"Im Supermarkt wird es bei der Maske bleiben"

Mückstein im Interview

"Im Supermarkt wird es bei der Maske bleiben"

Der Gesundheitsminister will einen neuen Lockdown verhindern. 

Im Interview mit ÖSTERREICH erklärt Gesundheitsminister Mückstein seinen Plan, um eine erneuten Lockdown zu verhindern. 

ÖSTERREICH: Sie haben bei der Nacht-Gastro nachjustiert – wollten aber mehr, nur Geimpfte feiern lassen. Sind Sie am VP-Widerstand gescheitert?

WOLFGANG MÜCKSTEIN: Das Gegenteil ist der Fall. Ich habe vor einer besorgniserregenden Entwicklung aufgrund der Delta-Variante gewarnt und beim Koalitionspartner entsprechend Überzeugungsarbeit geleistet. Dann ist es gelungen – fast in einer Rekordzeit –, dass wir uns auf Maßnahmen einigen, um gegenzusteuern. Deshalb bin ich froh, dass wir insbesondere für die jungen Menschen noch sicherer gestalten, in dem nur Geimpfte und PCR-Getestete Zutritt haben.

ÖSTERREICH: Aber könnte es möglich sein, dass bald weitere Verschärfungen nötig sind? Was sind die „Schräubchen“, an denen Sie da drehen wollen?

MÜCKSTEIN: Wir haben uns die Öffnungen, die derzeit möglich sind, gemeinsam erarbeitet und nun muss es das Ziel sein, neuerliche Verschärfungen zu vermeiden. Deshalb steuern wir angesichts der bereits steigenden Zahlen schon jetzt mit kleinen, aber zielgerichteten Anpassungen gegen. Das Impfen bleibt aber die wichtigste Maßnahme.

ÖSTERREICH: Aber Sie lockern weiter, nächste Woche fallen Masken im Handel.

MÜCKSTEIN: Es gibt Bereiche, wo es derzeit vertretbar ist, dass es keine Maskenpflicht gibt. Wo der Mund-Nasen-Schutz aber mit Sicherheit bleibt – das ist mir wichtig –, sind Öffis, Apotheken und Supermärkte. Also Bereiche, die wir alle in unserem Alltag brauchen und die sich auch für jene Menschen, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen können, schwer meiden lassen.


ÖSTERREICH: Rennen wir nicht in einen neuen Lockdown hinein?

MÜCKSTEIN: Vor einem Jahr bin ich als Arzt noch in meiner Praxis gesessen und habe die Corona-Zahlen sanft steigen gesehen. Auch damals ist gesagt worden, die Pandemie sei vorbei – dabei hat man zu wenig darauf geachtet, einem beginnenden exponentiellen Wachstum entgegenzuwirken. Diesen Fehler vom letzten Sommer werden wir heuer sicher nicht wiederholen.

ÖSTERREICH: Kanzler Kurz hat die Pandemie kürzlich zur Privatsache erklärt, weil sich ja jeder impfen lassen kann. Soll sich der Staat tatsächlich mehr zurückhalten?

MÜCKSTEIN: Für mich als Gesundheitsminister ist es ganz klar: Die Corona-Krise können wir nur gemeinsam bekämpfen. In dem wir die Durchimpfungsrate drastisch erhöhen und uns solidarisch an die vorgeschriebenen Regeln und Maßnahmen halten. Natürlich braucht es die Mitwirkung jedes und jeder Einzelnen. Aber abwälzen darf der Staat seine Verantwortung hier sicher nicht.

ÖSTERREICH: Sie haben ein Problem, weil sich doch ­viele nicht impfen lassen wollen. Haben Sie Pläne, wie Sie das ändern können?

MÜCKSTEIN: Derzeit haben wir mehr Impfstoff als Impfwillige, das ist richtig. Deshalb habe ich mich diese Woche auch in einem persönlichen Schreiben an die Bundesländer gewandt. Mein dringender Appell an sie: Das Impftempo drastisch zu erhöhen und vor allem auch den jungen Menschen Impfungen rascher und niederschwelliger zu ermöglichen. Einige kreative Lösungsansätze haben wir ja schon gesehen: Impfungen ohne Termine und auch an ungewöhnlichen Orten – etwa in Impfbussen oder im Impfboot an der ­Alten Donau. Da sind jetzt die Länder gefragt, die Impfung dorthin zu bringen, wo die Leute sind – vor allem die Jungen.

ÖSTERREICH: Macron hat eine Impfpflicht für Gesundheitsberufe verkündet. Braucht es das auch bei uns?

MÜCKSTEIN: Die Träger von Spitälern bzw. Alten- und Pflegeheimen können jederzeit entscheiden – sowie es nun auch in Niederösterreich kommt –, dass sie nur noch Leute neu einstellen, die geimpft sind. Ich wäre grundsätzlich dafür.

ÖSTERREICH: Sollte man auch Lehrer verpflichtend impfen lassen?

MÜCKSTEIN: Das steht derzeit nicht zur Debatte. 
 



OE24 Logo
Es gibt neue Nachrichten