Finanzen & Vorsorge

Österreicher setzen verstärkt auf private Vorsorge

Die Vorsorgestudie 2026 von Erste Bank, Sparkassen und der Wiener Städtischen zeigt: Immer mehr Menschen bezweifeln, dass die staatliche Pension ausreichen wird. Gleichzeitig steigt das Interesse an privater finanzieller Vorsorge. 

Nicht zuletzt bedingt durch den demografischen Wandel und die globalen geopolitischen Unsicherheiten.

Fragt man die heimische Bevölkerung nach ihren Erwartungen für Wirtschaft und Lebensqualität in den kommenden Monaten, rechnen laut der repräsentativen aktuellen IMAS-Studie, die im Auftrag von Erste Bank, Sparkassen und der Wiener Städtischen erfolgte, 61 Prozent mit einer Verschlechterung, 28 Prozent mit gleichbleibenden Verhältnissen und nur 9 Prozent mit einer Verbesserung. Die Sorgenfalten werden also größer. Entsprechend setzen viele auf Sicherheit und Verlässlichkeit. Besonders wichtig ist den Befragten die Absicherung von Gesundheit (67 %, +5 Prozentpunkte (PP) gegenüber 2025), Pension (61 %, +7 PP) und finanziellen Reserven für Krisenfälle (60 %, +4 PP). Dahinter folgen Wohnen (55 %, +9 PP) und für jede:n Zweite:n die Familie (50 %, +2 PP).

Vertrauen in staatliche Pensionen sinkt

Knapp die Hälfte der Befragten gibt an, nicht mehr daran zu glauben, dass der Staat ein verlässlicher Partner bei Pensionen ist. Ebenso viele nennen persönliche Schicksalsschläge als Grund, privat vorzusorgen. 45 Prozent wollen ihr finanzielles Risiko reduzieren und den gewohnten Lebensstandard im Alter sichern. Drei Viertel der Befragten zweifeln daran, später eine ausreichend hohe Pension zu erhalten. „Dass bereits heute jeder vierte Steuereuro in die Stützung der öffentlichen Pensionen fließt, verunsichert mittlerweile acht von zehn Befragten“, erklärt Sonja Brandtmayer, Generaldirektor-Stellvertreterin der Wiener Städtischen. Jede:r sechste Befragte geht gar davon aus, im Alter weiterarbeiten zu müssen.

Klassiker der Vorsorge weiterhin gefragt

Bei den genutzten Vorsorgeinstrumenten führen weiterhin klassische Optionen: Sparkonten (51 %), Lebensversicherungen (38 %) sowie Wertpapiere und Fondssparpläne (25 %). Bausparen (24 %), Gold (17 %) und Immobilien (16 %) folgen dahinter. Auffällig ist, dass das Sparkonto erstmals seit Jahren weniger stark nachgefragt wird, während Lebensversicherungen und Wertpapiere an Beliebtheit gewinnen. „Trotz wirtschaftlicher Anspannungen investieren Österreicherinnen und Österreicher im Schnitt 225 Euro pro Monat in ihre persönliche Pensionsvorsorge. Männer legen mit 265 Euro deutlich mehr an als Frauen (179 Euro)“, so Gerda Holzinger-Burgstaller, Vorstandsvorsitzende der Erste Bank Oesterreich.

Angst vor Altersarmut treibt Vorsorge an

Altersarmut bereitet vielen Sorge: 39 Prozent schätzen ihr Risiko, später betroffen zu sein, als hoch ein. 86 Prozent halten frühzeitige private Vorsorge und 77 Prozent eine stärkere staatliche Förderung privater Vorsorge für wirksame Gegenmaßnahmen. Die Zufriedenheit mit dem staatlichen Pensionssystem bleibt moderat: 46 Prozent sind zufrieden, 44 Prozent unzufrieden – Frauen sogar noch etwas mehr.

Pensionskonto sorgt für Unsicherheit

Seit 20 Jahren existiert das Pensionskonto für alle nach dem 1. 1. 1955 Geborenen. Doch nur die Hälfte der Befragten kennt ihr Guthaben. Und nur etwa die Hälfte davon ist zufrieden – Männer zu 53 Prozent, Frauen zu 47 Prozent. Im Schnitt erwarten die Befragten eine Bruttopension von 2.023 Euro (Männer: 2.254 Euro, Frauen: 1.748 Euro).

Zahlen:

  • 90 Prozent: Bedeutung von privater Altersvorsorge auf Allzeithoch
  • 225 Euro im Monat für private Altersvorsorge
  • 40 Prozent schätzen das eigene Risiko von Altersarmut als hoch ein
  • 6 von 10 Befragten gehen davon aus, im Alter weiterarbeiten zu müssen
Mit dem Drei-Säulen-System zur sicheren Rente

Säule 1: Gesetzliche Pension

Die staatliche Pension bildet die Basis. Sie wird aus den Beiträgen der Erwerbstätigen finanziert und garantiert ein Grundniveau an Absicherung. Allerdings zeigen Prognosen, dass aufgrund des demografischen Wandels die gesetzliche Rente für viele künftig nicht ausreichen wird, um den Lebensstandard zu halten.

Säule 2: Betriebliche und private Zusatzvorsorge

Die zweite Säule umfasst betriebliche Vorsorgeformen wie die betriebliche Pensionskasse oder die Abfertigung Neu. Hier zahlen Arbeitgeber und Arbeitnehmer in gemeinsame Fonds ein, die später als Zusatzrente dienen. Auch private Pensionsversicherungen können diesen Bereich abdecken, bieten oft steuerliche Vorteile und erhöhen die finanzielle Unabhängigkeit im Alter.

Säule 3: Individuelle Eigenvorsorge und nachhaltiges Sparen

Die dritte Säule betrifft die private Eigenvorsorge. Hier bieten sich Sparpläne, Lebensversicherungen und nachhaltige Investmentprodukte an. Nachhaltige Fonds investieren gezielt in Unternehmen, die soziale und ökologische Kriterien erfüllen, und verbinden Renditechancen mit Verantwortung. Regelmäßiges Sparen, auch in kleinen Beträgen, kann über Jahrzehnte eine beträchtliche Summe ansammeln.

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