Die Show des Muammar al-Gaddafi

Euro-Afrika Gipfel

© EPA

Die Show des Muammar al-Gaddafi

Gaddafi soweit das Auge reicht. Schon am Flughafen von Tripolis prangt Muammar al-Gaddafi auf dem ersten Plakat, noch im Straßenanzug. In der Innenstadt grüßt Libyens "Revolutionsführer" dann mit Umhang von den Häuserwänden oder auch in Uniform - gemäß seinem Ego übergroß dargestellt.

Wer den Ton am dritten euro-afrikanischen Gipfeltreffen angeben will, steht außer Frage. Der Gastgeber ist einfach überall, für die 80 Gäste bleibt da kein Platz mehr auf den Plakaten. Einzig Silvio Berlusconi, der Freund aus Italien, wird gezeigt.

Gaddafi ignoriert Sitzordnung
Im neu erbauten Tagungszentrum setzt sich das Bild fort. Im Beratungssaal, wo mit 27 Staaten aus Europa und 54 Ländern aus Afrika fast die halbe Welt versammelt ist, beherrscht Gaddafi - diesmal in echt - ebenfalls das Rund. Nicht nur, weil ihm als einzigem die alphabetische Sitzordnung egal sein darf. Der jetzt schon 41 Jahre amtierende Staatschef legt auch einen erinnerungswürdigen Auftritt hin.

Gaddafi droht: Fünf Milliarden oder Europa wird "schwarz"
Gaddafi belässt es nicht dabei, von der EU sofort fünf Milliarden Euro pro Jahr zu verlangen, um Flüchtlingsströme über das Mittelmeer zu verhindern. Ansonsten, so droht er, werde der "weiße, christliche Kontinent" eben "schwarz". In seiner einstündigen Rede überzieht er die Gäste auch mit Schimpftiraden. Trotzdem geht niemand protestierend aus dem Saal. Die Europäer lassen Gaddafi über sich ergehen. Keiner antwortet. Man lässt ihn ins Leere reden.

Gaddafi nutzt Gipfel als Bühne
Auf diese Taktik hatten sich die Europäer schon im Vorfeld verständigt. Schließlich war klar, dass Gaddafi die Mega-Konferenz im eigenen Land zum ganz großen Auftritt nutzen wollte. Vielen in der EU ist die neue Partnerschaft zu dem Diktator, der jahrzehntelang geschnitten wurde, noch unangenehm. Aber man ist auf ihn angewiesen.

Europa auf Gaddafi angewiesen
Erst im Oktober unterzeichnete die EU mit Gaddafi eine Vereinbarung über "Migrationskooperation". 50 Millionen Euro für Maßnahmen in Libyen - unter anderem strengere Grenzkontrolle oder bessere Versorgung der vielen illegalen Flüchtlinge. Geschätzt wird, dass jedes Jahr bis zu zwei Millionen Afrikaner versuchen, über Libyen nach Europa zu kommen. Über ein Land, das weder Asylverfahren kennt noch die Genfer Flüchtlingskonvention unterschrieben hat noch das UN-Flüchtlingskommissariat ungehindert arbeiten lässt.

Berlusconi und Gaddafi verstehen sich
Das Unbehagen der Europäer drückt sich auch dadurch aus, dass in Tripolis längst nicht alle eingeladenen Staats- oder Regierungschefs dabei sind. Berlusconi zwar, der größte Gaddafi-Fürsprecher innerhalb der EU, oder auch Spaniens Regierungschef José Luis Zapatero. Aber die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zum Beispiel lässt sich von ihrem Vize Guido Westerwelle (FDP) vertreten.

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