Jagd auf Mubaraks Milliarden

Ägypten ausgeraubt

© AP Photo/Amr Nabil, EPA/HANNIBAL HANSCHKE

Jagd auf Mubaraks Milliarden

Dunkler Anzug, weißes Hemd, schwarze Krawatte, starrer Blick: So zeigt sich Hosni Mubarak im Kasr Al-Ittihadiya, dem Präsidentenpalast im Kairoer Stadtteil Heliopolis. Früher war der Palast ein luxuriöses Wüstenhotel im französisch-orientalischen Stil. Jetzt patrouillieren Wachen mit Schäferhunden, Panzerwagen an jeder Ecke, Soldaten. Bis zum Flughafen sind es nur Minuten. Eine Flugambulanz steht bereit.

Mubarak ist allein in seinen 55 Meter hohen Räumen. Der Sitz seiner Partei nahe dem Tahrir-Platz: abgebrannt. Seine Nationaldemokratische Partei: ein Trümmerhaufen. Seine Familie: weg. Sitzt in London. Zwischen 40 Milliarden (ägyptische Medien) und 70 Milliarden Dollar (Guardian) schwer soll der Klan sein. Damit wäre Mubarak der reichste Mann der Welt, wie CNN behauptet, was aber unwahrscheinlich ist. Verwaltet wird das Vermögen, nach dem nun gejagt wird, von den Söhnen des Diktators.

  • Gamal Mubarak (47): Gelernter Investmentbanker, wollte Nachfolger seines Vaters werden, war Generalsekretär der Mubarak-Partei. Er, seine Frau und seine beiden Kinder haben sich in ihrem Luxusappartement in London verschanzt. Sein Vermögen wird auf 17 Milliarden Dollar geschätzt.
  • Ala-ed-Din (49): Immobilienmakler, in der Öffentlichkeit praktisch unbekannt. Besitzt Luxusappartements in New York, Washington, Los Angeles. Hat, wie sein Bruder Gamal, einen ägyptischen und einen britischen Pass. Vermögen: acht Milliarden.
  • Suzanne Mubarak: Ehefrau, um 13 Jahre jünger als Hosni Mubarak. Tochter einer Britin und eines nach Wales ausgewanderten ägyptischen Arztes. Hang zu Goldschmuck. Rund vier Milliarden Dollar schwer. Ihr Spitzname: "Marie Antoinette". Angehäuft wurde das Vermögen durch Provisionen bei Rüstungsgeschäften, Entwicklung des Tourismus. Auch sollen Teile der US-Militärhilfe (60 Milliarden Dollar) abgezweigt worden sein.
  • Spur nach Wien: Eine Spur des verschobenen ägyptischen Staatsvermögens gibt es auch nach Wien: Habib El-Adly, verhasster und inzwischen abgesetzter Ex-Innenminister, soll Geld nach Österreich verschoben haben. Gegen El-Adly – einer seiner Söhne hat in Wien gelebt und studiert – wurde inzwischen ein Ausreiseverbot ausgesprochen. Er darf das Land ebenso wenig verlassen wie der Ex-Tourismusminister und Ex-Handelsminister

Demos und neue Gespräche
Die Zehntausenden Demonstranten halten trotz erster Verhandlungen mit dem Regime an einem sofortigen Rücktritt Mubaraks fest. Sie wollen erst aus dem Zen¬trum der Stadt abziehen, wenn fixe Zusagen vorliegen. Die Armee hat in den vergangenen Tagen mehrmals versucht, den Platz zu räumen oder zumindest Teile freizubekommen. Der Tahrir-Platz gilt als wichtiger Verkehrsknotenpunkt an der Qasr-al-Nil-Brücke.

Die Versuche des Militärs scheiterten. Demonstranten legten sich vor die Panzer, um einen Abzug zu verhindern.

Verstärkt soll nun auch an einem Verhandlungsmodell zwischen Demonstranten und Regierung gearbeitet werden. Einer der wichtigsten Oppositionsführer, Aiman Nur, hatte die ersten Gespräche im ÖSTERREICH-Interview als "völlig sinnlos" bezeichnet.

Zuerst müssten jene 10.000 Regimegegner freigelassen werden, die seit Ausbruch der Zusammenstöße von der Geheimpolizei eingesperrt worden sind: "Wir können nicht mit unseren Schlächtern verhandeln."


 

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