Übersterblichkeit in Österreich doppelt so hoch wie in den USA

Während der zweiten Welle

Übersterblichkeit in Österreich doppelt so hoch wie in den USA

Kaum ein Land hat derzeit eine so hohe Übersterblichkeit wie Österreich – aber liegt das vielleicht gar nicht an Corona?

Während der ersten Welle im Frühjahr verzeichnete man keine merkbare Übersterblichkeit. Seit Herbst sieht die Lage jedoch anders aus: Laut Grafiken der Website „Our World in Data“ (betrieben von der Universität Oxford und dem „Global Change Data Lab“) sind die Todeszahlen in Österreich rasant angestiegen.

Schlechte Werte im internationalen Vergleich

Demnach gibt es seit Oktober im Vergleich zu den Zahlen der letzten fünf Jahre in jeder Woche mehr Tote. Anfang Dezember lag die Übersterblichkeit in Österreich sogar bei 59 Prozent. Damit steht Österreich derzeit schlechter da, als die meisten anderen Länder: Im Oktober überschritten wir die Zahlen der USA, im November jene von Spanien. Die Spanier hatten im Frühjahr noch mit einer Übersterblichkeit von 156 Prozent kämpfen müssen, derzeit sterben dort etwa um 12,6 Prozent mehr Menschen als zur selben Zeit in den Vergleichsjahren. Einzig die Schweiz stand im Herbst ähnlich schlecht da wie Österreich.

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Übersterblichkeit in Österreich doppelt so hoch wie in den USA
× Übersterblichkeit in Österreich doppelt so hoch wie in den USA

Übersterblichkeit auch ohne Corona?

In den Statistiken, die die Übersterblichkeit angeben, hat es auch in den vergangenen Jahren Spitzen gegeben. Bei Grippewellen ist beispielsweise eine starke Übersterblichkeit zu verzeichnen, so wie etwa in der ersten Woche des Jahres 2017.

Wenn man die Personen, die an oder mit Covid-19 verstorben sind, aus der Statistik herausrechnet, dann zeigt sich eine spannende Tatsache: Auch ohne den Corona-Toten sind demnach jede Woche weit mehr Personen gestorben, als in einem „regulären“ Jahr. Ist also Corona gar nicht schuld an der Übersterblichkeit?

Indirekte Corona-Tote

Der ehemalige Statistikprofessor Erich Neuwirth, der jahrelang an der Universität Wien gelehrt hatte, interpretiert die Daten des aktuellen Jahres folgendermaßen: Er sieht mehrere mögliche Gründe für die hohe Übersterblichkeit verantwortlich. Entweder es gab mehr Todesfälle, die dem Virus geschuldet waren, als jene, die die Behörden registriert hatten. Oder das Gesundheitssystem sei so ausgelastet gewesen, dass die Menschen auch an anderen Krankheiten starben.

Eine länderübergreifende Studie der Austrian Health Academy gibt darüber hinaus als wahrscheinlichen Grund an, dass einige Menschen auch starben, weil sie Angst vor einer Corona-Infektion hatten und deswegen bei Krankheitsbeschwerden nicht rechtzeitig zum Arzt oder ins Spital gingen.



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