Russen ziehen aus Georgien ab

Stützpunkte geräumt

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Russen ziehen aus Georgien ab

Russland hat nach dem Waffenstillstand im Südkaukasuskonflikt seine letzten Soldaten aus Westgeorgien wie mit der EU vereinbart abgezogen. Zwischen der Schwarzmeerstadt Poti und dem Ort Senaki seien die fünf russischen Kontrollposten am Samstag komplett geräumt worden. Der Abzug der russischen Truppen aus Westgeorgien blieb nicht ohne Reaktionen der Bewohner vor Ort.

Jubelnde Georgier
Während die Konvois in Richtung der abtrünnigen Provinz Abchasien rollten, passierten sie die nordgeorgische Stadt Sugdidi. Dort sangen Georger über Lautsprecher ihre Nationalhymne und ein Lied gegen den russischen Ministerpräsidenten Wladimir Putin. In den Straßen der Stadt hatten sich nach der Bekanntgabe des Rückzugsbeginn im georgischen Radio zahlreiche Schaulustige versammelt. Viele Einwohner verfolgten die russischen Konvois von ihren Fenstern aus.

Am Montag hatte der französische Präsident und amtierende EU-Ratsvorsitzende Nicolas Sarkozy dem russischen Staatschef Dmitri Medwedew die Zusage abgerungen, die Truppen binnen eines Monats hinter die Linien vor Beginn der Kämpfe um Südossetien Anfang August zurückzuziehen. Die fünf Stützpunkte in Westgeorgien sollten demnach bis Montag geräumt sein. Russlands Außenminister Sergej Lawrow wollte am Sonntag Abchasien besuchen und am Montag weiter nach Südossetien reisen.

25 Kontrollpunkte
Nach der Eskalation des Konflikts mit Georgien hatte Russland insgesamt 25 Kontrollpunkte im Kernland aufgebaut, 13 davon in Zentralgeorgien, zwölf weitere im Westen nahe Abchasien. Rund 1.500 Soldaten wurden dort stationiert. Deren Abzug ist nun Voraussetzung für die Entsendung von 200 EU-Beobachtern. Die EU-Außenminister wollen an diesem Montag deren Entsendung beschließen. Brüssel will die Experten auch in den von Russland als unabhängig anerkannten Regionen Abchasien und Südossetien einsetzen. Die Entsendung von EU-Beobachtern in die von Georgien abtrünnigen Gebiete machte Putin unterdessen von deren Zustimmung abhängig.

Georgischer Polizist erschossen
An einem von Abchasen kontrollierten Grenzposten zu der abtrünnigen Provinz wurde nach Angaben von Utjaschwili am Samstag ein georgischer Polizist erschossen. Das Feuer sei aus abchasischer Richtung in Ganmuchuri gekommen. Einen ähnlichen Vorfall hatte es am Mittwoch gegeben, als ein georgischer Polizist durch russische Soldaten nahe Südossetien erschossen wurde.

Zeichen gegen russischen Einmarsch
Der NATO-Rat trifft an diesem Montag mit der georgischen Führung in Tiflis zusammen, um dort ein Zeichen gegen den russischen Einmarsch in Georgien während des Kaukasuskriegs im August zu setzen. Eine rasche Aufnahme Georgiens in die NATO wird aber nicht erwartet. Kremlchef Medwedew warnte das Militärbündnis erneut vor dem georgischen Präsidenten Michail Saakaschwili. An der Spitze Georgiens stehe "ein Mensch, der absolut unberechenbar ist und sich leider in einem psychischen Ungleichgewicht befindet", hatte Medwedew nach Kremlangaben bei einem Gespräch am Freitag mit internationalen Experten gesagt.

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