Erste Lockerungen: Italiener stürmen Pizzerien

Lust auf Pizza

Erste Lockerungen: Italiener stürmen Pizzerien

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Seit Montag kann man in Neapel wieder eine Pizza bestellen.

In Neapel, Heimat der Pizza, haben hungrige Neapolitaner die Pizzerien bestürmt, die am ersten Tag seit Beginn der Coronavirus-Epidemie Lieferservice anbieten dürfen. 60.000 Pizzen wurden allein am Montagabend ins Haus geliefert. Circa 40 Prozent der Pizzerien in der Vesuvstadt sind wieder offen.
 
"Der Erfolg unseres Lieferservice ist ermutigend, auch wenn dies die Probleme der Branche nicht löst. Nicht alle Inhaber haben ihre Lokale desinfizieren können und müssen auf die Wiedereröffnung warten, um die Tätigkeit aufzunehmen. Wer Lieferservice anbietet, konnte am Montag im Durchschnitt circa 200 Pizzen ausliefern. Vor allem ältere Leute nehmen unsere Dienste in Anspruch", sagte Massimo Di Porzio, Präsident des Gastronomieverbands in Neapel FIPE.
 

Abholservice

Der nächste Schritt sei, ein Abholservice bei Einhaltung des Sicherheitsabstands zu anzubieten. "Wir sind bereit, alle Vorschriften zu befolgen. Den Neapolitanern zu ermöglichen, ihre Pizza selbst abzuholen, wäre ein weiterer Schritt in Richtung Rückkehr zur Normalität", sagte Di Porzio.
 
Die Gastronomie sei eine der von der Coronavirus-Epidemie am stärksten betroffenen Branchen. Lokale können erst wieder am 1. Juni öffnen. "Der Tourismus wird in Neapel nicht vor einem Jahr wieder aktiv werden. In der Zwischenzeit benötigen wir Unterstützung für Mieten und Kredite", sagte Di Porzio.
 
Die Kunst der Pizzaioli, der Pizzabäcker von Neapel, war von der UNESCO im Jahr 2017 als Weltkulturerbe anerkannt worden. Die Pizza, weltweites Markenzeichen der italienischen Küche und ein Stück nationaler Identität, ist auch ein wichtiger Bestandteil der Wirtschaft im Land. 15 Milliarden Euro im Jahr generierte das Geschäft mit der Pizza vor Beginn der Coronavirus-Krise. Acht Millionen Pizzen wurden jeden Tag in Italien konsumiert, 40.000 Pizzerien gibt es im Land. Von dem Milliardengeschäft hängen immerhin eine Viertelmillion Arbeitsplätze ab.  Die italienische Gastronomie protestiert gegen den Beschluss der Regierung in Rom, den Stopp für die Branche bis 1. Juni zu verlängern. Die Gefahr sei der Kollaps des ganzen Sektors, der seit Beginn der Coronaviruspandemie bereits Verluste in der Größenordnung von 34 Mrd. Euro gemeldet hat. "Wahrscheinlich ist es nicht klar, dass man den Gastronomiebereich zur Schließung verurteilt. Über 50.000 Betriebe werden zusperren müssen und 350.000 Menschen werden ihre Arbeit verlieren. Diese Lage betrifft Cafes, Restaurants, Pizzerien und die gesamte Freizeitindustrie. Auch für Schwimmbäder gibt es noch keinen Termin für den Neustart", hieß es in einem veröffentlichten Appell des italienischen Gastronomieverbands FIPE.
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