Polens Ex-Präsident spricht betrunken in Kiew

Peinlicher Auftritt

Polens Ex-Präsident spricht betrunken in Kiew

Ein peinlicher Auftritt in Kiew vergangene Woche lässt Polens Ex-Präsident Aleksander Kwasniewski keine Ruhe und erinnert an den betrunkenen Auftritt von Frankreichs Präsident Sarkozy beim G-8-Gipfel Anfang August dieses Jahres. Kwasniewski hattte am Donnerstag sichtlich betrunken vor Studenten der Kiewer Schewtschenko-Universität gesprochen. "Ich schäme mich für ihn", sagte Wladyslaw Frasyniuk vom linksliberalen Bündnis LiD am Dienstag in einem Radiointerview. LiD hatte Kwasniewski am Sonntag vor der Parlamentswahl am 21. Oktober zu seinem Kandidaten für das Amt des Premier gekürt.

Wirre Sätze
Polnische TV-Sender zeigten am Wochenende Mitschnitte der Veranstaltung. Kwasniewskis Artikulationsschwierigkeiten und die sinnlose Aneinanderreihung von Phrasen sorgten in Kiew für Heiterkeit unter den Zuhörern. So erklärte der Ex-Präsident auf russisch: "Das Problem ist, dass die Zeit schneller vergeht als wir denken. Oder, jetzt sage ich es auf Französisch: Savoir-vivre."

Die Boulevardzeitungen übergossen Kwasniewski am Dienstag mit Hohn und Spott. "Olek, verkriech dich", titelt das Springer-Blatt "Fakt" in einem Appell an Kwasniewski und berichtet über die Gefahren des Alkoholismus. Der Ex-Präsident habe eine "Behandlung nötig" zitiert die Zeitung einen Psychologie-Professor.

Rechtfertigung
Gegenüber der Zeitung "Gazeta Wyborcza" rechtfertigte Kwasniewski seinen Auftritt damit, dass er auch eine Privatperson sei und das Recht habe, "eine Flasche Wein in der Gesellschaft von Freunden" zu trinken. Schließlich habe er "niemanden geschlagen und niemanden beleidigt".

Das Wahlbündnis LiD hält trotz des Vorfalls an Kwasniewski fest. "Er war ein hervorragender Präsident, und ich weiß, dass Lech und Jaroslaw Kaczynski zusammen keine solche Popularität besitzen wie er", sagte Grzegorz Napieralski, Generalsekretär des "Bündnis der demokratischen Linken" (SLD), einem Mitglied von LiD, in einem Fernsehinterview. Der LiD-Spitzenkandidat in Warschau Marek Borowski empfiehlt Kwasniewski aber, in den kommenden Wochen auf Reisen in die Ukraine zu verzichten.

Die rechtskonservative Regierungspartei "Recht und Gerechtigkeit" (PiS), die in ihrem Wahlkampf derzeit vor allem die LiD und Kwasniewski angreift, äußerte sich bisher kaum zu den Ereignissen. Nach Informationen der "Gazeta Wyborcza" war es aber das Außenministerium, das den Mitschnitt von der Kwasniewski-Rede besorgen ließ, der später im staatlichen Fernsehen gesendet wurde.

Kwasniewski sorgte schon früher im Zusammenhang mit Alkoholgenuss für Schlagzeilen. Als Präsident erschien er 1999 betrunken zum Besuch eines polnischen Soldatenfriedhof bei Charkiw in der Ukraine. Später entschuldigte sich Kwasniewski für den Vorfall.

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