Nachhaltigkeit

Wirtschaft im Wandel: Nachhaltigkeit als Wachstumsmotor

Österreich zeigt, wie sich Klimaschutz und wirtschaftlicher Erfolg verbinden lassen. Von Einwegpfand über Photovoltaik bis zu alternativen Treibstoffen entstehen Chancen für Umwelt, Unternehmen und Gesellschaft. 

Seit 1. Jänner 2025 ist das Einwegpfandsystem Realität: Auf Kunststoffflaschen und Metalldosen zwischen 0,1 und 3 Litern wird ein Pfand von 25 Cent eingehoben. Damit soll nicht nur das achtlose Wegwerfen von Verpackungen reduziert, sondern auch die Sammelquote von derzeit 70 auf 90 Prozent bis 2027 gesteigert werden.

Mit knapp 1.500 registrierten Produkten und über 16.300 Rückgabestellen – davon rund 6.400 Automaten – ist der Grundstein für einen funktionierenden Wertstoffkreislauf gelegt. Die Kreislaufwirtschaft wird so nicht nur zum ökologischen, sondern auch zum wirtschaftlichen Erfolgsmodell. 98 Prozent der Einweg-Getränkeverpackungen werden über Automaten im Handel zurückgegeben. Nur zwei Prozent der Rückgabe erfolgt über manuelle Rücknahmestellen wie zum Beispiel Bäckereien oder Kantinen. Pro Rückgabe bei einem Rückgabeautomaten im Supermarkt werden im Schnitt 13 Gebinde retourniert.

Ein Jahr Einweg-Pfandsystem – eine Bilanz

Die Bilanz nach dem ersten Jahr fällt positiv aus: Mit einer Sammelquote von 81,5 Prozent wurden die Vorgaben erfolgreich erfüllt, gab das Unternehmen Recycling Pfand Österreich gemeinsam mit Umweltminister Norbert Totschnig bekannt. Damit setzt Österreich ein starkes Zeichen für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft und kommt den EU-Vorgaben einen entscheidenden Schritt näher.

Das nächste Ziel: die Sammelquote bis 2027 auf 90 Prozent zu steigern und diese Vorgabe bereits zwei Jahre früher als von der EU gefordert zu erfüllen. „2025 war ein äußerst spannendes Jahr für uns. Mit der Einführung des Einweg-Pfandsystems haben wir eines der größten Kreislaufwirtschaftsprojekte Österreichs umgesetzt“, betont Monika Fiala, Geschäftsführerin Recycling Pfand Österreich. „Mit einer Sammelquote von 81,5 Prozent sammeln die Menschen in Österreich heute mehr Gebinde als je zuvor: Flasche zu Flasche bzw. Dose zu Dose wird damit zur Realität.“ Über das Einweg-Pfandsystem gab die österreichische Bevölkerung 2025 rund 1,4 Milliarden Flaschen und Dosen zurück.

Lebensmittelhandel setzt nachhaltige Stadtlogistik

Die Rewe Group Österreich verstärkt ihr Engagement für nachhaltige Mobilität: Drei neue Elektro-LKWs in den Markenfarben von Billa, Bipa und Penny wurden in den Fuhrpark aufgenommen und sind ab sofort im innerstädtischen Bereich Wiens im Einsatz. Die Fahrzeuge beliefern unter anderem die Bezirke 1010 und 1020 sowie die Pilotengasse, Standort des grünsten Billa-Markts Österreichs. „Mit der Einführung von E-Lkws setzen wir einen wichtigen Schritt, um die Emissionen im Transportbereich zu reduzieren. Gleichzeitig schaffen wir effiziente und ökologische Lösungen für den innerstädtischen Einsatz“, erklärt Marcel Haraszti, Vorstand Rewe International AG.

Die Lkws sind speziell für den urbanen Verkehr konzipiert. Mit einer Reichweite von über 300 Kilometern und einer Batterieleistung von bis zu 375 kWh meistern sie zahlreiche Start-Stopp-Vorgänge problemlos. Nachhaltigkeit wird messbar: Im Vergleich zu herkömmlichen Diesel-LKWs reduziert jeder E-Lkw jährlich rund 28 Tonnen CO₂-Äquivalente, was zusammen 84 Tonnen CO₂ pro Jahr entspricht.

Nachhaltigkeit beginnt beim Transport: Spar setzt in Wien, Niederösterreich und dem nördlichen Burgenland auf emissionsfreie Lieferfahrzeuge, HVO-Diesel und ein flächendeckendes Netz von E-Ladestationen für Mitarbeiter und Kunden. Bereits seit Herbst 2023 fährt die gesamte Lkw-Flotte mit HVO-Diesel – einem biobasierten Kraftstoff aus Altspeisefetten und pflanzlichen Nebenprodukten – und spart damit jährlich rund 17.000 Tonnen CO₂ ein.

