AUA will billigere Piloten einstellen

Überlegung

AUA will billigere Piloten einstellen

Wenn zu viele Kapitäne kündigen helfen zunächst Swiss und Lufthansa aus.

Für Lufthansa- und AUA-Führung ist der Übergang des Flugbetriebs von Austrian Airlines auf die billiger operierende Tyrolean seit letzter Woche unumkehrbar. Der Point of no return sei da, egal ob und wie der Betriebsrat nun zum Sparpaket abstimmen lässt, heißt es. Wählten nun zu viele AUA-Piloten auf einmal den Austritt, würden sie durch bisher teilzeitfliegende Copiloten von Tyrolean und Konzernkollegen (Swiss, Lufthansa) ersetzt. Zudem überlegt die AUA für den Fall sogar schon, Dutzende neue, billigere Piloten einzustellen.

Sollten aus den bisher 43 AUA-Piloten, die wegen des umstrittenen Übergangs bereits mit Höchstabfertigungen kündigten, 110 oder 120 werden, hält dies der Konzern für problemlos verkraftbar. Selbst den Abgang aller 150 AUA-Kapitäne nach dem alten und teuersten Tarifschema (AUA KV-alt) hielte der Betrieb aus, wird versichert. Das würde bei Abfertigungen bis zu 39 Monatsgehältern (bis zu 500.000 Euro) an die 80 Mio. Euro kosten.

Umschulungen starten

Lufthansa habe geschulte Piloten und Flugzeuge, heißt es unmissverständlich in Richtung Zweifler. Im übrigen wird ab nächster Woche ein zweiter Schub von 18 Tyrolean-Piloten auf die größeren Maschinen der AUA umgeschult. Werden es 150 Abgänge und mehr, kämen Neuanstellungen von außen infrage. Genaueres will die AUA Ende Mai wissen.

Im AUA-Management glaubt und hofft man aber nicht, dass jetzt, wo es um die entscheidenden Unterschriften geht, alle Androhungen auf Sonderaustritt wahr gemacht werden. Wer bei Golf-Airlines sein Heil suche, müsse dort ohne Kollektivvertrag, ohne Pensionsregelung und ohne "Seniorität" leben. Und wer nicht gleich einen neuen Job finde, müsse sich um Lizenzen sorgen, wenn Flugstunden fehlten.

Der Zwangsumstieg auf Tyrolean per 1. Juli wurde eingeleitet, weil eine Verhandlungslösung über eine Kollektivvertragsreform für die 2.100 Piloten und Kabinenmitarbeiter der AUA trotz viermonatiger Mühen scheiterte. Erste Abstimmungsversuche des Bord-Betriebsrats über ein Verhandlungspaket wurden mangels Aussicht auf Erfolg zurückgezogen, eine jetzt neu zur Abstimmung kommende einseitig geänderte Variante des Betriebsrats wird vom Vorstand nicht mehr unterstützt.

Das Argument: Es wäre rund 60 Mio. Euro teurer, also ein Aufschlag um gut die Hälfte auf die davor paktierte Abschlagszahlung von knapp 120 Mio. Euro.

Privilegien "abkaufen"
Mit der Abschlagszahlung von 120 Mio. Euro - geboten waren Kapitänen im Schnitt 320.000 Euro und 190.000 Euro für Copiloten - wären Pensionsprivilegien, teure Überstundenregelungen und automatische Jahresvorrückungen "abgekauft" worden. Die künftigen Bezüge-Einbußen werden auf bis zu 30 Prozent geschätzt.

Da Verhandlungslösungen vom Tisch sind, gibt es keine Abschlagszahlungen für frühere KV-Privilegien. Nun werden die 47 Mio. Euro an jährlichen Personalkosteneinsparungen (knapp 30 Mio. Euro vom Bordpersonal) ohne Zuckerl gehoben, abgesehen von den teuren Abfindungen für abgehende Piloten.

Die Gehälter der rund 550 Piloten und 1.500 Flugbegleiterinnen, die zur Tyrolean wechseln müssen, werden mit Stand von Ende Juni eingefroren. Allerdings nur, bis es einen gültigen Konzern-KV gibt. Dass es sich mit finalen Verhandlungen dafür heuer bis Jahresende noch ausgeht, wird sogar bei den größten Verfechtern bezweifelt.

Auch Tyrolean vom Sparpaket betroffen
Es sind auch Tyrolean-Bordleute vom Sparpaket betroffen: Auch für sie gibt es keine jährlichen automatischen Vorrückungen mehr. Im Betriebsübergang erhalten bleiben die für die Karrieren im Cockpit relevanten Senioritätslisten. Auch wenn alle Piloten im AUA-Konzern künftig alle Maschinen fliegen dürfen, was bisher vertraglich untersagt ist. Auch Verkehrsrechte müssen auf die neue Gesellschaft nach der AUA-Teilverlagerung auf Tyrolean hin umgeschrieben werden. Als komplex gelten die arbeitsrechtlichen Fragen.

Weil die Bord-Tarifverträge aufgekündigt sind, gibt es für die Mitarbeiter "Dienstzettel", während der KV-freien Zeit gibt es eine Art Richtlinie.