Sebastian Kurz

Coronavirus

Kurz: Anruf von Netanyahu hat mich wachgerüttelt

Bundeskanzler: 'Österreich steht in diesen Tagen sehr zusammen'.

Wien. Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) hat im Video-Interview mit der deutschen Boulevard-Zeitung "Bild" zur Corona-Krise am Freitag geschildert, ein Anruf des israelischen Premiers Benjamin Netanyahu habe ihn wachgerüttelt. Netanyahu habe ihm gesagt: "Ihr unterschätzt das in Europa, wacht auf und tut etwas." Auch nach Gesprächen mit asiatischen Regierungschefs sei ihm dies klar geworden, so Kurz.

Vergangene Woche habe man in Österreich "ganz gravierende Maßnahmen beschlossen", nämlich die Schließung von Schulen, Restaurants und Geschäften sowie Ausgangsbeschränkungen, sagte Kurz. Zehn Tage nach den ersten Beschlüssen sehe man, dass diese Maßnahmen Wirkung zeigten und sich die Ansteckungskurve abflachen werde. Das sei wichtig, um eine Situation wie in Italien und einen Zusammenbruch des Gesundheitssystems zu vermeiden.

"Österreich steht in diesen Tagen sehr zusammen"

Er sei der Bevölkerung sehr dankbar, die sich an die Maßnahmen halte, so Kurz. Es sei ganz klar definiert, aus welchen Gründen man das Haus verlassen dürfe, um arbeiten zu gehen, zum Einkaufen oder um sich die Füße zu vertreten, aber nur alleine oder mit den Menschen, mit denen man zusammen wohne. Das werde zu 90 bis 95 Prozent eingehalten, wo dies nicht geschehe, werde gestraft. "Österreich steht in diesen Tagen sehr zusammen", zeigte sich der Bundeskanzler erfreut.

Die Maßnahmen seien bis zum Ostermontag, dem 13. April, beschlossen worden. Das sei eine lange Zeit, aber "wir sind ein Nachbarland Italiens und sehen, wie es ist, wenn das Gesundheitssystem zusammenbricht" und "Menschen sterben, weil sie nicht versorgt werden können". Doch die Menschen in Österreich blieben zu Hause und das mache ihn unglaublich stolz "in so schweren Tagen und Stunden", sagte Kurz.

In den Griff bekommen werde man das Coronavirus erst, wenn es eine Impfung oder Medikamente gebe, betonte der Bundeskanzler. Man gehe davon aus, diesen extremen Zustand bis Ostern einhalten zu müssen und erst dann das System schrittweise und behutsam wieder hochfahren zu können. Eine fixe Prognose könne er aber nicht abgeben. Eines sei aber klar, je schneller man handle, desto besser sei es, daher "sind wir entschlossen, in unserem Land konsequente Maßnahmen zu setzen und keine Zeit zu verlieren".

Auf die Frage, ob in Tirol Fehler wegen der Abreise von Urlaubern aus dem Corona-Hotspot Ischgl gemacht worden seien, meinte Kurz, dass "alle aufgrund von Fakten und aufgrund der Empfehlung von Gesundheitsbehörden" agieren würden. Dennoch sei es aber "notwendig, jede Entscheidung zu analysieren", um zu schauen, was man besser machen könne. Das werde sicher auch in Tirol gemacht.



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