Thomas Muster:

Aus Australien

© EPA/GEPA

Thomas Muster: "So erlebe ich die Flut"

Jammern gilt nicht: "Es ist schlimm, was hier passiert ist“, sagt Ex-Tennis-Star Thomas Muster zu ÖSTERREICH, "doch die Australier können zupacken, halten in der Krise zusammen“ (siehe Interview). Wie hoch die Schäden nach der Jahrhundert-Flut im Bundesstaat Queensland (so groß wie Deutschland und Frankreich) wirklich sind, kann keiner beziffern: "Auf uns kommen aber Arbeiten zu wie nach einem Krieg“, stellt die Regierungschefin von Queensland, Anna Bligh. die Betroffenen auf harte Zeiten ein. Allein in Brisbane, der Hauptstadt (zwei Mio. Einwohner) ist die Lage verheerend: "Große Teile der Stadt stehen unter Wasser, das Zentrum steht still, es gibt keinen Strom, eine Milliarden-Katastrophe, aber wir werden es schaffen“, sagt Wolfgang Kasper, (47), Austro-Karrierist in Brisbane.

Echter Wiener
Kasper stammt aus Wien-Ottakring, wanderte vor 20 Jahren an die Ostküste aus. Heute betreibt er das "k.u.k.“-Café in unmittelbarer Nähe zum Brisbane-River: "Alles in meiner Nachbarschaft ist meterhoch überschwemmt, selbst die Brotfabrik eines Freundes steht bis zum Dach unter Wasser“, sagt er. Er hatte Glück: "Vor meinem Lokal stoppte die gigantische Schlammbrühe. Ein echter Wiener geht halt nicht unter.“ Andere waren weniger glücklich: 30.000 Geschäfte sind in Brisbane vernichtet, die gesamte Infrastruktur brach zusammen, die Wirtschaft steht still: "Trotz billigster Kredite“, sagt Kasper, "wird es Monate dauern, bis die Folgen der Katastrophe überwunden sein werden.“ Zusatz: "Wir werden das schaffen.“

Muster: "Alles hier steht unter Wasser"

Nach Weihnachten übersiedelte Muster wieder nach Queensland, seine Zweitheimat – um Zeit mit seinem Sohn Christian (9) zu verbringen. Auch wollte er sich im aus­tralischen Sommer auf die Tennis-Saison vorbereiten. Mit Ehefrau Caroline und der 15 Monate alten Tochter Maxim bewohnt er ein Haus in Noosa Heads nördlich von Brisbane. Mitten im Katastrophengebiet. Dort erreichte ÖSTERREICH den Tennis-Star.

ÖSTERREICH: Thomas, geht es Ihnen gut?

Thomas Muster: Ja, wir haben bloß ein Riesenpro­blem mit den Telefonleitungen. Sonst ist bei uns alles intakt. In Brisbane sind alle Telefonnetze zusammengebrochen. Aber das ist ja kein Wunder.

ÖSTERREICH: Ist Ihre Wohngegend von den Unwettern betroffen?

Muster: Nein, abgesehen davon, dass mein Haus auf einem Hügel steht, hat Noosa sowieso kein Pro­blem. Aber alles rundherum ist überschwemmt, und ganz schlimm hat es Brisbane erwischt. Die Stadt ist überflutet, die Schlammmassen haben Bäume, Häuser und Autos weggerissen. Staudämme sind geborsten, und dort, wo sie noch halten, hat man alle Hände voll zu tun, Wasser abzupumpen.

ÖSTERREICH: Wie erleben Sie die Katastrophe?

Muster: Im Fernsehen sehe ich natürlich, was los ist, das ist ein Wahnsinn. 50, 60 Kilometer entfernt geht es los – alle Flüsse sind aus den Ufern getreten, das ganze Flachland steht unter Wasser. Es hat halt irrsinnig lange geregnet, die letzten Wochen waren extrem, das war einfach zu viel. Es ist wie ein Tropenregen, bei dem es unglaubliche Wassermassen vom Himmel gehaut hat.

ÖSTERREICH: Haben Sie Freunde oder Bekannte, die direkt betroffen sind?

Muster: Natürlich kenne ich Leute, deren Häuser überflutet wurden. Ein paar Freunde mussten ihre Geschäfte vollständig ausräumen. Richtig viel Arbeit haben sie in Brisbane – es kann sich keiner vorstellen, was da alles herumgeschwommen ist. Das muss jetzt aufgeräumt werden. Die Schäden gehen in die Milliarden.

ÖSTERREICH: Sie kennen das Land aus über zehn Jahren Erfahrung – wie werden die Australier mit der Katastrophe fertig?

Muster:   Das Volk ist gewohnt, mit Naturkräften zu leben. Sie sind mit Dürreperioden zurechtgekommen, sie haben auch schon 1974 solche Überschwemmungen bewältigt, und sie sie werden auch das jetzt super managen. Die Aus­tralier sind in Notsituationen extrem kreativ, die helfen da toll zusammen. Weil sie einfach eine perfekt funktionierende Community und ein tolles Res­cue-Service haben.

ÖSTERREICH: Wie ist die Stimmung unter der Bevölkerung?

Muster: Klar ist das alles irrsinnig schlimm. Aber die Leute sind selbst jetzt positiv, die helfen alle zusammen. Ich glaube sogar, dass Australien aus dieser Sache gestärkt herausgehen wird. Jetzt wäre es natürlich wichtig, dass sich das Wetter nach diesem vielleicht regenreichsten Sommer überhaupt endlich stabilisiert.

ÖSTERREICH:Wie ist das Wetter derzeit in Noosa?

Muster:  Strahlender Sonnenschein bei 30 Grad – ich kann mich nicht beklagen. Und die nächsten beiden Wochen soll es so bleiben.


Autor: K. Wendl/Knut Okresek
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