18. Juli 2008 19:58

Teuerungswelle 

Ausgaben von Familien um 50 Prozent gestiegen

Am schlimmsten betroffen von der Teuerung sind heimische Familien. Es gibt für sie keinen Ausweg: Essen muss auf den Tisch, das Kind muss bekleidet werden.

Ausgaben von Familien um 50 Prozent gestiegen

„Wir zahlen fast fünfzig Prozent mehr im Monat“, sagt Petra Reinisch. Die Angestellte, ihr Mann und die zweijährige Tochter aus Völs bei Innsbruck geben statt wie vor einem Jahr 400 Euro im Monat mittlerweile gleich 600 Euro für das Notwendige im Leben aus. Ein massiver Einschnitt in das Haushaltsbudget der Familie Reinisch, deren Netto-Einkommen mit etwa 2.300 Euro pro ­Monat im Durchschnitt unseres Landes liegt.

So wie der Tiroler Familie Reinisch geht es zurzeit vielen Familien in ganz Österreich. Österreich erfährt derzeit eine Rekordinflation von 3,9 Prozent. Doch viele Familien spüren die Inflation weitaus härter: Sie können weder bei Lebensmitteln noch bei anderen Notwendigkeiten sparen.

Fast sieben Prozent mehr bei Lebensmitteln
„Es betrifft Bereiche, denen man nicht entkommt“, sagt Christine F. Die 54-jährige Wienerin ist halbtags angestellt und hat zwei Kinder. „Wenn ich früher für einen Wocheneinkauf zirka 70 Euro gezahlt habe, zahle ich jetzt 100 Euro.“ Vor allem Grundnahrungsmittel sind teurer geworden. Milch kostet zwanzig bis dreißig Prozent mehr als noch vor einem Jahr. Im Juni wurden Preissteigerungen von bis zu 6,8 % bei Lebensmitteln verzeichnet. Experten rechnen damit, dass die Preise in den nächsten Monaten durch Spekulationen auf den internationalen Märkten noch weiter in die Höhe schnellen werden.

Sprit um fünfzig Prozent rauf
Familie Reinisch aus Tirol hat zwei Autos, weil beide Elternteile berufstätig sind und mobil sein müssen. Für zwei Tankfüllungen im Monat zahlen sie mittlerweile so viel wie früher für dreimal tanken. Die Preise für Benzin und Diesel sind in den letzten Monaten im Durchschnitt um ein Drittel gestiegen. Der Liter kostet teilweise schon über 1,50 Euro. Besonders bitter ist das für jene, die das Auto beruflich brauchen, weil sie pendeln.

Weitere Teuerungen stehen bevor
Mit dem Ölpreis zieht auch der Gaspreis kräftig an. Wahrscheinlich noch vor der kommenden Heizsaison im Herbst sagen die Anbieter Steigerungen im zweistelligen Bereich – zwischen zehn und dreißig Prozent – voraus. Fast jeder dritte österreichische Haushalt heizt mit Gas. Konkret würde das für eine Wohnung mit einer bisherigen Gasrechnung von etwa 60 Euro monatlich bis zu zwanzig Euro mehr bedeuten. „Das betrifft mich ganz besonders“, sagt die Wienerin Christine F. „Die Stadt Wien hat mir vor ein paar Jahren eine Gasheizung aufgezwungen, aber ich überlege, ob ich mir nicht wieder einen Holzofen in die Wohnung stellen soll“, so die Wienerin.




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