Obama-Angelobung 2.0

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Obama-Angelobung 2.0

Offiziell als Präsident zur zweiten Amtszeit vereidigt wurde Barack Obama bereits am Sonntag. Am Montag feierte er mit den Massen: Geschätzte 800.000 Menschen drängten sich vor dem wuchtigen Säulenbau des Kapitols an der Prachtallee „The Mall“. Das Menschenmeer reichte bis zur Nadel des "National Monument". Es war die größte Ansammlung bei einer zweiten Inauguration aller Zeiten, doppelt sie viele kamen als etwa zur zweiten Angelobung von Bill Clinton oder George W. Bush.

Der 44. Präsident – und der erste Afroamerikaner im Oval Office – legte um 11:50 Uhr Ortszeit (17:50 Uhr MEZ) die Hände auf gleich zwei Bibeln: Die „Reisebibel“ von Bürgerrechtslegende Martin Luther King, dessen Geburtstag Montag gefeiert wurde, sowie einer Bibel von Präsidentenlegende Abraham Lincoln. Höchstrichter John Roberts schwor Obama dann – diesmal symbolisch – nochmals ein. Bei der ersten Vereidigung im Blue Room des White House am Sonntag verwendete Obama die Familienbibel seiner Frau.

Zum „Doppelschwur“ kam es bei der Krönungsfeier, da der laut Verfassung vorgeschriebene Inaugurationstag des 20. Jänner heuer auf einen Sonntag fiel. Tradition ist in solchen Fällen die Verlegung der öffentlichen Feier auf den Montag – mit einem nochmaligen „Show-Schwur“. Die letzte „Doppel-Inauguration“ absolvierte Ronald Reagan am 20. und 21. Jänner 1985. Obama schaffte weitere Superlativen für die Präsidenten-Statistik: Er wurde nun gleich viermal angelobt, nachdem 2009 Richter Roberts wichtige Worte beim Schwur ausließ und die Prozedur am Folgetag im White House wiederholt werden musste. Auf ähnlich viele „Ich schwöre“ brachte es nur FDR, doch der absolvierte vier Amtszeiten...

Nach Obamas Rekord-Vereidigung intonierte die „Marine Band“ „Hail to the Chief“.
21 Salutschüsse hallen durch das festliche, wenn auch diesmal nicht ganz so frostige Washington. Die Temperaturen lagen knapp über dem Gefrierpunkt, während 2009 die 1,8 Millionen Fans bei arktischen Winden und - 8 º C froren.

An Obamas Seite stand Frist Lady Michelle Obama ebenfalls wieder im Rampenlicht: Sie trug einen eleganten Mantel und ein navy-blaues Seidenkleid des Kult-Designers Thom Browne. Gürtel und Schuhe stammten von J Crew, dazu eine Halskette entworfen von Cathy Waterman. Die Kids Sasha und Malia trugen J. Crew und Kate Spade.

Seit Tagen redet Amerika nur mehr über Michelles neue, trendy Kurzhaar-Frisur. Seit letzte Woche erste Fotos ihrer „Pony-Frisur“ auftauchten, gibt es zwischen Washington, LA und New York kaum ein größeres Thema: Gute Noten gab es von Stilexperten, sogar die strenge Zeitgeist-Postille Vanity Fair lobte den mutigen Makeover. Die „First Bangs“ würden ihr gar besser stehen als Starsängerin Taylor Swift, hieß es. Modeexperten erwarten nun gar einen Stiltrend: Stirnfransen wären in den Salons nun am Vormarsch, hieß es.

In seiner Antrittsrede setzte Obama auf versöhnliche Themen, rief zur Einheit und politischer Zusammenarbeit auf: "Die Zeit drängt zu sehr, um sie mit Geschimpfe und Kleinkriegen zu vergeuden", rief Obama. Er appellierte, dass Amerika seine Herausforderungen "gemeinsam meistern" müsse. Der Schuldenberg dürfe nicht auf Kosten der Armen abgebaut werden, die USA müsse sich dem Klimawandel stellen, den Traum als Einwanderungsland erhalten. Obama, teils energisch, teils predigend, wiederholte, dass er vor allem Kinder vor Massakern wie in Newtown schützen wolle. Er verwies auch auf das Ende eines "Jahrzehntes des Krieges". Obama wollte mit der Ruckrede Amerika aufrütteln und Schwung für den Start seiner zweiten Amtszeit holen - bereits mit einem Auge auf seinen Platz in den Geschichtsbüchern.    

Doch ähnliche Appelle gab es auch vor vier Jahren, bei der Einigung Amerikas scheiterte der Präsident aber dramatisch. „Er ist realistischer, pragmatischer geworden“, sagte Top-Berater David Plouffe zu NBC-TV: „Er strebt eine bessere Zusammenarbeit mit dem Kongress an“. Obamas wichtigste Ziele für die zweite Amtszeit: Strengere Waffengesetze, die Einwanderungsreform, Schuldenreduktion.

Superstar Beyonce sang die Nationalhymne bevor sich Obama zum Lunch mit Kongressmitgliedern zurückzog. Sie stärken sich mit Hummer und Apfelstrudel. Nach der für den Nachmittag geplanten, pompösen Parade (8500 Teilnehmer und 200 Tiere in 58 Gruppen) und dem Marsch des ersten Paares zum White House stand Washington vor einer langen Ballnacht: Insgesamt war die Feierlaune mit nur zwei offiziellen Bällen - den Oberbefehlshaber- und Amtseinführungsball gedämpfter als 2009. Vor vier Jahren schwingen die Festgäste auf acht Bällen das Tanzbein. Doch das Staraufgebot blieb beachtlich: Superstars wie Katy Perry, Alicia Keys, Usher, Jennifer Hudson, Marc Anthony oder Stevie Wonder genossen die Ballnacht mit dem Präsidentenpaar.

Mehr von unserem US-Korrespondenten Herbert Bauernebel finden Sie hier auf AmerikaReport.com
 

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