Hoffnungsschimmer

Hoffnungsschimmer

Feuer in Russland teilweise eingedämmt

Die russische Feuerwehr hat die Brände im Westen des Landes teilweise eingedämmt. Die Brandfläche in der Umgebung von Moskau sei in den vergangenen 24 Stunden um mehr als ein Viertel reduziert worden, teilte das Ministerium für Katastrophenschutz am Donnerstag mit. Auch in anderen Teilen Russlands sei das Ausmaß der Brände erheblich verkleinert worden. Allerdings wüteten noch immer 562 Feuer im Land, über 80.000 Hektar standen in Flammen.

Staatschef Dmitri Medwedew hob den Notstand in drei von sieben betroffenen Regionen auf. Die Ausbreitung der Brände in der Nähe der Atomforschungsanlage Sarow sowie auf atomar verseuchten Gebieten hielten aber weiter tausende Einsatzkräfte in Atem.

Atomanlagen gefährdet
Die Katastrophenschutzbehörden räumten am Donnerstag ein, dass sich die Lage in der Nähe von Sarow, etwa 500 Kilometer östlich von Moskau, verschlimmert habe. Zum Schutz der Forschungsanlage wurde ein Löschzug mit großen Mengen Wasser in das Brandgebiet in der Region Nischni Nowgorod geschickt. Atomares und explosives Material wurde bereits fortgebracht. Auch in der Nähe von zwei Atomanlagen in der Ural-Region sind Brände ausgebrochen.

Sorgen bereiteten auch Brände in durch den Atomunfall von Tschernobyl verseuchten Gebieten. Russlands Nachbarland Ukraine meldete nur 60 Kilometer südlich der stillgelegten Atomanlage ein Torffeuer. Es sei bereits am Montag in der Ortschaft Sosniwka ausgebrochen, sagte eine Sprecherin des Katastrophenschutzministeriums in Kiew. Es werde aber voraussichtlich noch am Donnerstag oder Freitag gelöscht sein und stelle "keine Gefahr" für die Bevölkerung dar.

3.900 Hektar Land radioaktiv verseucht
Am Mittwoch hatten die russischen Behörden erstmals eingeräumt, dass seit Juli in ganz Russland rund 3.900 Hektar als radioaktiv verseucht eingestuftes Land gebrannt habe. Besonders betroffen war die von Tschernobyl vor 24 Jahren verseuchte Region Brjansk.

Die russischen Behörden erklärten am Donnerstag, dass die Strahlung in den durch Tschernobyl verseuchten russischen Gebieten auf "normalen Niveau" sei. Der frühere Umweltberater der russischen Regierung, Alexej Jablokow, sagte hingegen der Nachrichtenagentur Interfax, dass radioaktive Partikel sich durch die Brände über Hunderte Kilometer ausbreiten und damit auch den Nordwesten Russlands, Moskau oder Osteuropa kontaminieren könnten.

Zuvor hatten bereits westliche Umweltexperten davor gewarnt, radioaktive Partikel im Waldboden in der Gegend um Tschernobyl könnten durch Brände in die Luft gewirbelt werden. Wind könnte den giftigen Staub dann in andere Gebiete tragen.

Eine Gefahr für Westeuropa besteht nach Einschätzung der Umweltorganisation Greenpeace nicht: Die radioaktiven Partikel würden durch Hitze nur einige hundert Meter in die Atmosphäre gebracht, erklärte der Atomexperte Christoph von Lieven in einem Interview für MDR Info. Von bodennahen Winden würden sie weitergetragen und dann wieder absinken.

"Derzeit keinerlei Gefahr durch von Waldbränden freigesetzte Radionuklide für Österreich und seine Nachbarländer" sieht auch die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG). Selbst Brände in der Zone, die durch den Reaktorunfall von Tschernobyl stark mit Cäsium-137 kontaminiert sind, würden maximal ein lokales Problem da

Hitzewelle
Die beispiellose Hitzewelle, unter der Russland zu leiden hat, werde nächste Woche zu Ende gehen, sagte Roman Wilfand vom russischen Wetterdienst. Wegen der Hitze und des Smogs hat sich die Zahl der Sterbefälle in Moskau auf täglich etwa 700 verdoppelt. Die Behörden sprachen von überfüllten Leichenhallen. Um die Torfmoor-Feuer rund um die Hauptstadt einzudämmen, sollen die weitgehend trockengelegten Moore wieder unter Wasser gesetzt werden.

Insgesamt schien sich die Lage in den Brandgebieten zu beruhigen. Medwedew hob laut russischen Nachrichtenagenturen den Notstand in den Verwaltungsbezirken Wladimir, Woronesch und Mari El auf. Die Fläche der Brände ging nach offiziellen Angaben um etwa 10.000 Hektar auf 81.000 Hektar zurück. Moskau litt am zweiten Tag in Folge nicht mehr unter Smog.

Die Brände werden jedoch langfristige Folgen haben. Medwedew sagte, durch Hitze und Feuer sei rund ein Viertel der russischen Getreideernte verloren. Außerdem sehen sich Medwedew und Regierungschef Wladimir Putin Kritik an ihrem Krisenmanagement ausgesetzt. Putin war als Staatschef bereits durch seinen Umgang mit dem Untergang des russischen Atom-U-Boots "Kursk" in die Kritik geraten, der sich am Donnerstag zum zehnten Mal jährte.

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