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Wirbel um Kopftuch-Tag an Elite-Uni

"Hijab Day"

Wirbel um Kopftuch-Tag an Elite-Uni

Mit einem Aufruf, einen Tag lang ein muslimisches Kopftuch zu tragen, haben Studenten einer Pariser Elite-Hochschule für gehörigen Wirbel gesorgt. Studenten der Kaderschmiede Sciences Po erklärten den Mittwoch zum "Hijab Day" und riefen Kommilitoninnen auf, sich den Tag über ein Kopftuch umzulegen.

Politiker der regierenden Sozialisten und der konservativen Opposition reagierten empört auf die Aktion.

"Hijab Day"
Ziel sei es, in der Debatte zu "sensibilisieren" und das Kopftuch zu "entmystifizieren", erklärten die Organisatoren des "Hijab Day". Die Teilnehmer sollten am eigenen Leib erfahren was es bedeute, wegen eines Kopftuchs "stigmatisiert" zu werden.

"Wir wollen die Debatte öffnen und das Wort den Frauen mit Kopftuch zurückgeben, um die es häufig in der öffentlichen Debatte geht, ohne dass sie gehört werden", sagte eine der Organisatorinnen in der Eingangshalle der prestigeträchtigen Hochschule für politische Wissenschaften.

Muslimfeindliche Übergriffe
In Frankreich lebt Europas größte muslimische Gemeinde, nach den islamistischen Anschlägen des vergangenen Jahres ist die Zahl muslimfeindlicher Übergriffe angestiegen. Muslimische Bekleidung sorgt immer wieder für erregte Debatten über den Islam und die Rechte der Frauen - so auch am Mittwoch. Die sozialistische Frauenrechtsministerin Laurence Rossignol warf den Organisatoren des "Hijab Day" eine "Form der Provokation" vor.

Der konservative Abgeordnete und Präsidentschaftsbewerber Bruno Le Maire twitterte: "In Frankreich sind Frauen sichtbar. Nein zum Bekehrungseifer!" Der umstrittene Philosoph Bernard-Henri Levy twitterte gar: "Hijab Day in Sciences Po: Wann ein Tag der Scharia? der Steinigung? der Sklaverei?"

Im laizistischen Frankreich ist das Tragen deutlich sichtbarer religiöser Symbole wie etwa eines Kopftuchs an staatlichen Schulen verboten - nicht aber an den Universitäten. Premierminister Manuel Valls sagte zwar vergangene Woche, ein Kopftuch-Verbot an Hochschulen sei nötig; Staatschef Francois Hollande erteilte dem aber schnell eine Absage. Seit fünf Jahren gilt in Frankreich ein Verbot der Vollverschleierung in der Öffentlichkeit.
 

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