sich´s wie sie´s brauchen und der kleine Mann ist wieder der Arsch denn der bekommt seine Strafen weg und wenn es wegen eines Zuckerl´s ist das er im Supermarkt isst ohne zu bezahlen. Schön langsam muss man sich schämen in so einem Land zu Leben.
Diese ganzen Vögel einsammeln, Vermögen einziehen und mit 100.-- € ab in den nächsten Flieger und auf nimmerwiedersehn ohne Möglichkeit auf ihr Vermögen zugreifen zu können.
helmut65 meint am 23.02.2012 07:52:40 ANTWORTEN >
Wer das Kreuz hat, segnet sich! Oder ein Beweis dafür, dass die Politiker machen können, was sie wollen. Das Gesetz ist ja fast als Vorbereitung von dann nicht mehr strafbaren Handlungen anzusehen. Aber solange das Volk eine hilflose, dumme Masse ist, geht das alles hinein.
Seiten: 1
Facebook Kommentare
Top Gelesen Politik
WETTER.AT aktuell mehr Wetter >
Newsticker Alle News >
Webtipps
NEWS AUS MEINEM BUNDESLAND
  • W
  • N
  • B
  • O
  • S
  • St
  • K
  • T
  • V