Killer-Spur führt nach Österreich Killer-Spur führt nach Österreich

Hamas-Führer getötet

© Reuters

 

Killer-Spur führt nach Österreich

Anfang dieser Woche platzte im Innenministerium eine Bombe: Wie eine Kontaktstelle aus den Vereinigten Arabischen Emiraten den Behörden am Montag mitteilte, sollen die Spuren des spektakulären Giftmords am palästinensischen Terrorführers Mahmud al-Ma­bhuh am 19. Jänner in Dubai (siehe auch Story rechts) auch nach Österreich führen.

Die Killer, die den Hamas-Führer in einem Luxushotel brutal ermordeten (siehe rechts), sollen mit mindestens sieben Wertkartentelefonen des österreichischen Anbieters T-Mobile miteinander kommuniziert haben, berichtet auch das Nachrichtenmagazin profil in seiner Online-Ausgabe.

Kommandozentrale der Killer sogar in Österreich?
Rudolf Gollia vom Innenministerium bestätigt: „Es stimmt, seit Anfang der Woche laufen die Ermittlungen in dieser Causa.“

Möglicherweise spielt Österreich bei diesem Attentat sogar eine entscheidende Rolle: Wie internationale Medien von The Guardian über die Süddeutsche Zeitung bis zu Daily Mail berichten, haben Behörden der Arabischen Emirate Österreich als mögliche Kommandozentrale identifiziert. Daily Mail schreibt: „Die Attentäter hatten nicht direkt miteinander Kontakt, sondern haben jeweils eine Kommandozentrale in Österreich angerufen.“ Dazu Gollia: „Es gibt dazu keine näheren Erkenntnisse. Ich kann das weder bestätigen noch dementieren.“

Ermittlungen laufen nun im ganzen Bundesgebiet
Bei den Ermittlungen der Terrorfahnder, die in ganz Österreich laufen, gehe es um die zentrale Frage, ob und wenn ja welche österreichischen Rufnummern von wem verwendet worden sind.

Fest steht: Der Erwerb von Werkartenhandys österreichischer Anbieter, die auch im Ausland funktionieren, ist anonym möglich (siehe Story Seite 7). Nur durch die enge Zusammenarbeit mit Unternehmen und Regulatoren der Kommunikationsbranche können die Kriminalisten an die Erkenntnisse gelangen. Die Stellungnahme von T-Mobile ist karg: „Wir klären gerade mit der Rechtsabteilung ab, ob die Polizei überhaupt eine Anfrage bei uns getätigt hat“, heißt es von T-Mobile zu ÖSTERREICH.

Killer fälschten ihre Pässe, Hamas beschuldigt Mossad
Fest steht: Das Attentat war akribisch und lange ­geplant. Die elf mutmaßlichen Täter, nach denen jetzt die Behörden mit Namen und Foto fahnden, verwendeten gefälschte Pässe. Sie haben Identitäten israelischer Staatsbürger angenommen, die einen zweiten Pass besitzen (britisch, irisch, französisch und deutsch). Kurz vor dem Attentat sind sie aus verschiedenen europäischen Ländern nach Dubai gereist.

Die Hamas beschuldigten Israel und den Geheimdienst Mossad, hinter dem Terrorakt zu stecken. Dubais Polizeichef sagte am Montag, er könne eine Beteiligung Mossads nicht ausschließen.

Das Protokoll des Attentats

Der Hamas-Führer wurde ausspioniert, verfolgt und eiskalt in seinem Hotelzimmer niedergestreckt.

Dubai. Am 19. Jänner um 20.30 Uhr ist Hamas-Führer Mahmud-al-Mabhuh zum letzten Mal zu sehen: Er schlendert aus dem Aufzug im Rotana-Hotel in Dubai. Er trägt Jackett, kariertes Hemd und verschwindet in seinem Zimmer.

Mord im Zimmer. Was er nicht weiß: Profikiller sind ihm zu diesem Zeitpunkt dicht auf den Fersen. Im Zimmer wird er mit einem Elektroschocker niedergestreckt und mit einem Kissen erstickt. Die Attentäter (der israelische Geheimdienst?) haben das Opfer schon lange ausspioniert. Weil er nicht ans Telefon geht, brechen Hotelangestellte das Zimmer auf.

Die Attentäter sind am Flughafen, im Hotel und im Aufzug gefilmt worden. Die Behörden rühmen sich, schnell aufgeklärt zu haben – von den Tätern fehlt aber jede Spur. Nur 19 Stunden nach der Ankunft verließen sie das Land.

Österreich-Telefone für globalen Terror

Österreich ist ein Paradies für anonymes Telefonieren. Das nutzen auch Kriminelle.

Wien. Internationale Terroristen scheinen österreichische Mobiltelefone besonders zu schätzen:

  • Bei den Terroranschlägen von Mumbai im Dezember 2008 sind bei den Attentätern fünf heimische Handys gefunden worden.
  • Und auch im aktuellen Hamas-Fall (s. links) sind sieben österreichische Mobilfunknummern (von T-Mobile) aufgetaucht.

Grund dafür: In Österreich gibt es nach wie vor eine völlige Anonymität von Wertkartenhandys. In Deutschland und Italien müssen Kunden auch bei Wertkarten-Telefonen ihren Ausweis vorlegen. Erst vor wenigen Jahren hat die Schweiz (wo es nach wie vor anonyme Konten gibt) die anonymen Handys abgeschafft und eine nachträgliche Registrierung vorgeschrieben. Seit November 2009 ist Spanien hier nachgezogen. Ebenfalls möglich: Mittels sogenanntem Camel Roaming kann mit Wertkarten auch im Ausland unregistriert telefoniert werden.

Änderungen?
Susanna Enk, Sprecherin von Infrastrukturministerin Doris Bures, sagt zu ÖSTERREICH: „Bisher sind die ­Sicherheitsbehörden mit rechtlichen Änderungswünschen noch nicht an uns herangetreten.“

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