08. Februar 2010 13:46
Angesichts der bevorstehenden Militäroffensive in der südafghanischen
Provinz Helmand fliehen Hunderte Zivilisten aus der dortigen
Taliban-Hochburg Marjah. Der Sprecher der Provinzregierung, Daoud Ahmadi,
sagte, bisher seien rund 90 Familien, etwa 500 Menschen, aus dem Distrikt
Marjah in die Provinzhauptstadt Lashkar Gah gekommen. Weitere 200 Familien
aus anderen Distrikten hätten in Laschkar Gah Zuflucht gesucht. Man habe
Nahrungsmittel und Unterkunft für bis zu 15.000 Flüchtlinge vorbereitet.
Taliban-Sprecher Kari Jussif Ahmadi sagte, die Aufständischen würden Marjah
verteidigen und hätten rund um die gleichnamige Distrikthauptstadt
Sprengsätze platziert.
Bevölkerung ist gewarnt
Nach Angaben der Internationalen
Schutztruppe ISAF bereiten sich 15.000 afghanische und ausländische
Sicherheitskräfte auf die Offensive in Helmand vor. Die internationalen
Truppen kommen aus den USA, Großbritannien, Kanada, Frankreich und Estland.
Um zivile Opfer zu vermeiden, hat die ISAF Flugblätter über Marjah
abgeworfen und die Bevölkerung vor der bevorstehenden Operation "Mushtarak"
("Gemeinsam") gewarnt. Die afghanischen Sicherheitskräfte sollen die Führung
bei der Großoffensive übernehmen, die nach Militärangaben "bald" beginnen
soll.
Ein Einwohner von Marjah, der nicht namentlich genannt werden wollte und am
vergangenen Freitag mit seiner Familie zu Fuß aus dem Distrikt geflohen war,
sagte, die Taliban horteten Waffen in Marjah. Die Aufständischen bereiteten
sich auf die Kämpfe vor. Sie hätten in Moscheen verkündet, dass es genug
Waffen für die Bewohner von Marjah gebe, um ihren Distrikt zu verteidigen.
Ein Mann aus Marjah namens Abdul Wali, der ebenfalls in die
Provinzhauptstadt geflohen ist, sagte: "Tausende Menschen sind schon
gekommen, und Tausende weitere sind auf dem Weg von Marjah nach Lashkar Gah."
Hochburg für Opiumhandel
Der Distrikt Marjah mit seinen mehr
als 80.000 Bewohnern ist vollständig unter der Kontrolle der
radikal-islamischen Taliban. Marjah ist zugleich das wichtigste Zentrum für
den Handel mit Rohopium, aus dem Heroin gewonnen wird. Die Taliban
finanzieren sich unter anderem aus dem Drogenhandel.
Die ISAF teilte am Montag mit, am Vortag seien bei einem Anschlag im Süden
Afghanistans zwei ihrer Soldaten getötet worden. Angaben zur Nationalität
der Opfer machte die Schutztruppe nicht. Ebenfalls am Sonntag waren in
Nordafghanistan zwei schwedische ISAF-Soldaten und ihr afghanischer
Übersetzer getötet worden.