Im Rahmen des Zero-Emission-Transport-Pilotprojekts der Wirtschaftskammer Wien werden innerstädtische Bezirke verstärkt emissionsfrei beliefert. „Durch innovative Lösungen wie HVO-Diesel, E-Lkw und emissionsfreie Lieferkonzepte leisten wir einen messbaren Beitrag zum Klimaschutz und zur Reduktion von Emissionen in der Region“, betont Spar-Geschäftsführer Alois Huber. Mit diesen Maßnahmen legt der heimische Lebensmittelhändler den Grundstein für eine fossilfreie Logistik bis 2050.

Neue Wege im Verkehr: von Biokraftstoffen bis E-Fuels

Während Elektrofahrzeuge das Stadtbild prägen, setzen andere Bereiche auf alternative Treibstoffe. Biokraftstoffe wie Biodiesel und Bioethanol sind bereits im Einsatz, synthetische Kraftstoffe (E-Fuels) bieten Potenzial für Schwerverkehr und Luftfahrt. Austrian Airlines etwa investiert in den Airbus A320neo, der dank effizienterer Triebwerke und Aerodynamik bis zu 20 Prozent weniger Treibstoff verbraucht und den Lärmteppich halbiert. Solche Innovationen senken Emissionen und erhöhen zugleich die Wettbewerbsfähigkeit.

Neben der Treibstoffumstellung setzen die Leoganger Bergbahnen auf Energieeffizienz, Ressourcenschonung und nachhaltige Mobilität. Shuttle-Services, E-Busse, regionale Skibuslinien und 20 E-Ladestationen unterstützen klimaschonende Anreisen und kommen ihrem Ziel der Emissionsfreiheit ein großes Stück näher. Dank der Umstellung des gesamten Fuhrparks auf den regenerativen Kraftstoff HVO100 sank der CO₂-Ausstoß im Winter 2024/25 auf unter 8 Tonnen – ein Rückgang von 98,7 % seit 2022/23.

Geschäftsführer Kornel Grundner betont die Hebelwirkung der Maßnahme: „Wir betreiben bereits zu 100 % auf Ökostrom, der Umstieg auf HVO100 hat die größte Reduktion gebracht.“ Die Region Saalfelden Leogang erhielt 2023 als eine der ersten das Österreichische Umweltzeichen für Destinationen – ein Gütesiegel für nachhaltigen Tourismus. Die Maßnahmen zeigen, dass Wirtschaftlichkeit und Klimaschutz Hand in Hand gehen können.

Die Dr. Richard Gruppe startet in die Ära der emissionsfreien Mobilität: Erstmals setzt das größte private Busunternehmen im deutschsprachigen Raum drei elektrische Reisebusse ein. Zwei stehen in Wien, einer in Salzburg, und befördern bis zu 50 Passagiere pro Fahrt emissionsfrei – für Tagesausflüge, Stadtrundfahrten und Shuttleservices.

„Wir freuen uns, als erstes Busunternehmen Österreichs vollelektrische Reisebusse in Betrieb zu nehmen“, sagt Geschäftsführer Lukas Hackl. Das Modell T12E des Herstellers Yutong erfüllt alle EU-Standards. Ladeinfrastruktur ist an den hauseigenen Betriebshöfen in Wien und Salzburg vorhanden, wo auch die E-Linienbusse und die Hop-on-Hop-off-Flotte geladen werden. Die Einführung ergänzt die Nachhaltigkeitsstrategie des Unternehmens: Bereits alle Fahrzeuge erfüllen die EURO-6-Norm, und bis 2028 sollen in Salzburg rund 80 E-Linienbusse im Einsatz sein.

 Zahlen:

  • 84 Tonnen CO₂ spart ein E-Lkw pro Jahr.
  • 81,5 % beträgt die Sammelquote seit Einführung des Einweg-Pfandsystems am 1. Jänner 2025.
  • 1,4 Milliarden Flaschen und Dosen gaben die Österreicher im Jahr 2025 zurück.
  • 80 E-Linienbusse sollen bis 2028 in Salzburg zum Einsatz kommen.
Österreich setzt auf Photovoltaik für die Energiewende

Österreich treibt seine Energiewende voran: Bis 2030 soll die Stromversorgung vollständig aus erneuerbaren Quellen stammen, bis 2040 will das Land klimaneutral wirtschaften. Ein Beispiel für ambitionierte Projekte liefert der Flughafen Wien: Auf 24 Hektar Fläche betreibt er die größte Photovoltaikanlage des Landes mit 55.000 Modulen und einer Leistung von 24 Megawatt Peak. Jährlich werden so rund 30 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugt – genug für etwa 7.000 Haushalte. Unternehmen profitieren mehrfach: Sie senken Energiekosten, reduzieren CO₂-Emissionen und sichern sich gegen volatile Energiemärkte ab.
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